„Weihnachten ist mindestens bis zum 6. Januar“

Merle Vokkert (rechts) und Tabea Esch trugen klangschön zum Gelingen bei. Foto: Salzmann

Wiblingwerde - Auf berührende, herzerwärmende Weise ließ die Lutherkantorei am Sonntag in der evangelischen Kirche Wiblingwerde Weihnachten nachklingen. „Eigentlich sind die Heiligen Drei Könige noch nicht da, eigentlich geht Weihnachten mindestens bis zum 6. Januar“, so Chorleiter Johannes Köstlin zum (späten) Zeitpunkt des Weihnachtskonzerts. „Der Nachklang soll uns das ganze Jahr begleiten“, erklärte er. „Das heute ist nicht das Ende einer Weihnachtszeit, das ist der Beginn einer Jahreszeit.“

Unter dem Motto „Hört zu und seid getrost nun“ ließ Weihnachtsmusik verschiedener Jahrhunderte in der brechend vollen, weihnachtlich geschmückten Kirche schönste Festtagsstimmung aufkommen. Nicht nur Ortsansässige, auch Besucher aus den umliegenden Städten und Gemeinden erfreuten sich an dem Konzert. Neben der Kantorei, die unter Köstlins Leitung stimm- und stilsicher auftrumpfte, trugen die beiden Pfarrerinnen Merle Vokkert und Tabea Esch (Violine) mit klangschönen Instrumentalstücken wesentlich zum Gelingen des begeistert aufgenommenen Konzerts bei.

Die einschmeichelnde Hirtenmusik aus Händels „Messias“ in Form einer barocken Pastorale, mit der den Instrumentalisten ein inniger Einstieg ins Programm gelang, öffnete Weihnachten Tor und Tür. Höchsten Ansprüchen genügte das Allegro aus Antonio Vivaldis Violinkonzert G-Dur, RV 310, ein anmutiger Satz mit reichen Verzierungen, mit dem Tabea Esch ihre Virtuosität auf der Violine eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Gemeinsam mit Johannes Köstlin (Klavier) ließ sie dem barocken Werk große künstlerische Reife angedeihen. Darüber hinaus erfreuten die beiden Geigerinnen im Duett für zwei Violinen op. 8, Nr. 6 von Ignaz Joseph Pleyel mit einem klassisch galanten Dialog. A cappella und mit Begleitung sang der Chor seine ausgefeilten, sorgsam arrangierten Lieder.

Von der Spätrenaissance, vertreten durch Melchior Franck („Da pacem domine“), bis in die Moderne spannte die Kantorei den Bogen. Ein Hauch von Heimeligkeit umgab dabei Christian Lahusens „Wisst ihr noch, wie es geschehen“, dass das Wunder von Bethlehem deutlich vor Augen führte.

Wunderschön fing der Chor die Atmosphäre des Liedes – Stille, ein Leuchten und Singen auf der Erde – ein. Alt und neu begegneten sich in der überlieferten Weise „Es ist ein Ros’ entsprungen“ in der Fassung von Hans Georg Pflüger auf originelle Weise. Zum Jauchzen und Jubeln („O freudenreicher Tag“), zum Anbeten („Ehre sei Gott in der Höhe“) und zum Staunen („Kommet, ihr Hirten“) luden die Sängerinnen und Sänger bei ihrem farbigen, nuancenreichen Streifzug durch die Jahrhunderte ein. Klare Aussprache, Tonreinheit und ein runder, ausgewogener Chorklang erfreuten bei allen Werken.

Das Motto des Konzerts war Wilhelm Weismanns „Hört zu und seid getrost nun“, Altbekanntem in neuem Gewand, entliehen. Zum Start ins neue Jahr gaben die Sängerinnen und Sängern ihren Zuhörern die bewegenden Worte Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – dreimal anders vertont – und unerschütterliches Gottvertrauen mit auf den Weg.

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