Schnaps für 2,39 Euro gestohlen

18-Jähriger begeht große Dummheit

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Nachrodt-Wiblingwerde - Völlig unnötige und zudem weitgehend ertraglose Straftaten erwecken leicht den Eindruck, dass da jemand auf merkwürdige Weise um Aufmerksamkeit bettelt.

Zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung wurde ein 18-Jähriger aus Nachrodt-Wiblingwerde am 10. Dezember 2015 verurteilt – wegen Beleidigung, Betrug, Diebstahl und der „Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole“. Nach einem solchen Urteil gibt es immer eine ausführliche richterliche Belehrung darüber, dass bei einer weiteren Straftat ein Widerruf der Bewährung droht.

Widerruf der Bewährung

Doch diese Botschaft erreichte den jungen Mann nicht: Am 21. Januar klaute er in einem Verbrauchermarkt in Iserlohn eine kleine Flasche Jägermeister zum stolzen Preis von 2,39 Euro. Weil ihm dort zuvor bereits ein Hausverbot erteilt worden war, kam eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch dazu. Das Ganze wiederholte sich - ohne Diebstahl - am 18. März beim Kauf einer Flasche Bier. Der Angeklagte zeigte sich im Amtsgericht Altena klar orientiert über den Unsinn, den er angestellt hatte: „Für 2,39 Euro so eine Scheiße zu machen – da muss ich selber über mich lachen.“ Oberstaatsanwalt Dr. Pauli stimmte zu und erinnerte an die Situation des 18-Jährigen: „Vor allem, wenn man ein Jahr offen hat.“ Seine Rechtsanwältin Andrea Selheim wurde ebenfalls deutlich: „So dumm kann man eigentlich nicht sein.“ Dass der junge Mann es nicht leicht gehabt hatte in seinem Leben, machten seine Schilderungen deutlich: „Mein Vater hat mich und meine Mutter jahrelang tyrannisiert.“

Vater hat mich tyrannisiert

Sehr früh sei er dann zuhause ausgezogen. Die Rechtsanwältin hörte die Botschaft, schaute aber nach vorne: „Es ist zwar was schiefgelaufen in seinem Leben, aber da kann man sich auch nicht ein Leben lang drauf ausruhen.“ Oberstaatsanwalt Dr. Pauli stellte fest, dass die neuerlichen Straftaten „im Grunde genommen alles Lappalien“ gewesen seien und ließ Raum für Milde: Er plädierte für eine Jugendstrafe von 15 Monaten auf Bewährung – unter Einbeziehung des Urteils vom Dezember.

Urteil aus Dezember

Der Vertreter der Anklage schlug zudem eine Auflage von 50 Sozialstunden vor und erinnerte noch einmal nachdrücklich daran, was dem Angeklagten drohe: „Eine stationäre Maßnahme durch das Land NRW. Dann geht morgens die Tür auf und man hat einen sehr strukturierten Tagesablauf.“ Das Jugendschöffengericht ergänzte diese Jugendstrafe in seinem Urteil noch um 150 Sozialstunden und verordnete dem Angeklagten eine „Betreuungsweisung“: Er muss mindestens ein Jahr lang intensiv mit dem Jugendamt zusammenarbeiten. Beim Verstoß gegen die Auflagen droht ihm zudem ein Beugearrest.

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