Graffiti-Kunst am Perthes-Haus

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Begeistert sind die Bewohner des Perthes-Hauses über die neu gestaltete Wand, die die Fantasie anregen soll.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Graffiti-Kunst im Altenheim? Warum nicht? Erst waren die Bewohner des Perthes-Hauses skeptisch, jetzt sind sie begeistert. Die Künstler Stefan Dressler, Konrad Jenkner und Christopher Plonski haben sich eine traumhafte Kulisse ausgedacht, die jetzt einen geschützten Außenbereich für demenziell Erkrankte verschönert.

Ein kleiner Hai schwimmt genau auf den Strand zu. Man kann seine Flosse gut erkennen. Schnell aufs sichere Boot, das gemütlich auf dem Meer tuckert. Auch der Strand mit Palmen und einem fröhlich-stolzierenden Flamingo ist nicht weit. „Hier kann man träumen“, schwärmen die Bewohner des Perthes-Hauses von einem ganz besonderen Ort der Einrichtung. In einem geschützten Außenbereich, dort – wo vor kurzer Zeit noch unebener Erdboden und eine kahle Wand waren – ist ein Platz zum Wohlfühlen geschaffen worden.

 „Hier wird die Fantasie angeregt. Die Menschen mit einer beginnenden, leichten oder auch fortgeschrittenen Demenz können sich hier selbständig aufhalten und ihre Gedanken schweifen lassen“, freut sich Christa van der Beck. Die Einrichtungsleiterin, die auch das Ellen-Scheuner-Haus führt, ist seit April in Nachrodt. Ihre Idee, einen Graffiti-Künstler mit der Umsetzung der Wand-Gestaltung zu beauftragen, wurde erst sehr, sehr skeptisch von den 48 Bewohnern aufgenommen. Graffiti im Altenheim?

Heute strahlen dagegen alle um die Wette – haben sich doch die Künstler Stefan Dressler, Konrad Jenkner und Christopher Plonski eine traumhafte Kulisse ausgedacht. Sie sprayen übrigens nicht, sie malen. Wenn auch mit der Sprühdose. „Wenn wir anfangen, bekommen alle eine Krise. Da sind dann ein paar Striche auf der Wand und alles sieht sehr chaotisch aus“, erzählt Stefan Dressler, der 1989 mit der Gestaltung von Bushaltehäuschen in Altena zum ersten Mal auf sich aufmerksam gemacht hat. Heute sind seine Werke in der Region fast überall zu sehen – bald auch am Apollo-Kino Altena, wo Stefan Dressler Filmidole in schwarz-weiß auf die Fassade bringen wird. Marilyn Monroe mit wehendem Kleid und James Dean sind dann auch dabei. Die Wand am Perthes-Haus war für die Sprayer „keine große Sache“.

 „Die Wand steht recht nahe zum Gebäude. Da war es wichtig, einen Weitblick zu bekommen“, erzählt Stefan Dressler. Und so kann man tatsächlich in die Ferne blicken, einen einsamen Angler erkennen oder auch ein Segelschiff am Horizont. Fünf Tage und 100 Dosen Sprayfarbe hat das Team benötigt, um das idyllische Kunstwerk in einer Größe von 96 Quadratmetern zu erschaffen.

 „Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken“, sagt auch Christa van der Beck, die sich freut, dass die Bewohner das neue Umfeld so begeistert aufnehmen. Mit der Gestaltung der Wand ist der neue Bereich aber noch längst nicht abgeschlossen: Der Boden wurde bereits gepflastert – jetzt wird noch ein richtiger Wasserfall geschaffen. „So wie im Bild wird es dann auch in Wirklichkeit plätschern“, verspricht Christa van der Beck. Zudem soll ein Sonnensegel den Platz verschönern. Gemütliche Sitzecken, ein Grill: Für Christa van der Beck ist es wichtig, dass ein Wohlfühlambiente für die Bewohner geschaffen wird. Ein erster richtiger Coup ist ihr schon geglückt.

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