Löschgruppe Veserde tritt geschlossen zurück

Nachrodt-Wiblingwerde - Geschlossen ausgetreten! Die Löschgruppe Veserde sorgt für einen Paukenschlag in der Gemeinde. Als Konsequenz aus dem Ratsbeschluss und aufgrund „vieler kleiner Puzzle-Teilchen“ hat sich jeder einzelne der 14 Feuerwehrmänner (und eine Feuerwehrfrau) persönlich für einen Austritt aus dem freiwilligen Dienst entschieden. Kaum war die Kündigung auf dem Tisch, wurden die Schlösser am Gerätehaus ausgetauscht.

 Sie wollen keine dreckige Wäsche waschen und niemanden persönlich angreifen. Aber „wir haben viel reflektiert und müssen feststellen, dass die Bedingungen nicht mehr so sind, wie wir gern ehrenamtlich arbeiten möchten“, sagen Christian Salomon, Andreas Bremmer, Stefan Englert und Andreas Foller im Rahmen eines Treffens mit dem Altenaer Kreisblatt.

Der gemeinsame Rücktritt sei weder ein Protest noch ein Gruppenzwang. „Das wirkt jetzt so, aber jeder hat für sich selbst entschieden.“ Und so kann die vom Rat beschlossene Zusammenlegung der Löschgruppen Wiblingwerde und Veserde nicht stattfinden.

"Dienstrechtlich nicht in Ordnung"

 „Ich finde die Entscheidung sehr bedauerlich. Wir hatten zwar damit gerechnet, dass einige Mitglieder austreten würden, aber nicht in dieser Form. Auch wurde die Wehrleitung vorher nicht informiert. Das ist auch dienstrechtlich nicht in Ordnung“, reagierte Bürgermeisterin Birgit Tupat enttäuscht. „Da geht uns viel Potenzial verloren.“ Der Brandschutz sei aber auf jeden Fall gewährleistet.

Vielschichtige Gründe

Vielschichtig sind die Rücktrittsgründe der Feuerwehrmänner, die im Vorfeld Berichte über sich selber lesen mussten, „zu denen wir nichts gesagt haben, weil wir die Anweisung hatten, uns nicht zu äußern“, sagt Christian Salomon. Tatsache ist: Keiner will weitermachen. Zumindest nicht in der Feuerwehr der Gemeinde. Feuerwehr sei eben nicht nur der Wunsch, Menschen zu helfen.

 „Es geht auch darum, für andere, für die Nachbarschaft, Freunde und Familie Verantwortung zu übernehmen. Und ein entscheidender Punkt ist die Arbeit im Team, die menschliche Komponente. Es geht auch darum, dass eine Gruppe mitgenommen wird. Und das ist nicht passiert.“ Man hat nicht mit ihnen, sondern über sie diskutiert. So empfinden es die Mitglieder der Löschgruppe Veserde.

Informationsaustausch sei nicht ausreichend gewesen

„Am Ende gab es einen Austausch, aber dann waren alle Fraktionen schon über den Wunsch der Verwaltung und der Wehrleitung informiert. Da war das Kind schon in den Brunnen gefallen“, sagt Christian Salomon. Der Informationsaustausch intern und auch mit der Verwaltung sei – vorsichtig formuliert – nicht ausreichend gewesen.

Wehrleiter widerspricht

Dem widerspricht Wehrleiter Michael Kling energisch: „Das kann man so nicht stehen lassen. Der Vorgang läuft seit 2012 und wir haben mehrere Termine gehabt. Natürlich war die Löschgruppe Veserde eingebunden. Wir hatten Ende Februar einen großen Besprechungstermin, Mitte April ebenso und wir haben am 15. September auch gemeinsam mit der Politik zusammengesessen. Zudem gab es in der Woche vor der Ratssitzung ein Gesprächsangebot, das von der Löschgruppe aber nicht angenommen wurde.“

Dass sich die Politiker die Entscheidung rund um die Zusammenlegung der Löschgruppen nicht leicht gemacht haben, glauben die Feuerwehrmänner durchaus, wenn auch der eine oder andere enttäuscht über gewählte Formulierungen ist. „Wenn ich eine solche Institution als Laden bezeichne, wird das Ehrenamt mit Füßen getreten“, findet Andreas Bremmer. „Herr Herbel müsste von der Wichtigkeit von Traditionen wissen.“

Löschgruppe als Dorfmittelpunkt

91 Jahre gibt es die Löschgruppe in Veserde. Der Großteil der 14 Feuerwehrleute, genauer zehn – wohnt im Dorf. Drei von ihnen sind auch bei der hauptamtlichen Feuerwehr. Und: Verserde hatte nur noch die Feuerwehr, keinen Verein mehr. Jegliches Brauchtum komme jetzt zum Erliegen. „Die Löschgruppe war immer noch eine Art Dorfmittelpunkt.“

Dass sich die Freiwilligen „jetzt am Riemen reißen und die Bürger nicht im Stich lassen sollen“, empfinden die Männer als so formulierte Aussage eine Frechheit. Zudem möchten sie folgendes verdeutlichen: „Es heißt immer: Veserde kann dies nicht, kann das nicht. Veserder arbeiten alle auswärts. Aber das ist bei anderen auch so“, so Bremmer, Salomon, Englert und Foller. „Tagsüber sind auch andere nicht verfügbar.“

Richtig stellen will die zurückgetretene Löschgruppe auch ein anderes Thema: „Man darf nur mit 1/8 ausrücken. Das ist die Gruppenstärke, die sich jeder wünschen würde. Aber das schafft eigentlich tagsüber so gut wie keiner. Auch Wiblingwerde und auch Nachrodt nicht. Man spricht immer spaßeshalber davon, Fensterplätze zu besetzen, damit es voll aussieht. Man muss ja die Einsatzzeiten einhalten. Die ersten rücken aus, die anderen kommen hinterher.“ Falsch sei in der gesamten Diskussion auch die verbreitete Meinung, dass andere Einheiten die Veserder unterstützen müssten. „Wir fahren auch nach Wiblingwerde. Wir werden zusammen alarmiert, weil Wiblingwerde auch nicht acht stellen kann. Bei uns wird es so dargestellt, als seien wir fünf Mann und die hätten auch noch keine Ahnung“, ist Andreas Bremmer enttäuscht.

Kein Streit, kein Stress gebe es übrigens mit den Feuerwehrleuten aus Wiblingwerde oder Nachrodt. „Es ist aber nicht das gleiche, wo man ist. Es geht nicht nur um die Löschgruppe, sondern auch um die Einwohner von Veserde. Denen wurde auch etwas genommen. Und was ist, wenn man eingeschneit ist? Wir hatten schon Bereitschaften im Gerätehaus“, erzählt Christian Salomon. „Jetzt sind wir nicht mehr da.“

Und so kommt nach Ansicht der (ehemaligen) Mitglieder der Löschgruppe ein Thema zum anderen. So auch folgendes: Die Löschgruppe Veserde hat in diesem Jahr am Leistungsnachweis in Lüdenscheid teilgenommen. „Da misst man sich in einem Wettkampf mit anderen Feuerwehr. Wir waren erfolgreich dabei“, sagt Stefan Englert. Sehr interessant habe man die Tatsache empfunden, dass die Löschgruppe in keinster Form erwähnt wurde.

„Wenn in Nachrodt-Wiblingwerde etwas los ist, an der die Feuerwehr beteiligt ist, postet die Wehrleitung alles und jedes. Aber es wurde überhaupt nicht erwähnt, was wir gemacht haben.“ Das Gefühl, nicht als vollwertige Einheit gesehen zu werden, machte sich immer breiter. „Ihr müsst dies machen, das machen, euch beweisen, Gas geben. Man fühlt sich immer unter Druck. Ich kann das nicht nachvollziehen, denn wir haben keinen schlechten Job gemacht“, versteht Andreas Bremmer die Welt nicht mehr.

Und noch einen wichtigen Punkt haben die Veserder Feuerwehrmänner auf dem Herzen: „Es hieß, wir hätten nach dem Weggang von Tim Herrmann keine Führungskräfte mehr. Aber wir hätten durchaus qualifiziertes Personal gehabt, die seinen Posten hätten übernehmen können“, sagt Christian Salolom als ehemaliger Löschgruppenführer. Zwei hätten das Amt ausführen können. „Es war genug Zeit, jemanden zu benennen.“ Aber genau das sei nicht passiert.

Ein sinkendes Schiff: Dieses Bild sei in der Gemeinde verbreitet worden. „Es wurde uns auch ein Maulkorb verpasst und mit Konsequenzen gedroht, wenn man über Feuerwehrinterna mit der Politik oder der Presse sprechen würde. Das ist auch ein Grund, warum wir keine Lust mehr haben. Man hat ja mehr Stress mit der ganzen Sache als alles andere“, so Salomon. „Den Politikern wurde gar nicht die Chance einer Neutralität gelassen.“

Die Summe aller Dinge hat die Löschgruppe zu ihrem Austritt bewogen: „Man muss sich ja motivieren, freiwillig Arbeit zu leisten. Wir haben ja nicht nur Späßchen. Und wenn man dann dafür betteln muss, dann ist das nicht richtig und dann ist das Ehrenamt nicht gut genug anerkannt. Wir bekommen nichts dafür.“

Austritt tue allen weh

Der Austritt tut auch weh. Allen Beteiligten. „Es ist kein schönes Gefühl“, geben Bremmer, Salomon, Englert und Foller zu. „Wir werden uns weiterhin ehrenamtlich für das Dorf einsetzen. Bei manchen gibt es auch Überlegungen, dort, wo sie arbeiten, in die Feuerwehr einzutreten. Allgemein gibt es in der Truppe die Frage, was man für das Dorf tun kann. „Da ist auch etwas in Planung.“

Bürgermeisterin Birgit Tupat möchte die Vorwürfe der fehlenden Kommunikation übrigens auch nicht so stehen lassen: „Das stimmt so nicht. Die Termine können wir auch belegen“, so die Bürgermeisterin, die hofft, dass sich „der eine oder andere vielleicht doch noch anders entscheiden wird. Wir werden auf jeden Fall noch mal auf alle zugehen.“

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