Walzwerke verlieren durch Veruntreuung 43.500 Euro

(Symbolfoto)

Nachrodt-Wiblingwerde - Im Strafverfahren gegen einen ehemaligen Wohnungsverwalter ist die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen mittlerweile beim Immobilienbestand der Walzwerke Einsal angekommen. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens bezifferte den Gesamtschaden für das Immobilienkonto des Unternehmens auf 43.500 Euro.

Von Thomas Krumm

Im Juni 2010 hatte der Angeklagte, der umfassende Zugriffsrechte auf die von ihm betreuten Konten hatte, demnach 34 500 Euro auf sein Firmenkonto umgebucht. Weitere 9000 Euro folgten. In den vorangegangenen Jahren seiner Betreuungstätigkeit für die Walzwerke-Immobilien war es dem Angeklagten immer noch gelungen, die zu Unrecht abgebuchten Beträge für die Jahresabrechnungen wieder auszugleichen. Zu diesem Zweck bediente sich der Verwalter anderer Konten, die er betreute. So entstand ein System von Veruntreuungen auf Zeit, die der Wirtschaftsstrafkammer eine Fleißaufgabe beschert: Endlose Kontonummern, Kontostände und Buchungen werden aus den Akten verlesen und mit dem Angeklagten besprochen.

Neben den beiden nicht mehr ausgeglichenen Abbuchungen listet die Anklage fast ein Dutzend weitere verdächtige Kontobewegungen auf. „War da eine richtige Buchung dabei?“, fragt der Vorsitzende Richter den Angeklagten. „Nein“, erwidert der – und zögert dann doch: Die letzte dieser Überweisungen sei untypisch – da müsse er klären, um was es sich gehandelt habe. Auch wenn die Beträge wieder zurückgebucht wurden, handelt es sich strafrechtlich gesehen doch um Veruntreuungen.

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Dass der Angeklagte das Konto der Walzwerke lange Zeit zumindestens am Jahresende wieder ausgleichen musste, ist offenbar der Aufmerksamkeit der zuständigen Mitarbeiterin des Unternehmens zu verdanken. Der Richter lobt sie: „Sie waren dem Angeklagten gegenüber relativ kritisch – was für Sie spricht.“ Erleichtert wurden dem Angeklagten die unberechtigten Buchungen aber offenbar dadurch, dass er lediglich die Kontostände am Jahresende, nicht aber monatliche Kontostände mitteilte. Trotz der Vorsicht bleibt der Schaden von 43 500 Euro. „Die Walzwerke haben das abgeschrieben?“, fragt der Vorsitzende. „Ja“, bestätigt die Zeugin. Was bliebe auch sonst? Der Angeklagte lebt derzeit von Hartz IV.

Nach schier endlosen Zahlenkolonnen wendet sich der Richter nach dem dritten von neun vorgesehenen Verhandlungstagen an die Runde: „Danke für die Geduld, aber ich habe dieses Verfahren nicht erfunden.“

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