Versammlung der Märkischen Waldbauern artet aus

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Die Gäste waren zu späterer Stunde teils interessiert, teils amüsiert.

Nachrodt-Wilblingwerde - Worum ging es eigentlich bei der Mitgliederversammlung der Märkischen Waldbauern am Dienstagabend im Schloss Hotel Holzrichter? Um Wahlkampf? Machtkampf? Oder um private Kleinkriege? Was zunächst wie eine sachliche Diskussion begann, endet in einer dreistündigen Sitzung, in der es um weit mehr ging als sachlich Themen aus der aktuellen Forstpolitik zu besprechen.

„Vielleicht sollten sich die Damen mal zu einem Kaffee treffen und dort alles weitere besprechen“, kam nach gut zwei Stunden ein Vorschlag aus der Versammlung. Es war der Versuch, eine ausufernde Debatte um Gesetzesänderungen zu verkürzen.

Heidrun Buß-Schöne, Geschäftsführerin des Waldbauernverbandes NRW, hatte einen Vortrag über einige aktuelle politische Themen vorbereitet. Klar, dass die anwesenden Politiker sich immer wieder ins Geschehen einmischten – zunächst mit konstruktiven Ergänzungen, später jedoch auch nur noch mit Rechtfertigungen. Dort zeigte sich deutlich, wie verhärtet die Fronten zwischen Politik und Verbänden derzeit sind.

Denn nicht nur Jäger und Landwirte äußern derzeit lauthals ihren Unmut, sondern auch die Waldbauern. Da halfen auch die Versuche der SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone nicht mehr, die alle Beteiligten noch einmal aufforderte, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Was war passiert: Im Nachhinein weiß das wohl niemand mehr so genau. Buß-Schöne berichtete von geplanten Änderungen, forderte die Waldbauern beispielsweise auf, zur Delegiertenwahl der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau zu gehen. Weiter berichtete sie über den geplanten Netzausbau von Amprion und ermahnte die Waldbauern, sich bei Verhandlungen nicht über den Tisch ziehen zu lassen.

Durch den Ausbau der Leitungstrassen müssen die Schneisen verbreitert werden – sprich Bäume gefällt werden. Richtig aus dem Ruder lief die Versammlung bei dem Bericht über das Landesnaturschutzgesetz. Buß-Schöne berichtete von Änderungen und Kompromissen, die im gemeinsamen Gespräch gemacht wurden. Die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Blask, die sich zuvor schon mehrfach zu Wort gemeldet hatte, wollte hier vieles jedoch nicht auf sich sitzen lassen.

Immer wieder unterbrach sie die Geschäftsführerin, korrigierte sie – obwohl das meiste genau so von Buß-Schöne gesagt worden war. Als es schon um Änderungen im Bereich Biotope ging, sprach Blask noch von Totholz. Das Chaos war perfekt, die Gäste teils interessiert, teils aber nur noch amüsiert.

Dabei hatte Buß-Schöne zuvor noch appelliert, dass sie dafür ist, weiter Gespräche mit den Politikern zu suchen. Blask war derweil auf Konfrontationskurs und auch die Anwesenden waren immer gereizter. „Leute, hackt eure Bäume ab, sonst lauft ihr noch Gefahr, dass irgendwer einen Käfer findet. Dann wird das ein Naturschutzgebiet. Wir haben keinen Einfluss mehr auf das, was bei uns passiert“, sagte Vorstandsmitglied Christoph von Wrede.

Das wiederum wollte Wilhelm Korspeter von der Unteren Landschaftsbehörde nicht auf sich sitzen lassen: „Wir sind immer noch im Märkischen Kreis. Wir sollten uns nicht von der schlechten Stimmung anstecken lassen und im Gespräch bleiben. Wir sollten diese Kultur nicht verlieren, nur weil in Düsseldorf einige Leute am Rad drehen.“

Er appellierte eindringlich an die Anwesenden, nicht in Frontstellung zu gehen und keine Machtkämpfe auszutragen. „Am Ende gibt es dann überall Verlierer – und wenn Remmel die Machtfrage stellt, verliert die Natur“, betonte Korspeter.

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