Arreste und Sozialstunden für Beteiligten

21 Monate für Silvester-Schläger

Justizia griff durch: 19 Monate für den Silvesterschläger.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Ein Jahr und neun Monate auf Bewährung für den 24-jährigen Angeklagten, 100 Sozialstunden und zwei Freizeitarreste für den 17-Jährigen – mit diesem Urteil endete das Strafverfahren, dessen Gegenstand Übergriffe in der Silvesternacht 2014/15 waren.

Das Verfahren gegen einen weiteren 17-Jährigen war schon zuvor eingestellt worden, weil dessen aktive Beteiligung an dem Geschehen zweifelhaft geblieben war. Als eine kleine Wiedergutmachung muss der 24-Jährige 1500 Euro an den 42-jährigen Familienvater zahlen, der aus Sorge um seinen Sohn und seine Neffen hinzugeeilt war. 500 Euro muss der 17-Jährige an den 15-Jährigen zahlen, der ebenfalls übel zugerichtet wurde.

„Die Aussagen der Zeugen haben uns überzeugt“, sagte Marcus Teich, Vorsitzender Richter der 1. großen Jugendkammer, in seiner ausführlichen Urteilsbegründung. Zu keinem Zeitpunkt sei der Eindruck entstanden, dass die Zeugen die Angeklagten zu Unrecht hätten beschuldigen wollen. Im Gegenteil hätten sie klar gemacht, wo die Grenzen ihrer Wahrnehmungen lagen, wo sie etwas selbst gesehen und wo sie es nur von anderen gehört hatten. 

So hatte der Sohn des 42-Jährigen ganz klar gesagt, dass er nicht gesehen habe, was mit seinem Vater weiter geschehen war, weil dieser ihn zur Sicherheit nach Hause geschickt hatte. Auch ihre immer noch andauernden psychischen Beschwerden hätten die Geschädigten nicht übertrieben dargestellt. Das Geschehen rekonstruierte der Richter so: Nach einem ersten Wortwechsel zwischen den beiden Gruppen, bei dem der 24-jährige Angeklagte noch zur Mäßigung aufgerufen hatte, prügelte einer der beiden 17-Jährigen auf den 15-Jährigen ein und schoss mit seiner Schreckschusspistole.

Kurz darauf verlor der 24-Jährige offenbar völlig die Beherrschung und ging auf den aus Sorge hinzugeeilten Familienvater los, schlug und trat ihn und schoss mit einer Schreckschusspistole auf den 42-Jährigen. „Sie haben eben nicht nur geholfen, sondern auch bestraft. Das was Sie gemacht haben, war im Grunde genommen Selbstjustiz“, sagte der Richter. 

Deutliche Worte gab es auch an die Adresse des 17-Jährigen, der fähig gewesen sei „zu erkennen, was da vor sich gegangen ist“. Obwohl er in der Hauptverhandlung „einen vernünftigen Eindruck“ gemacht habe, seien doch „deutliche Sanktionen“ nötig. Denn dadurch, dass der Jüngere den 24-Jährigen zu seiner Schlägerei mit dem 15-Jährigen hinzuholte, verursachte er die Eskalation des Geschehens.

Auch der Ältere habe trotz eines Blutalkoholpegels von gut 2,2 Promille noch gewusst, was er in jener Nacht tat: „Keiner hat Ausfallerscheinungen bei ihm beobachtet.“ Dafür spreche auch, dass er dem Familienvater das Handy entriss, als dieser die Polizei anrufen wollte: „Das setzt voraus, dass er die Situation noch adäquat erfasste.“

Mit dem Strafmaß von einem Jahr und neun Monaten ging das Gericht noch über den Antrag von Staatsanwalt Axel Nölle hinaus, der ein Jahr und sechs Monate beantragt hatte. Die beiden Opferanwälte Christopher Tausch und Thomas Mohrmann schilderten die Ereignisse jener Nacht noch einmal aus der Sicht ihrer Mandanten, die bis heute unter den Erinnerungen leiden.

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