Priesterengpass in Nachrodt 

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Die Kirche St. Josef – seit Pastor Lösing erkrankt ist, finden Gottesdienste nur sonntags statt.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Durch die Erkrankung von Herrn Pastor Lösing kann es zu kurzfristigen Änderungen der Gottesdienstzeiten kommen“: So steht es auf der Homepage von St. Josef. Seit April 2015. Doch was sich hinter der nüchternen Bekanntmachung verbirgt, ist zum einen die Hoffnung, dass Hermann-Josef Lösing wieder gesund wird, und zum anderen, dass die Gemeinde auch schwierige Zeiten überstehen kann. Und das tut sie.

„Pastor Lösing ist zwar erkrankt, aber er wohnt in Nachrodt. Wenn sich die Frauen treffen, kommt er mal ‘rüber, bei der Messe war er auch da und natürlich nimmt er, wie er es kann, am Gemeindeleben teil“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen, Mitglied des Kirchenvorstandes. Jacobsen sieht es auch als eine Pflicht der Gemeinde selbst, zu schauen, wie es weitergeht, „und zu überlegen, wie weit man sich selbst einbringen kann.“

Die Anzahl der Gottesdienste sind aufgrund der Begebenheiten weniger geworden. Es gibt nur noch den Sonntagsgottesdienst, vor der Erkrankung des Pastors gab es samstags und sonntags Gottesdienste und manchmal auch in der Woche Andachten. An Pfarrer Ulrich Schmalenbach, der jetzt in die Doppelgemeinde kommt, mussten sich die Nachrodter Katholiken aber nicht erst gewöhnen: Seit acht Jahren gibt es die Großpfarrei St. Matthäus und damit eine enge Verbundenheit zu Altena. Die Gottesdienste sind sowohl in Nachrodt als auch in Altena und Evingsen gesichert. Und so manches Mal kommt auch ein Gastpastor an die Lenne. Am Heiligabend hat in Evingsen der Personaldezernent des Bistums, Dr. Reinhold, die Messe gelesen, in Nachrodt war Pfarrer Schmalenbach. „Die Gastpastöre kommen nicht nur aus dem Bistum Essen, auch andere helfen uns aus“, sagt Dietmar Flusche, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes der Pfarrei St. Matthäus. Und: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die Gläubigen an die Situation gewöhnen müssen. Es ist durchaus möglich, dass Nachrodt keinen eigenen Seelsorger mehr bekommt, wenn Pastor Lösing spätestens mit 70, also in etwas mehr als zwei Jahren, in den Ruhestand geht. Am 4. Januar beginnen die Sitzungen des Koordinierungsausschusses für den Pfarreientwicklungsprozess in der Pfarrei St. Matthäus Altena Nachrodt-Wiblingwerde – ein Prozess, der bistumsweit durchgeführt wird. Hintergrund ist die Suche nach Einsparungsmöglichkeiten. „Irgendwo müssen wir anfangen zu sparen“, sagt Dietmar Flusche. Ende 2017 soll der Prozess abgeschlossen sein. Vorgaben gibt es aber nicht. Auch im Blickpunkt: In ein paar Jahren wird es – wenn kein Wunder geschieht – wahrscheinlich nur noch 109 Pastöre im Bistum Essen geben. Die Frage ist dann, wie man ein Gemeindeleben aufrecht erhalten kann. Wer an dieser Stelle weiterdenkt, gelangt zu der Überlegung, ob es Gottesdienste im Wechsel geben wird, so dass die Kirchgänger einmal nach Evingsen, einmal nach Altena und einmal nach Nachrodt müssen. Aber würden die Nachrodter nach Evingsen fahren? „Dann muss es Fahrgemeinschaften oder Fahrdienste geben. Anders wird es nicht gehen“, sagt Klaus-Dieter Jacobsen. Man merke schon, dass die Menschen ins Grübeln kommen würden – und dass besonders die älteren Gemeindemitglieder, die ganz andere Strukturen gewöhnt seien, in Sorge seien. Im Moment ist aber an derart heftige Einschnitte nicht zu denken. In Nachrodt freut man sich gerade auf die Sternsingeraktion. Die Kinder sind am 9. Januar in Wiblingwerde unterwegs, am 10. Januar in Nachrodt. Zuvor treffen sich die teilnehmenden Mädchen und Jungen noch am kommenden Dienstag, 5. Januar, ab 17 Uhr im Vereinshaus.

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