Unfallflucht: Richter mal mehr, mal weniger gnädig

Nachrodt-Wiblingwerde - Zwei Fälle von Unfallflucht wurden jetzt vor dem Amstgericht verhandelt. Richter Dirk Reckschmidt zeigte sich ein Mal mehr, ein anderes Mal weniger gnädig.

Von Thomas Krumm

Gleich zweimal krachte es am 15. Dezember auf der Hagener Straße in Nachrodt. In beiden Fällen kam es zur Anklage, weil sich die Unfallverursacher unerlaubt entfernten. „Zeugen des Unfalls werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden“, heißt es in unserer Zeitung häufig nach so genannten „Unfallfluchten“. Zuweilen trägt ein solcher Aufruf Früchte: So meldete sich ein 55-jähriger Nachrodter nach einem Vorfall am 15. Dezember. Gegen 8 Uhr war der Zeuge von Letmathe nach Nachrodt gefahren und hatte irgendwo auf dem geraden Stück vor dem Amtshaus einen Knall gehört, der von dem Laster hinter ihm stammte. Der Zeuge fuhr weiter bis zum Starenkasten

in Richtung Altena, dann bog er ab und verließ den Kurs des Lastwagens. Doch er kannte dessen Kennzeichen. Als Fahrer wurde ein 45-jähriger Berufskraftfahrer aus Iserlohn ermittelt, der sich jetzt im Amtsgericht Altena verantworten musste. Er sei in Richtung Werdohl unterwegs gewesen, als sein Laster „in einer Kurve“ mit dem Außenspiegel eines anderen Lasters zusammengestoßen sei, erklärte er. Am anderen Fahrzeug entstand ein Schaden von etwa 1000 Euro. „Ich musste aus der Kurve raus an eine Stelle, wo ich den Verkehr nicht mehr gefährden konnte“, begründete er sein Weiterfahren „bis zu einer Bushaltestelle“. Dort habe er seinen Rückspiegel zurückgebogen, vermutet, dass der Unfallgegner auch keinen großen Schaden erlitten habe und sei dann weitergefahren. Die Angaben des Angeklagten ermöglichten jedoch keine Identifizierung des Ortes der Kollision: Weder eine Kurve, noch „rechts die Felsen, in Gegenrichtung die Leitplanke“ gibt es zwischen Letmathe und der Lennebrücke in Nachrodt. Zudem hatte die Zeugenaussage deutlich gemacht, dass der Angeklagte sich nicht kurz nach dem Vorfall um eine Gelegenheit zum Anhalten bemüht hatte. So gab es eine Einstellung des Verfahrens nur gegen Geldauflage: 750 Euro muss der Lastwagenfahrer für sein Versäumnis zahlen.

Gegen 9.30 Uhr schepperte es erneut an diesem Dezembertag – diesmal neben dem St. Elisabeth-Kindergarten an der Hagener Straße: Ein 24-jähriger Auslieferungsfahrer hatte dort mit seinem Lastwagen einen Altkleidercontainer des DRK erwischt und ein Stück mitgeschleift. Dabei entstand ein Sachschaden von 300 Euro. Die Polizei hatte der 24-Jährige nicht informiert, wie er es hätte tun müssen. Doch er hatte einiges getan, was ihn später vor Gericht glimpflich davonkommen ließ: „Ich habe einen Lieferschein der Firma, für die ich arbeite, in dem Kindergarten hinterlassen.“ Mit einem Zeugen rückte er den Kleidercontainer wieder gerade und entfernte sich – immer noch unerlaubt, da er weder jemanden vom DRK, noch die Polizei informiert hatte. Richter Dirk Reckschmidt erkannte allerdings die Bemühungen des Angeklagten an und beließ es bei einer ernsten Ermahnung: „Wir stellen das Ganze ein.“

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