Ehemaliger Hausverwalter muss nicht ins Gefängnis

Nachrodt-Wiblingwerde - Der ehemalige Hausverwalter aus Hagen, der etliche Hauseigentümergemeinschaften um ihre Rücklagen betrogen haben soll, muss nicht ins Gefängnis. Die 1. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte den 70-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe.

Das Gericht hatte dem Angeklagten ein mildes Urteil für den Fall eines umfassenden Geständnisses in Aussicht gestellt. Ein Jahr und neun Monate wurden es letztlich, die allerdings noch nicht das letzte Wort sein müssen, da die Kammer einen Teil der Tatvorwürfe abtrennte. Sie sah noch Aufklärungsbedarf. Allerdings bietet das Urteil noch Spielraum, um möglicherweise im Strafrahmen von zwei Jahren zu bleiben, der noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Eine entsprechende Absichtserklärung hatte die Kammer bereits zum Auftakt des Verfahrens abgegeben. Sie verurteilte den Angeklagten nun zunächst wegen gewerbsmäßiger Untreue in 47 Fällen. Die Anklage hatte insgesamt 111 Fälle aufgelistet.

Durch die Unterschlagungen geschädigt wurden zahlreiche Hauseigentümergemeinschaften im nördlichen Märkischen Kreis sowie in Hagen und Umgebung, Der Angeklagte hatte seine umfassenden Zugriffsrechte auf die Konten mit den Instandhaltungsrücklagen der Eigentümergemeinschaften genutzt, um finanziellen Schieflagen in seinem eigenen Hausverwaltungsunternehmen zu begegnen. Die Hoffnung, diese unberechtigten Entnahmen in besseren Zeiten wieder rückgängig machen zu können, hatte sich jedoch letztlich als trügerisch herausgestellt. Geschädigt wurde so auch die Immobilienverwaltung der Walzwerke Einsal, deren Schaden sich auf etwa 43 500 Euro belief. Diese Vorgänge wurden im Rahmen des Strafverfahrens bereits aufgeklärt. Der Gesamtschaden für alle betroffenen Wohnungseigentümergemeinschaften summierte sich auf einen mittleren sechsstelligen Euro-Betrag. Der genaue Schaden war schwierig zu beziffern gewesen, weil der Angeklagte Gelder zwischen den ihm anvertrauten Konten immer wieder umgebucht hatte, um seine Manipulationen zu vertuschen.

Im Verfahren hatte der 70-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt und sich um umfassende Aufklärung der Vorgänge bemüht. Dabei hatte er auch Scham und Reue darüber zum Ausdruck gebracht, dass er Menschen, die ihm umfassend vertraut hatten, derart hintergangen hatte. Persönlich hatte der 70-Jährige letztlich nichts von den Unterschlagungen: Seine Frau verließ ihn, und er lebt mittlerweile verarmt in einer winzigen Wohnung in Hagen, nachdem er zwischenzeitlich auch in Nachrodt-Wiblingwerde gelebt hatte.

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