Mit 66 Jahren noch keine Lust auf die Rente

Noureddine Karboule ist Oberkellner mit Leidenschaft. Mit 66 Jahren verlängerte er nun seinen Arbeitsvertrag im Schlosshotel Holzrichter um zwei weitere Jahre: „Ich bin einfach für die Gastronomie geboren und mache weiter, so lange es geht.“  Foto: Machelett

Nachrodt-Wiblingwerde - Noureddine Karboule ist 66 Jahre alt. In diesem Alter sind viele schon im Ruhestand. Nicht Karboule. Er denkt noch lange nicht an seine Rente. Er liebt seinen Job als Oberkellner im Schlosshotel Holzrichter. Er führt das Leben, von dem er als kleiner Junge in Tunesien immer geträumt hat. Deshalb hat er inen Arbeitsvertrag neuen für zwei weitere Jahre unterschrieben.

Von Lydia Machelett

Liebevoll und auf den Millimeter genau legt Karboule das Vorspeisenbesteck auf den Tisch. Danach werden Servietten gefaltet. „Es werden wohl ein paar Millionen sein, die ich meinem Leben gefaltet habe“, erzählt er. Wie viele verschiedene Techniken er beherrscht, weiß er nicht. „Das ist ein bisschen wie Kunst. Ich mache einfach.“ Die jüngeren Kollegen können da oft nur staunen. Gerne hilft er ihnen. „Wenn einer lernen will, kann er das auch von mir“, sagt er, während die ersten Gäste das Restaurant betreten. Heute ist viel los. Geschäftsreisende treffen sich mit Kunden, im kleinen Saal ist eine Familienfeier und im großen Saal findet eine Vereinsversammlung statt.

Karboule bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Während die Jüngeren schon ein wenig ins Schwitzen kommen, bleibt er entspannt. „Es gibt Schlimmeres“, sagt er und geht schnellen Schrittes Richtung Theke, um neue Getränke zu holen. Die Kellner haben die Gäste unter sich aufgeteilt. „Ich bin für die Familienfeier zuständig. Aber wenn ein wenig Luft ist, helfe ich auch den anderen.“ Kurzum: Karboule ist überall.

Als er noch jung war, träumte er von einem Leben in Deutschland, mit Familie, Geld und einem tollen Beruf. 1972 war es dann so weit: Er kam nach Deutschland. Schnell lernte er die Sprache, die wichtigsten Kellner-Begriffe hatte er sich schon in seiner Heimat, auf der tunesischen Mittelmeerinsel Djerba, angeeignet. Er arbeitete in den besten Häusern der Region: am Schloss Hohenlimburg, am Reher Hof, bei Ellebrecht Wilms und bei Holzrichter. Oberkellner, das war schon immer sein Traumberuf. „Ich liebe die Menschen. Solange mein Körper mitmacht, mache ich auf jeden Fall weiter.“

Nörgler und schwierige Gäste kennt er nicht. „Natürlich gibt es Gäste, die so lange suchen, bis sie etwas Schlechtes finden. Aber die Kunst besteht halt darin, sie trotzdem zu begeistern und ihnen gute Laune zu bereiten.“ Wie das geht, kann er nicht sagen. Das funktioniere halt einfach, wenn man ein wenig Menschenkenntnis habe. Zudem merke er sich Gesichter und Namen. In seinem Kopf hat er quasi eine eigene Kundenkartei. War ein Gast schon einmal da, weiß der Oberkellner genau, was seine Vorlieben sind.

Täglich trägt Karboule hunderte Gläser und Teller. Das sei es wohl auch, was ihn über die Jahre fit gehalten habe. Natürlich sei da auch einmal das eine oder andere Glas umgefallen, habe sein Inhalt sich über den Tisch ergossen. Aber ein richtiges Missgeschick sei ihm nur einmal passiert. „Ich habe die Hochzeitstorte aus dem Kühlraum geholt. Sie stand auf einer glatten Plastikplatte und da war es dann auch schon geschehen...“, erzählt er. Aber die Küche habe noch etwas retten können und dem Hochzeitspaar sei es dann gar nicht aufgefallen.

Was einen guten Kellner ausmacht? Karboule ist sich sicher: Es ist die Kunst mit Menschen umzugehen, im richtigen Moment unsichtbar zu sein, aber immer genau dann wieder präsent zu sein, wenn der Gast etwas wünscht. „Ich glaube, ich bin einfach für die Gastronomie geboren – und zum Glück habe ich die Familie, die die Arbeitszeiten und Schichten aushält und mich unterstützt.“

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