Osterlämmchen in Rennerde nicht für den Kochtopf

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Die Jungtiere sind erst wenige Wochen alt, aber schon an das Gras auf der Obstwiese gewöhnt. Die Rasse „Weiße hornlose Heidschnucke“ ist sehr pflegeleicht in der Haltung. Familie Jundt nutzt sie als lebendige Pfleger für die Wiese.

Nachrodt-Wiblingwerde - Anette Jundt raschelt mit getrocknetem Brot und schon sind drei der Weißen hornlosen Heidschnucken am Weidezaun angelangt. Im Schlepptau: Vier süße Lämmchen, geboren am 8. und 9. März.

Ausgerechnet der Bock als Papa der zwei Zwillingspaare ist der Schüchterne in dieser Szenerie in Rennerde. Für Familie Jundt sind es die ersten Osterlämmchen überhaupt: Im April 2015 legten sie sich die Heidschnucken zu – „als lebendige Rasenmäher“ für die ans Haus grenzende Obstwiese. 

Mit getrocknetem Brot lassen sich auch die älteren Damen und der Bock anlocken. Der hat gleich zwei mal Zwillinge angesetzt.

Die Entscheidung, die vier Weibchen und den Bock zu nehmen, haben sie seither nicht bereut: „Sehr lieb, sehr pflegeleicht!“, erklärt Anette Jundt. Mehr als grünes Gras im Sommer, Heu im Winter und Wasser benötigt diese Rasse zu ihrem Glück nicht. „Kraftfutter haben wir jetzt zum ersten Mal zugefüttert, weil die Jungen da sind.“ Innerhalb von zwei Tagen kamen die beiden Zwillingspärchen zur Welt. Dass die dritte Schnucke auch noch tragend sein könnte, ist nicht auszuschließen. 

Sehr zutrauliche Lämmchen

Der Nachwuchs nutzt jede Gelegenheit aus, um an die Zitzen der Muttertiere zu kommen.

Fest steht: In den Kochtopf kommt der süße Nachwuchs nicht, denn ihn haben die Rennerder in kürzester Zeit schon so lieb gewonnen, wie die Alttiere, die einst vom Züchter aus Ladbergen im Tecklenburger Land kamen. Im ersten Sommer im Dorf wurde es den Tieren etwas warm. Da wurden sie geschoren, nur für die Wolle hat Anette Jundt bislang keine Verwendung gefunden. „Da muss ich mir was einfallen lassen, denn es kommt ja dieses Jahr noch mehr dazu“, erklärt sie lachend. Dass ihr zu Ostern die vier niedlichen und auch schon sehr zutraulichen Lämmchen beschert wurden, freut sie natürlich: „Gut, dass das Fest in diesem Jahr so früh gefeiert wird...“ 

Findet übrigens auch die Nachbarschaft im Dorf, die oft am Zaun Halt macht, um sich den putzigen Nachwuchs anzusehen. Der nutzt jede Gelegenheit aus, um an die Zitzen der Muttertiere zu kommen, denn die Weißen hornlosen Heidschnucken erziehen ihre Kinder früh zur Selbstständigkeit: Auch die Kleinen knabbern schon am Weidegras. Dass das aktuell nicht saftig grün steht, sondern noch durch viele feuchte und erdige Stellen durchsetzt ist, stört diese Rasse nicht: Sie wird auch Moorschnucke genannt und ist hervorragend an das Leben in Moorlandschaften angepasst. Ihren Ursprung haben sie in Niedersachsen. 

Osterlämmchen kommt nicht auf den Tisch

Und das traditionelle Osterlämmchen? Kommt bei Familie Jundt nicht auf den Tisch. Schon in vorchristlicher Zeit galt dieses Jungtier als Symbol für Unschuld und Wehrlosigkeit. Im Alten Testament erscheint das Lamm mehrfach als Opfertier. Im Neuen Testament ging dieses Symbol auf Jesus Christus, das „Lamm Gottes“ über, da sich dieser nach christlichem Glauben stellvertretend für die Menschheit geopfert hat. Bei den frühen Christen wurde das Osterlamm nach der Schlachtung zur Weihe direkt unter den Kirchenaltar gelegt. Das so geweihte Lammfleisch diente dann als erste Mahlzeit am Osterfest nach der Fastenzeit – der Brauch hat sich bis heute in vielen christlichen Kulturen bewahrt.

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