Auf Pokémon-Jagd in Nachrodt

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Parkplatz Dümpel. Die Wandertafel ist ein Poké-Stop. Dort gibt es unter anderem die Bälle, die man dringend benötigt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Er schwimmt in der Lenne, heißt Karpador, hat keine Gräten – oder zumindest sieht man sie nicht. Böse Zungen behaupten, er sei ein armseliges Pokémon, das nur platschen kann. Wahr ist: Er ist absolut niedlich und lässt sich nicht so einfach fangen. Denn gerade, als Nicolai den Ball nach ihm wirft, stürzt das Spiel ab. Karpador nutzt die Gelegenheit und verschwindet. „Das ist wirklich das größte Problem. Das Spiel hängt sich öfters auf“, erzählt der Nachrodter, der das missglückte Fang-Manöver mit Humor nimmt. Das nächste Pokémon kommt bestimmt – auch in Nachrodt.

Dass in der kleinsten Gemeinde des Kreises die Monster durch die Gegend fliegen, auf Büschen oder Parkbänken hocken, versteht sich von selbst. Wie überall – wie tatsächlich überall auf der Welt – haben die witzigen kleinen Viecher auch die Gemeinde entdeckt und erobert. Und wie überall gibt es auch in Nachrodt-Wiblingwerde jede Menge Pokémon Go-Fans. Einer von ihnen ist der 26-jährige Nicolai Pauls.

Besonders viele Pokémon findet man eher in größeren Städten

Nicolai Pauls spielt Pokémon Go. Er glaubt aber, dass der Hype nicht ewig andauern wird.

Das AK traf sich mit ihm am Parkplatz Dümpel. Die Wandertafel dort ist nämlich ein Poké-Stop. Es ist ein bisschen wie Räuber und Gendarm. Ein Versteckfangen. Auf der Jagd: der Pokémon-Spieler mit seinem Smartphone. Bei Nicolai klebt es nicht vor dem Gesicht, er trägt es bequem in der Hosentasche. Denn das Handy vibriert ohnehin, wenn Glumanda – das zweibeinige, reptilienähnliche Pokémon – oder vielleicht Nebulak in der Nähe sind. Nebulak hat einen gasförmigen Körper. Wenn er starkem Wind ausgesetzt wird, kann er davongeweht werden. Und er kann sich über Alpollo zu Gengar mausern, der eine gewisse Ähnlichkeit mit der Grinsekatze hat. Aber er taucht nicht auf. Seltene oder besonders viele Pokémons findet man sowieso eher in Lüdenscheid oder noch mehr in Dortmund.

Als Nicolai einmal Rauch als Lockmittel einsetzt, während er am Dümpel spazieren geht, ist Hornliu plötzlich direkt vor der Nase – beziehungsweise auf dem Display. Hornliu besitzt am Kopf und auch am Hinterleib einen giftigen Stachel. Nicolai hat aktuell 43 von den 250 Pokémons gefangen –und ist in Level 9. „Es ist ein totaler Kindheitstraum“, lacht der IT-Systemelektroniker, der bei den Walzwerken Einsal arbeitet.

Fangen und trainieren lautet die Devise

Als Zwölfjähriger hat er Pokémon schon geliebt, eines der revolutionärsten Spiele, die es je gab. Die kleinen Wesen mit den Spezialfähigkeiten verzaubern heute durch die erweiterte Realität, – dadurch, dass die virtuelle Welt mit dem realen Leben verknüpft wird. Und: Man fühlt sich in die Kindheit und Jugend zurückversetzt. Nur dass das Spiel jetzt an der „fischen Luft“ stattfindet und es nicht wie früher feste Aufgaben gibt. Fangen und trainieren heißt die Spiel-Devise.

Nicolai hat Ibitak, Tauboss und Flamara in einer Arena in Altena kämpfen lassen – doch die Pokémons sahen gegen ihre Gegner an der Lutherkirche alt aus und fielen in Schutt und Asche. Wobei sie nicht das Zeitliche segneten, sondern wiederbelebt werden konnten. Wie alle übrigens. Blut floss und fließt nicht.

„Jetzt gibt es aber erst einmal keine Arena mehr für mich. Trainieren und Power ups stehen jetzt an“, sagt Nicolai. Hat man nämlich ein wildes Pokémon gefangen, kann man es aufleveln. Dadurch steigen die Angriffs- und Verteidungswerte des Monsters. Um ein Pokémon zu verstärken, benötigt man abhängig vom Level des Pokémon unterschiedlich viele Bonbons und Sternenstaub. Wer das versteht, ist mittendrin im Hype, der nach Ansicht von Nicolai nicht ewig anhalten wird. Auch bei Angry Birds habe es einen Mega-Hype gegeben – „und jetzt spielt es auch keiner mehr.“

Man muss an echte Orte gehen

Pokémon Go: Coole Sache oder Schwachsinn? „In unserer Abteilung ist man zweigeteilt“, erzählt Nicolai von den Gesprächen mit den Arbeitskollegen. Nintendo hat „Pokémon Go“ gemeinsam mit der ehemaligen Google-Tochter Niantic entwickelt. Spieler suchen auf realen Landkarten und Stadtplänen versteckte Pokémon. Sie müssen an echte Orte gehen, um virtuelle Figuren mit Hilfe der App einzufangen.

Das sorgt dafür, dass man an vielen Straßenecken inzwischen Menschen sieht, die ihre Smartphones in die Luft halten – und dabei nicht etwa ein Foto machen. „Man kommt miteinander ins Gespräch“, sagt Nicolai über das neueste Hobby, das so viele teilen. Er hat sein allererstes Pokémon (ein Taubsi) am Ortseingang von Wiblingwerde im Gebüsch gefangen. „Dann haben wir alle Poké-Stops abgeklappert“, erzählt er schmunzelnd. Auch seine Freundin spielt mit. Die Stops sind die Aufladestationen für die Bälle, die dringend zum Fangen benötigt werden.

Je mehr Pokémons man fängt, desto schneller steigt man auf. Sobald Level 5 erreicht ist, darf man gegen andere Spieler in der Arena antreten. In diesem Moment muss sich der Spieler für ein Team entscheiden, entweder für Gelb (Intuition), Blau (Weisheit) oder Rot (Wagemut). Wer die Arena eines gegnerischen Teams betritt, schaltet die Kamera ein und kämpft. Gut zu wissen: Ein Pflanzen-Pokémon kann kaum etwas gegen ein Feuer-Pokémon ausrichten, bekommt dafür aber extrem viel Schaden von dessen Attacken. Dafür kann man sie aber super gegen Wasser-Pokémon antreten lassen. Als Belohnung gibt es Bonbons oder Sternenstaub, beides Zutaten die man braucht, um die eigenen Pokémons zu entwickeln. „Eine coole Sache“, findet Nicolai Pauls, der auch zwei Pokémon-Eier in der Brutmaschine pflegt. Für Nachwuchs ist also auch gesorgt.

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