Eine Ära geht zu Ende

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Johannes Illerhaus (links) schlug im Schulausschuss ein Fest zum Abschied der Hauptschule vor.

Nachrodt-Wiblingwerde- Eigentlich war es nur eine Formsache. Eigentlich. Aber die Mitglieder des Schulausschusses wollten nicht einfach die Vorlage absegnen, nicht einfach die Auflösung der Albert-Schweitzer-Hauptschule beschließen, sondern ihr Bedauern und ihren Dank sehr deutlich herausstellen.

„Als ich 1980 hier unterrichtete, waren noch 360 Schüler an der Hauptschule“, erzählte Johannes Illerhaus, der für die UWG den „langsamen Tod der Hauptschulen“ in wenigen, aber sehr deutlichen Worten erklärte: unter anderem aufgrund zurückgehender Schülerzahlen und neuer Schulformen: „Trotzdem hat die Hauptschule hier immer mit seinem engagierten Kollegium sehr gute Arbeit geleistet und hatte einen sehr guten Ruf in der Elternschaft.“

Aus vielen Schülern sei auch „etwas geworden“, sie seien erfolgreich im Beruf. „Aber wir können die Entwicklung nicht zurückdrehen. Mir tut es leid, dass die Hauptschule nicht die Rolle spielen konnte, wie sie hätte sollen“, so Illerhaus.

Der UWG-Fraktionsvorsitzende schlug vor, die Albert-Schweitzer-Hauptschule nicht sang- und klanglos zu schließen, sondern ein Schulfest zum Abschied zu veranstalten. Mit dieser Idee stieß er bei allen Ausschussmitgliedern auf offene Ohren. Auch SPD-Ratsherr Matthias Lohmann bedauerte, dass „eine Ära zu Ende geht.

“ Die Hauptschule sei ein klassisches System für Spätentwickler gewesen und man habe sie nicht gesund, sondern krank geschrumpft. „Wir sehen die Geister, die wir riefen“, so Lohmann, der sich ebenso wie Ulrich Gülicher (CDU) bei Hauptschul-Leiter Rüdiger Grote bedankte.

„Er ist immer den nicht einfachen Weg mitgegangen und hat das klaglos getan. Leider ist es anders gekommen als wir erhofft hatten. Bis zum finalen Abschluss haben wir nicht durchhalten können“, erklärte Ulrich Gülicher die Schließung der Schule bereits zum Ende dieses Schuljahres.

Eigentlich, so hatten es sich alle Beteiligten gewünscht, hätte die Hauptschule noch ein weiteres Jahr bestehen sollen, um alle Schüler bis zum Abschluss zu führen. Doch da Rektor Rüdiger Grote im März 65 wird („ich hätte auch nicht gedacht, dass ich schon so alt bin“) und auch ein weiterer Lehrer in den Ruhestand geht, ist eine Weiterführung nicht mehr möglich. 20 Schüler müssen nun für ihr letztes Jahr wechseln. „Wir wollen jetzt Gespräche mit den Eltern führen“, so Kämmerin Gabriele Balzukat. Es bestehe die Möglichkeit, an die Hauptschule nach Letmathe zu gehen. Die Fahrtkosen bezahle die Gemeinde.

Die Reaktion der Eltern auf die baldige Schließung, so erzählte Rüdiger Grote, sei sehr verständnisvoll gewesen. Dafür bedankte er sich ebenso wie für die tatkräftige Unterstützung, die es immer auch von der Gemeinde gegeben habe.

„Es wurde uns alles ermöglicht“, so Grote. „Wir haben uns wirklich alle ‘reingehangen und alle haben uns tatkräftig unterstützt. Aber die Hauptschule ist kaputt geredet worden und ließ sich nicht mehr halten“, bedauerte Rüdiger Grote, der seinen Beruf „immer sehr gern ausgeübt hat.“

Zum Schluss empfahl der Schulausschuss dem Rat einstimmig: Die Albert-Schweitzer-Hauptschule wird zum Ende des Schuljahres 2015/2016 aufgelöst.

Im Gebäude der Schule am Holensiepen ist sodann „nur“ noch die Sekundarschule, die einen großen Zuspruch findet. 83 Mädchen und Jungen wurden für das kommende Schuljahr angemeldet. Es werden drei Eingangsklassen gebildet. Da mehr Kinder die Sekundarschule besuchen wollen als aufgenommen werden können, wird nun ein Losverfahren entscheiden.

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