"Andere Lenneterrassen laufen und brummen"

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Rastatt-Pächterin Anke Ahlers.

Nachrodt-Wiblingwerde - Das Wetter richtet sich nach der Jahreszeit – doch woher weiß es Bescheid? Den Sommer hatten viele für dieses Jahr fast schon abgeschrieben. Doch jetzt mag ein Jeder im Biergarten sitzen. Oder an den Lenneterrassen. Wenn es nach den Wünschen der Gemeindeverwaltung geht, soll genau dies an der Rastatt möglich sein – an diesem herrlichen Platz mit Blick auf die Felsen und den Fluss. Doch so einfach, wie es sich anhört, ist es augenscheinlich nicht. Und Stress gibt es auch.

Erst die guten Neuigkeiten: Zwei Events bietet Rastatt-Pächterin Anke Ahlers an – am 21. August einen Bürger-Frühschoppen und am 17. September einen Oldie-Abend. Beides umsonst und draußen – an der neuen Lenneterrasse.

 „Zum Bürgerfrühschoppen kommt der Shanty-Chor mit einem zwei bis zweieinhalbstündigem Programm“, freut sich Anke Ahlers auf den ersten Bürgerfrühschoppen dieser Art neben der Rastatt. Kaffee und Kuchen, Bratwurst im Brötchen und gute Musik sind versprochen. Los geht es um 11 Uhr mit der Eröffnung, die Bürgermeisterin Birgit Tupat übernehmen wird.

Am Samstag, 17. September, kommt ab 18 Uhr eine Band, die „wirklich spitze ist“, wie die Rastatt-Wirtin erzählt. Zum 50. Geburtstag von Thomas Barsekow haben die „Telstars“ im Rastatt-Saal gespielt und dort für eine sensationelle Stimmung gesorgt. Jetzt gibt es Oldies für Jedermann. „Wenn es regnet, verlegen wir die Veranstaltung in den Saal“, verspricht Anke Ahlers, dass das Event auf jeden Fall stattfinden wird. Mit diesen beiden bevorstehenden Veranstaltungen werden die neu gestalteten Lenneterrassen belebt.

Doch es ist nicht das Drei-Säulen-Modell, das die Gemeindeverwaltung im Sinn hat. An allen schönen Tagen, das wäre ein Herzenswunsch, sollen die Terrassen geöffnet – also bewirtet sein. „Das war ganz anders abgesprochen“, sagt Rastatt-Pächterin Anke Ahlers. Natürlich sei die Idee gut, aber es „hapert daran, dass alles zu groß und zu schwer ist.“ Damit meint sie die zehn Bierzeltgarnituren und die drei riesigen Sonnenschirme, die in der Garage sind, – und die, wenn das Wetter schön ist oder wird – aus der „Unterkunft“ herausgeholt und aufgebaut werden müssen. Und zwar jeden Tag. Morgens aufbauen, abends abbauen. „Denn ich kann die Sachen ja nicht draußen stehen lassen, dann sind sie weg.“ Zudem fehle es ihr an Personal. „Ich hätte mich doch schon um Personal gekümmert. Aber es war von Events die Rede.“

„Wir möchten gern, dass die Lenneterrassen belebt werden. Und da tut sich nichts“ Die hervorragende Lage und die schöne Aussicht könnten aber nach Ansicht der Verwaltung viel mehr genutzt werden.

„Und wir haben auch zwei Anfragen für Trauungen dort im nächsten Jahr“, sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer. Dann soll auch ein Sektempfang möglich sein, vielleicht auch Essen. „Das haben wir alles im April mit Frau Ahlers abgesprochen.“ Auch, dass die Rastatt-Pächterin bei schönem Wetter die Spaziergänger, Radfahrer oder Ausflügler an den Terrassen bewirtet, sei besprochen worden. Die Gemeindeverwaltung habe sich um die Anschaffung der Zapfanlage, der Bierzeltgarnituren und Schirme gekümmert und alles in die Wege geleitet.

 „Wir möchten gern, dass die Lenneterrassen belebt werden. Und da tut sich nichts. Das stört mich“, macht Axel Boshamer seinem Unmut Luft. Vielleicht, so sagt er, könne man die Tische, Bänke und Schirme auch stehen lassen. Dann wäre das Aufbau- und Abbau-Problem gelöst. „Das muss sich ja erst einmal alles einspielen. So war es beim Lenne-lebt-Tag auch.“

Dass Anke Ahlers weiteres Personal benötigt, um die Pläne umzusetzen, versteht sich von selbst. Ebenso, dass niemand vorher sagen kann, ob sich das Geschäft auch lohnt. „Unternehmerisches Risiko“, findet Axel Boshamer, ist sich aber sicher, dass solch ein Angebot in Nachrodt gut ankommen würde.

Auch Vereine sollen übrigens die Möglichkeit bekommen, sich an den neuen Lenneterrassen zu präsentieren. Der Kulturschock, so sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer, habe schon sein Interesse bekundet. Angedacht ist montags und mittwochs – wenn die Rastatt geschlossen hat. „Die Einzelheiten muss man dann klären. Eine Möglichkeit ist, dass Anke Ahlers die Getränke zur Verfügung stellt und später mit dem Verein abrechnet. Oder dass der Verein über den Bierverleger die Getränke bestellt und selbst in der Garage lagert.“

Anke Ahlers fühlt sich unter Druck. Abgesehen von der Schlepperei rund um den Auf- und Abbau sagt sie: „Ich weiß nicht, wie das angenommen wird. Und zum Schluss muss ich noch hineinbuttern.“ Große Sorgen bereiten ihr auch die nächtlichen Aktivitäten neben der Rastatt. Krach bis Nachts um halb zwei. Übernachtungsgäste wollen deshalb schon abreisen. Axel Boshamer verspricht ein Schild mit dem Hinweis „Ab 22 Uhr nur für Gäste.“ Aber ob das Problem dadurch gelöst wird?

Doch zurück zu den Lenneterrassen: „Wir haben von unserer Seite alles getan, was wir tun konnten. Wir haben mit der Brauerei verhandelt und auf Forderung des Rates die Garage hergerichtet. Wenn ich ‘rausgucke, könnte ich mir toll vorstellen, abends an der Lenne zu sitzen und ein Getränk zu genießen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat.

Sie wünscht sich auch, dass die Bewirtung vor Ort bei jedem schönen Wetter stattfindet. „Die Investitionen, auch wenn sie mit Zuschüssen gelaufen sind, waren doch nicht unerheblich. Andere Lenneterrassen laufen und brummen. Jetzt kann auch hier durchgestartet werden.“

Der Kulturschock ist auf jeden Fall interessiert, montags und mittwochs Gäste an den Lenneterrassen zu empfangen. „Wir hatten am letzten Donnerstag eine Sitzung und alle sind dafür“, sagt Ronny Sachse. „Aber das soll keine Exklusiv-Geschichte für den Kulturschock werden. Auch andere Vereine sollen ja angeschrieben werden“, sagt Sachse, der davon überzeugt ist, dass solch ein Angebot gut ankommen wird. „Von daher können wir die Tage nutzen, um ein bisschen Geld zu verdienen und um auf die Kulturschock-Veranstaltungen hinzuweisen.“

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