Aykut Aggül sammelt Erfahrung im Jugend-Landtag

Für die türkischen Medien – hier ein Team des Fernsehsenders Samanyolu – war Aggül ein gefragter Gesprächspartner.

Nachrodt-Wiblingwerde - Sich einmal wie ein „großer“ Politiker fühlen, einmal die Atmosphäre des Landesparlaments schnuppern – diese Möglichkeit eröffnete in der vergangenen Woche (11. bis 13. Juni) der Jugend-Landtag in Düsseldorf. Der 19-jährige Aykut Aggül hat die Gelegenheit genutzt, an diesem Experiment teilzunehmen.

Insgesamt nahmen 237 Nachwuchspolitiker aus ganz NRW an diesem Jugend-Landtag teil, genauso viele, wie auch der reale Landtag Mitglieder hat. Jeder Jugendparlamentarier nahm den Sitz seines Wahlkreis-Abgeordneten ein, so dass auch die Mehrheitsverhältnisse denen im echten Landtag entsprachen. In der Plenarsitzung diskutierten die jungen Abgeordneten aus ganz NRW ihre Anträge zur Schul- und Hochschulpolitik. In einer Aktuellen Stunde ging es um die Situation der Flüchtlinge in NRW, in einem Eilantrag um die „Ehe für alle“.

„Wir hatten nur wenige Verschnaufpausen“, blickte Aykut Aggül auf die drei Tage in der Landeshauptstadt zurück. Fünf Fraktionssitzungen standen an, es gab zwei öffentliche Anhörungen mit Experten, einen parlamentarischen Abend mit den Landtagsabgeordneten und zum guten Schluss die große Plenarsitzung. „So geht das bestimmt auch in der Realität zu“, kann sich Aggül vorstellen, dass die Berufspolitiker ähnlich volle Terminkalender haben.

Aykut Aggül gehörte in Düsseldorf der SPD-Fraktion im Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend an, der sich mit der Frage auseinandersetzte, ob Schüler heute wirklich genug Wissen für das alltägliche Leben vermittelt wird. „Es herrschte da weitgehend Einigkeit in allen Fraktionen, dass in den Schulen zu wenig Wissen über Steuern, Versicherungen oder Mietverträge vermittelt wird“, berichtete Aggül von den Beratungen in diesem Ausschuss. Der Meinung, dass dafür ein zusätzliches Schulfach in den Lehrplan aufgenommen werden sollte, seien die Nachwuchspolitiker aber nicht gewesen. „Das würde die Schüler wahrscheinlich überfordern“, begründete Aggül. Die Durchführung von Projektwochen, in denen Basiswissen für den Lebensalltag vermittelt wird, könnten sie sich dagegen sehr gut vorstellen. „Das alles haben wir unserer Fraktion sehr intensiv besprochen“, blickte Aggül zurück.

Außerdem arbeitete der 19-jährige an der Vorbereitung auf die Aktuelle Stunde mit, in der sich der Jugend-Landtag mit der Situation der Flüchtlinge in NRW auseinandersetzte. Aykut Aggül unterstützte seinen Fraktionskollegen Vahid Shoa Hosseini (17, Kamp-Lintfort) bei der Vorbereitung seiner Rede. Einwanderung schade nicht, im Gegenteil, Deutschland brauche diese Menschen, um den anstehenden Fachkräftemangel zu bekämpfen. „Kein Mensch ist illegal“, erklärte Hosseini, „das sage ich als Deutscher, Mensch und Flüchtlingskind.“ Aykut Aggül kann diese Haltung nur unterstreichen.

Doch der junge Nachrodter war auch außerhalb von Fraktions- und Plenarsitzungen ein gefragter Gesprächspartner. Türkische Medien waren auf den Nachwuchspolitiker mit türkischer Herkunft aufmerksam geworden. Deshalb musste sich Aykut Aggül im Landtagsgebäude den Fragen der Tageszeitungen Zaman, Hürriyet und Sabah sowie des türkischen Fernsehsenders Samanyolu stellen. „Die wollten unter anderem von mir wissen, warum ich Mitglied der SPD bin und welche politischen Vorbilder ich habe“, berichtete Aggül. Eine ganz neue Erfahrung für den jungen Mann: „Ich spreche zwar sehr gut türkisch, aber da habe ich schon vier- oder fünfmal überlegt, was ich sage, damit nur ja nichts falsch ‘rüberkommt.“

Die Erfahrungen aus dem Jugend-Landtag möchte Aykut Aggül auf keinen Fallmissen. „Ich kann das nur jedem politisch interessierten Jugendlichen empfehlen“, versichert er. Das eine oder andere hofft er, auch für seine Ratsarbeit in Nachrodt-Wiblingwerde mitnehmen zu können. Ein Beispiel? „Dass Politik in erster Linie Teamarbeit ist. Auch wenn man unterschiedlicher Auffassung ist, haben alle doch meistens ein gemeinsames Ziel. Dann muss man den gemeinsamen Nenner finden“, meint Aykut Aggül, der schon mit 18 Jahren bei der Kommunalwahl ein Direktmandat geholt hat.

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