Feuerwehr übt mit schwerem Gerät

Dach ab war gestern: Heute werden die Fahrzeuge an der Seite geöffnet.

Nachrodt-Wiblingwerde - Im Notfall zählen Sekunden. Jede Minute, die ein Unfallopfer früher medizinisch versorgt werden kann, entscheidet im Zweifel über Leben und Tod.

Das Problem: Die Bergung von Verletzten aus total demolierten Autos wird für die Retter immer schwerer. Die Nachrodt-Wiblingwerder Feuerwehr hat genau das jetzt intensiv trainiert.

„Das große Problem ist, das die Fahrzeuge immer stabiler gebaut werden, um die Insassen best möglich zu schützen. Eine schnelle und zugleich schonende Bergung wird dadurch aber extrem kompliziert“, erklärte Gemeindebrandinspektor Michael Kling am Samstag im Wiblingwerder Feuerwehrgerätehaus. 

25 ehrenamtliche Retter ließen sich genau erklären, worauf es im Ernstfall ankommt. Zu einem Einsatztrupp, der Personen aus Autos befreit, gehören bei einem Unfall acht Feuerwehrmänner. „Das Team muss eingespielt sein. Jeder muss wissen, was als nächstes gebraucht wird, um es frühzeitig bereit zu stellen – und genau das wird heute bis ins letzte Detail trainiert“, berichtete Kling.

Auf dem ehemaligen Bauhofgelände standen drei Schrottautos bereit. Simuliert wurden verschiedene Szenarien: Ein Auto blieb nach einem Unfall auf dem Dach liegen, eines auf der Seite und eines wurde völlig demoliert. „Die A- und B-Säulen sind viel stabiler als früher. Außerdem haben die Türen zahlreiche Stabilisatoren. Da kommen wir bei einem total zerknautschten Auto fast an unsere Grenzen“, erklärte Kling. Ohne hydraulische Geräte wäre eine Bergung schier unmöglich. Allerdings muss das schwere Gerät, das auf den ersten Blick unheimlich robust wirkt, sanft und mit jeder Menge Präzision eingesetzt werden.

Früher, so berichtete der Feuerwehr-Chef, habe man die Dächer einfach abgenommen. Das werde heute nicht mehr gemacht – auch wenn man diese veraltete Methode noch in vielen Filmen sehe. „Schonend und schnell wird heute die Seite des Wagens geöffnet. Also A- und B-Säule zertrennt und die Seitentüren herausgenommen. So können Verletzte schnell geborgen und gegebenenfalls bereits im Wagen medizinisch erstversorgt werden.

Den letzten Einsatz dieser Art hatten die Retter Mitte vergangenen Jahres auf der B236 in Nachrodt. Kling: „Wir haben diese Einsätze nicht täglich, umso wichtiger ist ein solches Training. Damit die Teams eingespielt bleiben.“ Trainiert wurde mit externen Profis, die genau wissen, was das Gerät kann und was eben nicht.

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