Neueröffnung „Nachrodter Kurve“ zieht viele Gäste

Nachrodt-Wiblingwerde  - Es ist Freitag, 15 Uhr. Sylvia Kothe-Frankholz ist aufgeregt und die Zeit drängt. Schon in zwei Stunden sollen die ersten Jugendlichen kommen. Bis dahin muss alles fertig sein. Denn wenn zum ersten Mal das Jugendzentrum wieder eröffnet, soll alles perfekt sein. Ein hoher Anspruch, den die Mitarbeiterin des evangelischen Jugendreferats an sich hat.

Zwar ist alles neu und vieles wird sich im Laufe der Zeit ändern, aber der offene Jugendtreff soll nicht komplett neu erfunden werden. „Wir werden sehen, was die Zeit so bringt. Erst einmal gucke ich, wer alles kommt, was die Bedürfnisse sind und bin in aller erster Linie mal Ansprechpartnerin“, erklärt Kothe-Frankholz. 

Obwohl sie schon seit 22 Jahren für die evangelische Kirche in der offenen Jugendarbeit tätig ist, ist ein neuer Treff immer etwas Besonderes. „Es ist alles so spannend. Man kennt niemanden, weiß nicht, wie viele kommen und vor allem was sie sagen werden, wenn ich plötzlich hier stehe.“ Aber eines weiß die Sozialpädagogin jetzt schon: „Die Räume sind super. So schön sind die anderen, in denen ich gearbeitet habe, nicht.“

Groß vorbereitet hat sie sich nicht auf diesen Tag. Nur zwei elementare Dinge hat sie besorgt: Orangen und Popcorn. „Die Orangen werden gepresst, schließlich wollen wir ja auf den Neuanfang mit den Jugendlichen anstoßen. Und das Popcorn ist ein Willkommensgeschenk meinerseits.“

Kothe-Frankholz möchte vor allem eines: den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. „Ich möchte für sie da sein, ihre Ängste und Bedürfnisse kennenlernen und ihnen vor allem ein Ansprechpartner in allen Belangen sein.“ Derzeit arbeitet die Schwerterin noch in der offenen Jugendarbeit in Balve, Lendringsen und Letmathe. Viel Erfahrung, die die engagierte Mitarbeiterin mitbringt. „Ich habe schon fast alles gesehen und gehört. Hilfe bekommen die Jugendlichen von mir bei allem, was ihnen wichtig ist. Ich helfe bei Problemen zuhause, schreibe mit ihnen Bewerbungen oder lache auch einfach mal mit ihnen.“ Genau das sei es auch, warum sie so viel Leidenschaft aufbringen kann. „Ich liebe diesen Beruf. Jeder Tag ist anders und man weiß nie was kommt.“

Nachdem die Orangen gepresst sind, die Popcornmaschine läuft und eigentlich alles bereit ist, ist Zeit, das erste Mal aus dem Fenster zu gucken. Die Sozialarbeiter traut ihren Augen kaum. Knapp 15 Jugendliche stehen bereits vor der Tür und warten. Schnell lässt Kothe-Frankholz sie ins Warme. Mit einem strahlenden Lächeln wird jeder begrüßt. Und für den Außenstehenden ist es irgendwie so, als wäre es nie anders gewesen. Die Jungs zieht es derweil rasch direkt in den Keller an den Billardtisch. Sie sind froh, dass es in Nachrodt weitergeht. Schließlich ist der Treff so etwas wie ein zweites Zuhause für sie.

Ganz alleine ist Kothe-Frankholz übrigens nicht. Unterstützt wird sie von Torben Krolop, der gerade ein Praktikum beim evangelischen Jugendreferat macht, um sich auf seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger vorzubereiten. In den kommenden Wochen möchten die beiden die Nachrodter genauer kennenlernen und dann gezielt Angebote und Aktionen entwickeln. Was direkt auffiel: „Es sind nur Jungs. Aber das ist oft so. Wir werden sehen, was wir machen können, um auch Mädchen zu begeistern“, sagt Kothe-Frankholz.

Wer übrigens denkt, im Jugendzentrum würde nun der christliche Glauben vermittelt, irrt. Kothe-Frankholz betont: „Wir sind zwar von der Kirche, aber das Angebot ist offen. Jeder kann kommen. Der Glaube und die Konfession spielen hier einfach gar keine Rolle. Aber für mich ist das, was ich hier mache, eine Arbeit im urchristlichen Sinn.“ Das Jugendzentrum Nachrodter Kurve ist ab sofort immer freitags von 17 bis 21 Uhr geöffnet.

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