Hochinteressante Hofgeschichte von Obern Haste

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Sabine Pühl mit ihrer Tochter und dem Enkelsohn Justus. 2020 könnte der Hof ein großes Jubiläum feiern, denn dann ist das ehemalige Gut 250 Jahre im Besitz der Familie Pühl.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die kleine Ansiedlung Haste liegt etwas abseits der Höhenstraße zwischen Wiblingwerde und Lüdenscheid in einer abfallenden Senke. Wesentlich bestimmt wird das Bild von Haste durch zwei Bauernhöfe.

Außerdem gibt es einige Wohnhäuser, die sich sanft an den Hang schmiegen. Auf den saftigen Wiesen grast friedlich eine Reihe von Pferden. Sie haben im Reiterhof Pühl ihren Stall. Der andere Bauernhof gehört der Familie Simon.

In alter Zeit wurden die beiden Höfe „Obern Haste“ und „Niedern Haste“ genannt. Das von der Familie Pühl bewohnte Stammhaus „Obern Haste“ wurde im Jahr 1560 erbaut. Eine Bestätigung des Datums fand der inzwischen verstorbene Alt-Bauer Ernst Pühl bei einer Stallrenovierung auf der Gravur eines Steines, der diese Jahreszahl trug.

Wiederum waren es Sippen aus der Steinzeit, die als erste Menschen dort auf der Wiblingwerder Hochfläche ihre Lager- oder Rastplätze hatten. Beweise dafür sind die Funde von Karl Reininghaus, der auf der Flur „Im Walde“ Pfeilspitzen gefunden hatte, deren Alter auf rund 7000 Jahre geschätzt wird.

In prähistorischer Zeit ist wahrscheinlich auch der Name „Haste“ entstanden. Was er bedeutet, darüber bestehen aber verschiedene Auffassungen. Nimmt man andere Orte mit diesem Namen zum Vergleich, dann steht eigentlich eindeutig fest, dass es sich bei „Haste“ um ein altes Wasserwort handelt.

Beispiele für solche Siedlungsnamen in sumpfigen Gebieten sind Haste am Steinhuder Meer, Haste bei Wunsdorf und Haste bei Osnabrück, um nur einige zu nennen. Der Remscheider Ortsteil Hasten wird 1312 als Moorsiedlung mit dem Namen „Hassytthen“ erwähnt. Ein Teil des Stadtparks trägt heute noch die Bezeichnung „In den Sümpfen“.

Trifft das in ähnlicher Weise auch für das Haste bei Wiblingwerde zu? Ernst Pühl meinte damals dazu: „Ganz in der Nähe unseres Gehöfts entspringt ein Bach, der auch in starken Trockenzeiten immer Wasser hat.“ Und der Hohenlimburger Heimatforscher Dr. Wilhelm Bleicher spricht von diesem Bereich als einem „regenfeuchten Hochmoor“. Damit würde das heimische Haste genau in das Raster der übrigen Orte gleichen Namens passen.

Der Wiblingwerder Pfarrer Landmann erwähnt die beiden Bauernhöfe auch in seiner Chromik. Er schreibt, dass beide Güter einst der Familie Grote gehörten. Obern Haste kam durch Heirat an die Familie Pühl. Das liegt allerdings schon fast 250 Jahre zurück. Dennoch ist das Ereignis in den Erzählungen der Familie über diesen langen Zeitraum bis zum heutigen Tage lebendig geblieben.

Und auch die Bäuerin Sabine, Ehefrau des derzeitigen Reiterhofbesitzers Ernst-Jörg Pühl hat die Geschichte von dem Vorfahr immer wieder zu hören bekommen: „Carl Pühl war im Jahr 1770 Knecht auf dem Gut der Grotes.

Als bekannt wurde, dass der Knecht ein Verhältnis zu Anna Maria Grote hatte, wurde er vom Hof gewiesen. Doch schnell holte man ihn wieder zurück, denn die Tochter des Gutsbesitzers erwartete bereits ein Kind. Groß wurde dann die Hochzeit gefeiert.

Seit dieser Zeit ist nun der Familienname Pühl ununterbrochen auf dem Hof geblieben. Von der traditionellen Landwirtschaft ist der derzeitige Hofbesitzer allerdings abgegangen. Seit 2005 betreibt Ernst-Jörg Pühl mit seiner Ehefrau Sabine einen Reiterhof. 20 Rösser stehen in den Boxen. Manche von ihnen sind schon an die 30 Jahre alt. „Die alten Pferde werden von uns und ihren Besitzern natürlich ganz besonders betüttelt,“ so Sabine Pühl. - hl

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