2,7 Millionen Euro Leader-Förderung für die Lenneschiene

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Kathrin Hartwig (links) und Silke Erdmann koordinieren die Leader-Projekte. Ihr Büro haben sie im Nachrodter Amtshaus.

Nachrodt-Wiblingwerde - Sie sitzen im Keller. Aber nicht im Stockdunkeln. Der Blick aus dem Fenster im Amtshaus geht direkt auf die belebte Bundesstraße. Zwei Kakteen und ein Gummibaum zieren das Büro, in dem Silke Erdmann und Kathrin Hartwig arbeiten.

„Wir richten uns gerade ein“, schmunzeln die Landschafts-Ökologin und die Raumplanerin, die von Nachrodt aus die Aktionen vernetzen, die im Rahmen von „Leader“ bis ins Jahr 2022 neue Akzente für die Region setzen sollen.

„Leader“ – das ist eine Fördermaßnahme der Europäischen Union zur Entwicklung des ländlichen Raumes, bei dem es darum geht, nicht „von oben herab“ Ideen zu entwickeln, sondern dass diese aus der Bürgerschaft kommen.

Das Programm dient der Strukturförderung. Ziel ist die Unterstützung einer eigenständigen und nachhaltigen Regionalentwicklung. Obwohl es sich erst einmal etwas sperrig anhört, ist jede Menge „Musik“ im Programm. Entstanden aus dem Regionaleprojekt, arbeitet die „Leaderregion Lenneschiene“ für Iserlohn, Nachrodt-Wiblingwerde, Altena, Werdohl. Plettenberg und Finnentrop.

„Unser Anteil an Leader ist die Geschäftsstelle hier. Der Verein – ...’für Regionalentwicklung der Region Lenneschiene e.V.’ – zahlt eine Miete an uns, und wir übernehmen Druckerkosten, Papier und ähnliches“, sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer.

2014 wurde das Konzept für Leader geschrieben, 40 Ideen sind für die Region längst eingegangen, wurden fast zwei Jahre auf Eis gelegt, um jetzt möglicherweise in Angriff genommen zu werden. „Hier in Nachrodt ist die medizinische Versorgung ein Thema. Gerade in den Dörfern auf den Höhen dauert es ziemlich lange, bis der Notarzt ankommt. Da gibt es mehrere Projektansätze, wie man das Problem lösen kann“, sagt Silke Erdmann.

2,7 Millionen Euro stehen für die Lenneschiene zur Verfügung. Es gibt fünf Handlungsfelder: „Tourismus“, „Wirtschaft und Arbeit“, „Leben in Dorf und Stadt“, Land- und Forstwirtschaft, Klima, Energie und Umwelt“ und „ehrenamtliches Engagement“. Im letzteren geht es zum Beispiel darum, Nachwuchs für das Ehrenamt zu sichern oder Räume zur Verfügung zu stellen.

Die Summe von 2,7 Millionen Euro, die sich zunächst erheblich anhört, wird auf alle Handlungsfelder und für alle teilnehmenden Städte verteilt. Das Summe kommt aus dem EU-Fördertopf „ELER für die Entwicklung des ländlichen Raums“, 20 Prozent schießt das Land NRW dazu und die Kommunen tragen gemeinsam einen Anteil von zehn Prozent. „Es sollen immer Projekte sein, die der ganzen Region zugute kommen und die einen regionalen Bezug haben“, sagt Kathrin Hartwig.

Entscheidend ist die „Lokale Aktionsgruppe“ – mit 29 Vertretern aus allen Städten und aus den verschiedensten Bereichen – , die ihre Zustimmung für die Umsetzung einzelner Projekte geben muss. Für Nachrodt-Wiblingwerde sind zum Beispiel Bürgermeisterin Birgit Tupat, ihr Vertreter Axel Boshamer, Regina Bräuer-Weustermann und Siegfried Kruse dabei.

„Wir beraten, schlagen vor, entwickeln und helfen, aber letztendlich entscheidet die lokale Aktionsgruppe“, sagt Silke Erdmann. Damit Leader bekannt wird und irgendwann jeder weiß, was hinter diesem Namen steckt, soll es im Juni in allen Kommunen Infoabende für alle interessierten Bürger geben. „Auch sind wir gerade bei den Bürgermeistern unterwegs, bei der Wirtschaftsförderung, beim Naturpark. Wir besuchen alle Institutionen, stellen Leader vor und bitten um Mitarbeit, damit jeder die Leader-Idee in die Region trägt“, hoffen Silke Erdmann und Kathrin Hartwig auf viel Begeisterung entlang der Lenne. 20- bis 25000 Euro: Das ist die durchschnittliche Summe, die für die einzelnen Projekte ausgegeben werden soll.

„Das ist der Unterschied zu den Regionale-Projekten. Bei uns geht es um kleine Dinge, die Kooperations-Strukturen aufbauen, um kleinere, kreative und innovative Sachen, die die Lebensqualität in der Region verbessern. Eine Projektidee ist zum Beispiel, dass für lokale Künstler in der Region Veranstaltungen und Räumlichkeiten geschaffen werden.“

Der „Haken“: der Projektträger, also der, der eine Idee als Verein oder Dorfgemeinschaft umsetzen möchte, muss sich mit 35 Prozent an den Kosten beteiligen. „Aber man kann diese 35 Prozent auch zum Beispiel in Eigenleistungen erbringen. Auch Spenden sind möglich“, wollen die Leader-Damen keine potentiellen Ideengeber entmutigen.

Der Weg ist immer: Silke Erdmann und Kathrin Hartwig sammeln Ideen, koordinieren, sprechen die Förderfähigkeit mit der Bezirksregierung ab und stellen sie dann der lokalen Aktionsgruppe vor. Es gibt 28 Leader-Regionen in Nordrhein-Westfalen, 13 in der Bezirksregierung Arnsberg und deutschlandweit mehr als 300.

Innerhalb von Südwestfalen möchten sich Silke Erdmann und Kathrin Hartwig mit ihren Leader-Kollegen auch gern austauschen, eventuell sogar etwas zusammen auf die Beine stellen.

„Die Lenneschiene ist eine besondere Region, weil wir im Tal sehr städtisch geprägt sind und auch eine starke Wirtschaft haben. Aber oben auf den Höhen ist man sehr ländlich geprägt. Die Dörfer sind durchaus im Fokus von Leader.

Wie kann die Region attraktiv bleiben? Wie können die älteren Menschen dort versorgt werden?“, erklärt Kathrin Hartwig einige wichtige Leader-Ansätze. „Das Themenfeld ist unheimlich breit“, so die Leader-Damen. Sie hoffen, dass die ersten Projekte noch in diesem Jahr an den Start gehen können.

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