Michael Kling weitere sechs Jahre Wehrleiter

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Michael Kling (2.v.l.) wurde erneut zum Wehrleiter ernannt

Nachrodt-Wiblingwerde - Es ist seine zweite Amtsperiode: Michael Kling ist für weitere sechs Jahre zum Wehrleiter ernannt worden. Bürgermeisterin Birgit Tupat überreichte die Urkunde und einen Blumenstrauß im Beisein ihres Stellvertreters Axel Boshamer und des stellvertretenden Gemeindebrandmeisters Mark Wille im Amtshaus.

Was sich wie eine „trockene Formalie“ anhört, war ein spannender Nachmittag mit deutlichen Worten. Denn: „Ganz viele Menschen meinen, dass wir in einer Vollkasko-Gesellschaft leben. Heute liegt ein Tannenzapfen auf der L692 und die Feuerwehr wird gerufen.“

 Die Gesellschaft, so sagt Michael Kling, hat sich verändert. Auch aufgrund der neuen Medien. „Man ruft die Feuerwehr und dann wird zuerst auf die Uhr geguckt, wie lange wir gebraucht haben. Dann werden die Handys gezückt, Bilder gemacht und teilweise unsachliche Kommentare auf öffentlichen Medien gepostet. Die Gaffer-Mentalität ist unglaublich und all das macht uns die Arbeit schwer“, erzählt der neue/alte Wehrleiter im Gespräch mit dem AK. Dass Menschen im Weg stehen, die Arbeit der Feuerwehr behindern und „völlig uneinsichtig sind“, sei nicht nur einmal vorgekommen.

Irgendwie menschlicher sei es hingegen früher zugegangen: „Man hat professionell seine Arbeit gemacht, und wenn es nachts war, hat man einen Kaffee bekommen. Dann ist man zufrieden nach Hause gefahren. Heute werden wir alarmiert, dann müssen wir rechtlich erst einmal prüfen, ob wir zuständig sind. Sodann gucken wir, was wir machen, wie wir es dokumentieren und wie wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

 Da fehlt mir für unsere ehrenamtliche Jungs und Mädels die Wertschätzung“, nimmt Michael Kling kein Blatt vor dem Mund. Positives Feedback gibt es aber durchaus zum Beispiel auf der Facebook-Seite der Nachrodt-Wiblingwerder Feuerwehr. „Ich habe in der ganzen Zeit zweimal Kommentare löschen müssen. Der eine war rechtsradikal, der andere war einfach vulgär.“

Auch, wenn viel Negatives zu beklagen ist: Michael Kling hat ohne zu Zögern die zweite Amtsperiode als Wehrleiter angetreten. Und mit ganzem Herzen. Diese Funktion und sein Amt als stellvertretender Kreisbrandmeister sind übrigens zwei völlig unterschiedliche Dinge – mit verschiedenen Dienstherren und verschiedenen Uniformen. Der Kreisbrandmeister hat quasi die Aufsicht über die kommunalen Feuerwehren. „Aber da bin ich für Nachrodt-Wiblingwerde natürlich nicht zuständig“, erklärt Michael Kling, der als Feuerwehrmann-Anwärter am 1. Februar 1989 im Löschzug Nachrodt seine Karriere begann. „Mein Ausbilder Edmund Bölke bei den Walzwerken hat mich zur Feuerwehr mitgenommen“, erinnert sich der heute 45-Jährige gern.

Jede Menge Dienstgrade dazwischen und Lehrgänge später wurde Michael Kling 1992 Brandmeister, später Brandinspektor (1998) und Gemeindebrandinspektor (2010). Zwischendurch war er stellvertretender Zugführer in Nachrodt (1994 bis 1998). Die Feuerwehr – das ist durchaus der Lebensinhalt von Michael Kling. „Und das ist eines der Spannungsfelder. Das bemängeln auch einige und werfen mir vor, dass ich eine Elite-Feuerwehr haben möchte. Man hat für sich einen gewissen Anspruch, wo man mit der Feuerwehr hinmöchte, und wir, Mark Wille und ich, fordern 120 Prozent, damit nachher 90 oder 95 Prozent im Einsatz gebracht werden“, erzählt der neue/alte Wehrleiter. Fordern und fördern – so sehen Michael Kling und sein Stellvertreter Mark Wille ihre Rolle in der Feuerwehr.

 Eine Rolle, die Bürgermeisterin Birgit Tupat gern unterstützt. „Ich freue mich sehr, dass sich Michael Kling wieder bereiterklärt hat, das Amt zu übernehmen“, so Tupat. Einige – auch dramatische – Begebenheiten haben die beiden schon in Nachrodt gemeinsam erlebt, wie 2004, als Birgit Tupat ins Ordnungsamt wechselte und Michael Kling stellvertretender Leiter der Feuerwehr wurde. „Da gab es das Zugunglück am Bahnübergang Einsal. Ein Personenzug kollidierte mit einem Lkw. Glücklicherweise wurde niemand verletzt“, erinnert sich Birgit Tupat. Auch Evakuierungspläne in verschiedenen Sprachen auszuarbeiten, die nach einem Bombenfund am Regenrückhaltebecken aufgestellt werden musste, war ein gemeinsamer Einsatz, der dann aber „ganz harmlos“ mit einer unspektakulären Entschärfung über die Bühne ging.

Von der Gefährlichkeit war „Kyrill“ der brisanteste Einsatz bislang. „Wir sind ohne Verletzungen daraus gekommen“, erzählt Michael Kling, der selbst fast von einer Buche erschlagen worden wäre. Aber auch witzige Einsätze gab es natürlich: Schafe, die im Neubaugebiet Holensiepen die Vorgärten unsicher machten, wurden eingefangen – ebenso eine verirrte Katze im Kreckelhaus. „Da hatten alle Spaß“, schmunzelt Michael Kling. Seiner formellen Ernennung zum Wehrleiter ging übrigens die Anhörung der Gesamtwehr voraus. Sodann wurde Michael Kling einstimmig vom Rat der Gemeinde ernannt.

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