Flüchtlingskinder öffnen die Türen zu den Herzen

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Die Flüchtlinge genossen die Gesellschaft und die Gespräche beim ersten Flüchtlingskaffeetrinken in den Räumen der Awo an der Hagener Straße.

Nachrodt-Wiblingwerde - Djieje ist noch ein wenig unsicher. Er kann nicht so gut Deutsch. Aber im Gegensatz zu seinem Kumpel, der weder Englisch noch Deutsch spricht, kann sich Djieje ein wenig unterhalten. Es ist das erste Mal, dass die beiden Flüchtlinge aus Guinea zu einem Kaffeetrinken eingeladen wurden. Organisiert hat es die SPD.

Von Lydia Machelett

Eingeladen waren alle Flüchtlinge, die an der Hagener Straße untergebracht sind, sowie interessierte Bürger. Den Raum im ehemaligen Kindergarten an der Hagener Straße 96 hatte die SPD-Vorsitzende Susanne Jacoby gemeinsam mit einigen Genossinnen zuvor gemütlich hergerichtet. Die Tische waren gedeckt, Plätzchen und Süßigkeiten in der Mitte platziert und der Duft nach frischem Kaffee und Tee erfüllte den Raum. Alles ist bereit. Die Spannung steigt. Werden die Flüchtlinge wohl kommen? Und auch die Nachrodt-Wiblingwerder?

„Die Idee war eigentlich, dass ich immer wieder gehört hatte, dass die Nachrodter gerne den Flüchtlingen helfen würden. Aber die Hemmschwelle, einfach in die Unterkunft zu gehen, zu hoch sei“, erklärt die SPD-Vorsitzende. So entstand die Idee, einen gemeinsamen Treffpunkt zu etablieren. Mit Erfolg. Pünktlich um 15 Uhr kommen die ersten Gäste. Darunter nicht nur Flüchtlinge, sondern tatsächlich auch einige interessierte Nachrodter. Zunächst ist es noch relativ still in dem großen Saal. Die Flüchtlinge sprechen in ihren Muttersprachen leise miteinander, die Deutschen ebenfalls. Nach und nach werden die Unterhaltungen jedoch deutlich intensiver. Die Kinder sind aufgetaut. Sie springen lachend durch den Saal. Neugierig gehen sie auf die Fremden zu. Das Lachen der Kinder öffnet die Herzen. Nur wenige Minuten später sind die Mütter vertieft in Gespräche. Es geht um Kindererziehung, Schulprobleme und ganz normale Dinge des Alltags. Die Flüchtlinge genießen es sichtlich, mit den Nachrodtern zu sprechen. Denn normalerweise leben sie eher isoliert. Es fehlt an Geld, an Sprachkenntnissen und vor allem an Mut, auf die anderen zuzugehen. Dabei sind die Bedenken weitestgehend unbegründet. Verständigungsprobleme gibt es an diesem Nachmittag nicht. Die meisten Flüchtlinge sprechen bereits gut Deutsch und, oder Englisch. Andere sprechen Französisch – und wenn das alles nicht hilft, gibt es immer noch Hände und Füße.

„In den 1990er-Jahren gab es in Nachrodt einen Asylkreis. Damals waren vor allem Kosovo-Flüchtlinge da. So einen Kreis würden wir gerne wieder aufbauen“, erklärt Jacoby. Sie hofft, dass durch das gemeinsame Kaffeetrinken neue Freundschaften und Kontakte entstehen. „Vielleicht ja sogar Patenschaften. Die Flüchtlinge könnten gut Hilfe im Alltag brauchen. Vor allem beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen“, sagt die Organisatorin.

Djieje und sein Freund genießen die Gesellschaft sichtlich. Die beiden sind gerade einmal 19 Jahre alt und völlig allein in Deutschland. „Mein Sohn ist 18. Ich kann mir nicht vorstellen, wie er allein um die halbe Welt flieht“, sagt Jacoby. Die beiden jungen Männer berichten von ihrer Flucht und davon, was ihren Familien passiert ist. Etwa einmal im Monat haben sie Kontakt in die Heimat. „Wir haben hier auch ein paar Freunde. Wir spielen Fußball. Allerdings nur so auf der Straße. Aber so lernt man wenigstens mal einige kennen und ist nicht immer so allein“, erklärt Djieje.

Das nächste Kaffeetrinken mit Flüchtlingen findet am Dienstag, 19. Mai, ab 16 Uhr statt.

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