Horst Schröder ist ein Jupiter aus Nachrodt

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Horst Schröder als Jupiter in der AK-Redaktion.

Nachrodt-Wiblingwerde - Irgendwann geht er zum Friseur. Irgendwann. Aber im Moment sind die Haare perfekt. Der Bart könnte sogar noch ein bisschen länger wachsen. Dann ist die Illusion vollkommen.

Dann sieht Horst Schröder nicht mehr aus wie Horst Schröder, sondern wie Gott Jupiter mit wildem Rauschebart. Die Rolle gefällt dem Nachrodter. Um nicht zu sagen: Er liebt sie.

Horst Schröder spielt in der Theatergruppe „KiT“ der integrativen Kulturwerkstatt Alte-Schule im Stück „Hochzeit auf Erden.“ Zum ersten Mal geht die Gruppe aus Lüdenscheid sogar auf Tournee. Gespielt wird am 1. Oktober in der Burg Holtzbrinck in Altena, aber auch in Siegen und in Kirchhundem. Dass Horst Schröder dann immer in sein weißes Leinenkostüm mit der goldenen Schärpe und den goldenen Armbändern steigt, versteht sich von selbst. In diesem Moment kann er auch – wie beim AK-Besuch – die Treppe hochkrauchen und eine Mimik an den Tag legen, die dem Betrachter das Fürchten lehrt.

„Ich habe vor sieben Jahren den Proberaum betreten und seitdem bin ich dabei“, erzählt Horst Schröder von seinen Anfängen bei der Theatergruppe KiT. Eigentlich wollte er nur seine Tochter zu einer Probe begleiten. Behinderte und nicht behinderte Menschen spielen dort zusammen Theater – angeleitet von Thomas Wewers, staatlich anerkannter Erzieher, Heil- und Theaterpädagoge. „Es macht riesigen Spaß“, sagt Horst Schröder – „wenn man von einer Probe nach Hause kommt, ist man sehr gut gelaunt und nicht gestresst. Man hat das Gefühl als wäre man zwei Stunden beim Psychologen auf dem Sofa gewesen.“ Horst Schröder spielt also Jupiter – den Chef vom Ganzen.

„Ich bin sehr krank, habe einen typischen Männerschnupfen und bin also kurz vorm Tod“, lacht der 54-jährige Nachrodter. Amor, der Liebesgott, wurde entführt. Deshalb gibt es kaum noch Liebe auf der Erde. Und je mehr Liebe fehlt, desto kränker wird Jupiter, der Gott aller Götter. Doch es gibt Hoffnung. Amorette, die Schwester Amors, wird mit Herkules auf die Erde geschickt. Sie müssen es schaffen, dass innerhalb von 48 Stunden eine Hochzeit auf Erden aus reiner Liebe stattfindet. Das Stück wurde von den Schauspielern selbst geschrieben – „und jeder hat eine Hauptrolle, jeder spielt mit seinen Worten“, verspricht Horst Schröder. Dass Menschen mit Handicap und ohne Handicap gleichermaßen spielen, ist bei KiT selbstverständlich. „Jeder ist mit Herzblut dabei und jeder ist freiwillig dabei“, versucht Horst Schröder die gemeinsame Freude aller zu beschreiben.

Und ohne dem Brettken zu nahe treten zu wollen: Mehr Freude macht es ihm in der Lüdenscheider Theatergruppe. Beim Brettken ist Horst Schröder nämlich auch mit von der Partie – und hat beim letzten Stück seinen Auftritt – wie er sagt – ordentlich versemmelt. „In zwei Stücken gleichzeitig zu spielen, war vielleicht doch nicht die beste Idee. Da hatte ich mir tatsächlich wohl zu viel vorgenommen“, gibt der Laienschauspieler zu, der im „echten Leben“ als Ausbilder im Berufsbildungszentrum arbeitet. Gelernt hat er Tischler. Aber dass er eine „Rampensau“ werden würde, wie er selbst zugibt, hätte er auch lange nicht für möglich gehalten. Vielleicht auch deshalb nicht, weil er einen kleinen Sprachfehler hat. „Wenn ich auf der Bühne Lampenfieber hätte, dann würde der sich durchbrechen“, sagt Horst Schröder. „Aber ich habe einfach nur Spaß.“

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