Ungewisse Zukunft für die Milchbauern

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Günter Buttighoffer sieht die Entwicklungen auf dem Milchmarkt gelassen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Die Milchquote ist bald Geschichte. Damit fällt eine Regelung, die seit 1984 die Milchwirtschaft maßgeblich bestimmte. Was das für die heimischen Landwirte bedeutet, ist noch völlig unklar. Die neue Freiheit bietet jede Menge Chancen, birgt aber auch ein gewisses Risiko.

Von Lydia Machelett

Eingeführt wurde die Quotenregelung einst, um die Milchproduktion zu beschränken. So genannte Milchseen und Butterberge sollten damit vermieden werden. Lieferte ein Landwirt mehr Milch, als die Quote vorgab, wurde er sanktioniert. Dadurch sollte der Milchpreis stabil auf einem hohen Niveau gehalten werden und die Bestände so erhalten bleiben. „Das hat nicht funktioniert. Wir hatten trotzdem starke Schwankungen in den Preisen. Sie lagen immer noch bei bis zu zehn Cent pro Liter“, erklärt Günter Buttighoffer, Orts- und Kreislandwirt aus Wiblingwerde. Außerdem gebe es knapp 78 Prozent der einstigen Milchviehbetriebe gar nicht mehr.

„Der Milchpreis wird schon lange nicht mehr in Deutschland oder der EU gemacht, sondern auf dem Weltmarkt“, erklärt der Landwirt. So hätten die Landwirte das Exportverbot nach Russland deutlich zu spüren bekommen. Mittlerweile hätten sich die Preise zwar erholt, das Beispiel zeige aber, dass eine Quotenregelung ihr eigentliches Ziel verfehlt habe.

Milch aus Wiblingwerde landet schon lange nicht mehr nur auf dem Küchentisch von Familien in der Region. Tausende Liter werden exportiert. Derzeit ist deutsche Milch vor allem in den arabischen Ländern gefragt. Die heimischen Landwirte profitieren dabei von der Dürre, die die anderen Exportnationen Australien und Neuseeland hart getroffen hat. „Dadurch konnten wir neue Märkte erschließen und das, was Russland und China derzeit weniger importieren, kompensieren“, erklärt Buttighoffer. Hilfreich sei derzeit auch der niedrige Euro. Der Milchpreis ist also eine hochkomplexe Angelegenheit.

Dennoch haben die heimischen Landwirte Sorge, dass sie auf der Strecke bleiben könnten. Wird der Markt nun mit Milch überschwemmt, fallen die Preise. „So leicht geht das gar nicht“, beruhigt jedoch Buttighoffer. Denn die Bauern könnten nicht plötzlich expandieren und die doppelte Menge produzieren. „Ich brauche einen Hektar Land für zwei Kühe. Ist das nicht gegeben, kann ich auch nicht erweitern. Insofern blicke ich dem Ganzen gelassen entgegen“, sagt der Wiblingwerder.

Allerdings wachse dadurch natürlich der Flächendruck. Die Pachtpreise steigen. „Besonders hart wird es dort, wo die Milchviehbetriebe mit Landwirten um Fläche konkurrieren, die Biogasanlagen beliefern“, erklärt Buttighoffer. Die Preise, die dort gezahlt würden, seien für einen kleineren Milchviehbetrieb nicht zu stemmen. Ohne Fläche gibt es also kein Wachstum in der Milchbranche. Buttighoffer geht daher derzeit von einem Anstieg von rund vier bis sechs Prozent aus. „Ich denke aber, dass die Landwirte hier sich gut aufgestellt haben. Sie haben in den vergangenen Jahren investiert und sich vorbereitet“, so der Ortslandwirt. Insofern blicke er keinesfalls ängstlich in die Zukunft. „Trotz aller Risiken ist es gut, dass die Quote weg ist.“

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