Inventur im Wiblingwerder Wald

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Mit moderner Technik macht Ralf Dietenberger Bestandsaufnahme im Wald.

Nachrodt-Wiblingwerde - Schwer bepackt stiefelt Ralf Dietenberger durch das Unterholz. Unter dem Arm hat er Katasterauszüge, Luftbilder und jede Menge Technik. Er ist aber nicht auf der Suche nach seltenen Pflanzen, kranken Bäumen oder einzigartigen Naturaufnahmen, sondern er zählt die Bäume, erfasst den Bestand.

Von Lydia Machelett

Dietenberger hält immer wieder an, blickt durch eine Art Kamera, macht sich Notizen und geht mit einem anderen Gerät, durch das er guckt, um die Bäume herum. Seit Wochen ist er in den Wäldern unterwegs. arbeitet für die Deutsche Forstberatung. Er ist ein echter Waldexperte. Die Wiblingwerder Forstbetriebsgemeinschaft hat ihn mit einer so genannten Forsteinrichtung beauftragt. Etwa alle zehn Jahre wird diese besondere Bestandsaufnahme durchgeführt. Sie ist ein Führungs- und Planungsinstrument für die Waldbauern. Dafür wird der Bestand und der Zustand der Waldstücke erfasst. Anhand dessen erarbeitet Dietenberger Konzepte für die mittelfristige Planung und Zielvorgaben.

Was zunächst relativ simpel klingt, ist eine hochkomplexe Angelegenheit, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Immerhin müssen rund 1300 Hektar Wald unter die Lupe genommen werden. Dieses Mal geht es nach Brenscheid. Mit seinem weißen Geländewagen startet er seine Tour in einem Waldstück zwischen Brenscheid, Brenscheider Mühle und Nahmer Schweiz. „Ich muss erst einmal gucken, ob ich hier überhaupt richtig bin“, sagt Dietenberger. Denn in dem kleinen Dorf war er noch nie zuvor. Den Wald hat er ebenfalls nie gesehen. Schwer wird die Orientierung durch Wege, die nach Kyrill entstanden sind und daher noch nicht in den Karten zu finden sind.

Kurz vor einer Neuanpflanzung hält er an und beginnt mit der Arbeit. Zunächst lässt er seinen Blick einfach über das Areal schweifen. Rechts des Weges erheben sich majestätisch alte Buchen, links registriert er einen von Kyrill verschonten Fichtenbestand und direkt vor ihm befindet sich eine kleine Neuanpflanzung. Dietenberger geht das Herz auf. „Ein schöner Wald“, sagt er. Was für den unkundigen Betrachter einfach nur ein Wald ist, ist für Dietenberger ein perfektes Beispiel für nachhaltige, effiziente und durchdachte Forstwirtschaft. „Gucken Sie nur den Buchenbestand an. Der steht wirklich sehr gut. Es gibt Raum und Licht für Naturverjüngung“, erklärt der Experte. Ein guter Wald muss für den Experten nicht aufgeräumt sein, sondern eine Vielfalt bieten, Chancen zur Verjüngung haben und in einem gewissen Maß gepflegt sein.

Nachdem er einen ersten Überblick hat, beginnt er, mit den Karten zu vergleichen. Dort, wo jetzt junge Pflanzen wachsen, standen offensichtlich vor zehn Jahren noch 60 Jahre alte Buchen. „Auf dieser Karte ist genau verzeichnet, welche Qualität und welches Alter die Bäume hatten, die vor zehn Jahren hier standen. Zudem ist der Bestockungsgrad angegeben“, so Dietenberger. Der Bestockungsgrad sagt aus, wie viel Holz auf einer Fläche steht und ist ein Indikatoren für die Handlungsvorgaben, die Dietenberger nach Abschluss der Bestandsaufnahme erarbeiten wird.

Doch um all dies genau bestimmen zu können, werden die Bäume vermessen. Mit einem speziellen Höhen- und Entfernungsmesser kann der Experte den Bestand erfassen. Die Fichte nebenan ist beispielsweise 27,1 Meter hoch. Bis auf zehn Zentimeter genau misst das Gerät. „Ich nehme für die Messungen immer einen Baum mittlerer Höhe, um daraus das Gesamtvolumen des Abschnitts abzuleiten“, erklärt er. Als nächstes greift er zu einem so genannten Spiegelrelaskop. Er blickt hindurch und läuft dabei um den Baum herum. Damit wird die Grundfläche des Baumes gemessen.

Noch einige Wochen wird Dietenberger in den Wäldern unterwegs sein. Er wird vergleichen, zählen, messen und notieren. Erst danach geht es zurück nach Arnsberg, ins Büro. Dort wird er dann Vorschläge formulieren, was in den nächsten zehn Jahren gemacht werden sollte. „Das sind keine Vorschriften. Ich gebe lediglich einen groben Handlungsrahmen vor. Man sieht ja, dass die Wiblingwerder wissen, was sie tun. Ihre Wälder haben sie im Griff“, erklärt er.

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