Peter Herbel: Ziel ist es, zu überzeugen

Peter Herbel: Sein Ziel ist es, zu überzeugen.

Nachrodt-Wiblingwerde - An den 4. Mai 1975 kann sich Peter Herbel noch genau erinnern. Es war der Tag, an dem er sich im Wahlbezirk 8 gegen Horst Pliquett durchsetzte und ihm die Wähler in der Praxis Dr. Jagla das Direktmandat für den Gemeinderat gaben. Bis heute hat der CDU-Politiker den Sitz gehalten. Und auch 40 Jahre später ist sein Einsatz für eine leistungsstarke Verwaltung ein Ziel mit Priorität.

Die Rahmenbedingungen haben sich allerdings geändert und Peter Herbel geht heute so weit, dass er einen radikalen Schnitt vollziehen würde: „Eigentlich müssten wir zwei Verwaltungen platt machen und eine neue Aufbauen, um wieder wirtschaftlich arbeiten zu können.“ Dabei denkt Herbel ans Altenaer Rathaus und ans Nachrodter Amtshaus. Samtgemeinde statt interkommunaler Zusammenarbeit. „Wir müssen sparen, um von unseren Schulden runterzukommen. Es ist bitter, aber das geht nur über Personal.“

Peter Herbel weiß: Vor 40 Jahren war es einfacher, die Gemeinde zu gestalten. „Obwohl wir ja nicht mal Mehrheiten hatten als CDU. Wilhelm Mestekämper wurde Bürgermeister. Aber das war kein Grund, in Sack und Asche zu laufen.“ Ganz im Gegenteil: Herbel hat es immer geschätzt, wenn er mit Überzeugungskraft an eine Sache herangehen musste. „Früher, da dauerten Ratssitzungen bis spät in die Nacht. Man diskutierte und stritt sich. Aber danach konnte man mit diesen Leuten auch wieder ein Bier trinken gehen. Das waren echte Typen, mit denen man zu tun hatte. Die findet man heute nicht mehr oft.“

Auch innerhalb der eigenen Fraktion war nie eitel Sonnenschein. Peter Herbel denkt oft an Friedhelm Schröder, seinen langjährigen politischen Weggefährten, der es später zum Bürgermeister brachte. „Wir waren längst nie einer Meinung. Friedhelm nahm aber einen innerparteilichen Konflikt nie zum Anlass, mir die Freundschaft zu kündigen. Das habe ich ihm immer hoch angerechnet. Ich bedaure sehr, dass er nicht mehr bei uns ist.“

Infrastrukturell erlebte das Duo bessere Zeiten: „Es konnte problemlos Kunstrasen verlegt und ein Anbau für die Grundschule errichtet werden, die Straßen waren in Ordnung und das Hallenbad konnten wir eigenständig unterhalten. Bürgermeister wie Herbert Grote konnten bei Engpässen mal eben in Arnsberg anklopfen und Mittel locker machen. Das geht heute alles nicht mehr so.“

Geschuldet sei das Fehlern der Vergangenheit: „SPD und Gemeinde wollten, dass Nachrodt-Wiblingwerde Wohngemeinde wird. Man setzte auf Schlüsselzuweisungen. Heute rächt sich das durch fehlende Gewerbesteuereinnahmen.“

Entsprechend gering ist der Gestaltungsspielraum für Lokalpolitiker in den vergangenen Jahren geworden und die Frustration darüber zieht sich durch sämtliche Fraktionen. Ein Grund zum Aufgeben? „Niemals!“ erklärt Herbel. „Ich habe immer dafür gekämpft, dass sich die Bürger in ihrer Heimat wohlfühlen können. Das war der Grund, warum ich mich für ein Ratsmandat beworben habe und auch heute noch in diesem Gremium bin.“

Herbel, bekannt für starke Worte, hatte sich bereits vor seinem Einzug in den Gemeinderat einen Namen gemacht. Im Kreistag hatte er bis zu seinem Austritt einen Sitz für die NPD. „Aber Sie glauben nicht, wer mich danach in Nachrodt anwerben wollte: Die SPD!“ erklärt Peter Herbel nicht ohne zu schmunzeln. „Allerdings gilt für mich bis heute ,lieber tot als rot’“, fügt er lachend an.

Eine Gemeinsamkeit, die er mit manchem Sozialdemokraten haben könnte, ist allerdings die Liebe zu Nachrodt-Wiblingwerde, was einer der Gründe für die sozialdemokratische Anfrage gewesen sein dürfte. In einer größeren Stadt hätte es der Christdemokrat es bestimmt auch weit bringen können, „Aber ich wollte nie hier weg. Ich bin hier aufgewachsen liebe dieses Stückchen Erde, bin bei Wind und Wetter draußen in der Natur.“

Er hofft, das noch lange genießen zu können. Sein Ratsmandat endet, wenn er 81 ist. An eine weitere Kandidatur im Anschluss glaubt er nicht. „Ich will Platz machen für Jüngere. Nur um ihre Startbedingungen beneide ich sie nicht...“ - Ina Hornemann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare