Abschied von der Albert-Schweitzer-Hauptschule

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Schulrat Winfried Becker (links) verabschiedete Schulleiter Rüdiger Grote in den Ruhestand

Nachrodt-Wiblingwerde - Sie war ein bisschen wie das berühmte gallische Dorf aus den Asterix-Comics. „Ganz Deutschland war überzeugt, dass an Hauptschulen keine gescheite Arbeit geleistet werden kann. Ganz Deutschland? Nein, eine kleine unbeugsame Hauptschule hörte nicht auf, diesem Vorurteil Widerstand zu leisten. Und unsere Erfolgsbilanz gibt es uns darin mehr als Recht.“ Schulleiter Rüdiger Grote kämpfte bei diesen Worten mit den Tränen. Denn es waren seine Abschiedsworte für die Albert-Schweitzer-Hauptschule, die nach 45 Jahren am morgigen Freitag (8. Juli)  für immer schließt. An einem besonders schönen Ort kamen am Dienstagabend alle zusammen: auf dem Hof Simon in Haste.

Dort gab es auch die Zeugnisse für die Zehner und die offizielle Verabschiedung für Schulleiter Rüdiger Grote. Es regnete immer wieder. Theatralisch könnte man sagen: der Himmel weinte – ganz passend zu einem Anlass, der durchaus traurig für viele Beteiligte war.

Obwohl es natürlich auch etwas zum Feiern gab. 17 junge Frauen und Männer bekamen ihre Abschlusszeugnisse, vier von ihnen schafften die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. „Was euren Lehrern und Eltern als Abschluss erscheint, auf den wir alle hingearbeitet haben, ist für euch doch erst der Anfang“, sagte Rüdiger Grote und wünschte seinen „letzten“ Schülern einen wachen Verstand, Ausdauer und den Mut, neue Wege zu gehen. „Habt keine Angst vor Misserfolgen, denn nur wenn man sich Rückschlägen mutig stellt, bekommt man auch die große Chance, daran zu wachsen und sich zu verändern.“

 Gleich viermal musste sich Rüdiger Grote verabschieden: von den jungen Leuten der Klasse 10, von den Schülern der jetzigen Klasse 9, die allesamt nach den Sommerferien in Letmathe unterrichtet werden und ihren Lehrer Bernward Seidel dorthin „mitnehmen“, von seinem Leben als Lehrer und Rektor und von seiner Hauptschule, die mit ihm in den Ruhestand geht. „Ich muss gestehen, dass mir der Abschied schwer fällt“, sagte Rüdiger Grote.

Doch er war nicht der einzige, der einen Kloß im Hals hatte. Auch Bürgermeisterin Birgit Tupat, die mit Kämmerin Gabriele Balzukat nach Haste gekommen war, rang um Fassung. „Du hast deine Schule geprägt und auch meinen Lebensweg sechs Jahre begleitet“, sagte die Bürgermeisterin, hob Rüdiger Grotes offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Schüler hervor, und fügte schmunzelnd hinzu: „Gefühlt habe ich Mathe und Englisch nur bei dir gelernt.“

 Auch an die Abschlussschüler richtete sich die Bürgermeisterin: „Ihr habt das Rüstzeug für das Leben mitbekommen. Besinnt euch auf eure Stärken und lasst nicht locker.“

Einen ganz offiziellen „Akt“ gab es auch: Schulrat Winfried Becker kam in offizieller Mission der Bezirksregierung, um Rüdiger Grote in den Ruhestand zu verabschieden. Dass er die Urkunde in einer festlich-geschmückten Scheune übergab, war ein Novum für ihn. „Das finde ich total klasse“, meinte Becker und stieß wenig später mit Rüdiger Grote auf Brüderschaft an. Die Zusammenarbeit sei immer hervorragend gewesen, Schulprobleme habe man immer „kurz und knackig“ gelöst. „Ihr Name ist über die Grenzen von Nachrodt-Wiblingwerde bekannt und wird immer in guter Erinnerung bleiben“, so Becker, der daran mitgewirkt hatte, dass die Hauptschule bereits in diesem geschlossen wird und die letzten Schüler nach Letmathe wechseln. „Dafür habe ich mir auch Kritik eingefangen“, so Becker, aber es „war eine reine Vernunftsentscheidung.“ An die Schüler gerichtet, die ihr Abschlussjahr nun in der Nachbarstadt verbringen müssen, sagte er: „Seid mir nicht böse, ich habe es wirklich gut gemeint.“

Übrigens: Bevor in der Scheune dann richtig – und zwar bis 5 Uhr in der Früh – gefeiert wurde, sprachen auch die Ratsmitglieder Aykut Aggül für die SPD und Petra Triches für die UWG Dankesworte und überreichten Geschenke. „Ihr könnt alles schaffen“, meinte Petra Triches zu den Abschluss-Schülern. Diese hatten sich natürlich nicht nur in Schale geworfen, sondern auch ihrerseits für die Lehrer und „den weltbesten Schulleiter“ Bilder von der Abschiedsfahrt nach Berlin vorbereitet.

 „Es war wirklich überwältigend für mich“, so Rüdiger Grote. „Fast schon etwas zu viel der Lobeshymnen.“

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