Clever kritisiert Schaffung eines Handelszentrums

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Verärgert hat Edeka-Inhaber Hans-Peter Clever zur Kenntnis genommen, dass die Gemeinde praktisch vor seiner Ladentür die Ansiedlung mehrerer Einzelhandelsgeschäfte genehmigt hat.

Nachrodt-Wiblingwerde - Hans-Peter Clever, Inhaber des Edeka-Markts, hat auf den geänderten Bebauungsplan für den „Marktplatz Obstfeld“ prompt reagiert und sein ehrenamtliches Engagement für den Nachrodt-Wiblingwerder Weihnachtsmarkt per E-Mail ins Amtshaus aufgekündigt.

Von Ina Hornemann

„Ich werde beruflich wieder in Nachrodt einsteigen müssen unter diesen Umständen“, erklärt er. „Ich habe nämlich jetzt wieder die Aufgabe, meine Mitarbeiter zu schützen.“

Dass nur einen Steinwurf von seinem Unternehmen ein Netto-Discounter mit 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen soll, ärgert den Geschäftsmann maßlos. „Wir haben die Entwicklung lange beobachtet und hätten mit den ursprünglichen Plänen auch leben können. Hier aber wird eine Situation geschaffen, die existenzgefährdende Ausmaße annimmt. Meine Mitarbeiter haben Angst, ihre Arbeitsplätze zu verlieren.“ Clever betont: „Wettbewerb muss sein und an ihm kann ein Unternehmen wachsen. Aber mit diesen Plänen findet eine Ballung und Verdrängung statt, die der Gemeinde nicht gut tun wird.“

Er fragt, ob es sinnvoll ist, auf dem flächenmäßig großen Gemeindegebiet ein derartiges Handelszentrum zu schaffen, während Bürger aus weiter entfernten Wohngebieten schmerzlich eine Einkaufsmöglichkeit in ihrer Nähe vermissten. „Wo Einzelhandel gebraucht wird, wird keine Ansiedlungsmöglichkeit geschaffen. Stattdessen wird ein Ballungsraum installiert. Das wäre sinnvoll, wenn die Kommune wachsen würde. Aber die Nachrodt-Wiblingwerder werden doch nicht mehr. Die Kaufkraft vor Ort erhöht sich nicht. Viele Wiblingwerder bleiben in Richtung Hohenlimburg und Schalksmühle orientiert, wenn ihnen auf der Höhe nichts geboten wird“, erläutert Clever.

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Sein persönlicher Rückzug aus der Gemeinde war schon im Gange, die administrative Geschäftsübergabe an Schwiegersohn Kai Kantimm bereits so weit vorangeschritten, dass der Halveraner Hans-Peter Clever sich gern auf den Ruhestand vorbereiten wollte. „Unter diesen Umständen geht das nicht mehr. Wir müssen jetzt die Mitarbeiter beruhigen, ich muss wieder verstärkt ins Geschäft einsteigen. Langfristige Arbeitsverträge mit neuen Kollegen können vorerst nicht abgeschlossen werden, bis wir sehen, wie sich der Marktplatz Obstfeld entwickelt. Und Kündigungen will ich an meine Leute nicht aussprechen müssen”, betont Clever bestimmt.

Für das ehrenamtliche Engagement, das der Einzelhändler bei der Planung des Weihnachtsmarkts an den Tag gelegt hatte, wird ihm vorerst die Zeit fehlen. „Deshalb habe ich auch diese Aufgabe sofort abgelegt. Das war immer viel Arbeit, ich habe Freude, Ärger, Zeit und Geld investiert. Diese Kapazitäten habe ich nicht mehr in Angesicht der ungewissen Zukunft.”

Die Spendendosen für die Großveranstaltung wird Clever weiter im Markt stehen lassen und die Einnahmen an die Kommune als Veranstalter überreichen. In der Vergangenheit hatte er manches Mal ungedeckte Kosten für das Event übernommen. Nicht ganz ohne Hohn fragt er, ob ein Netto-Marktleiter sich auch so einsetzen würde. „Diese Handelsgruppe gehört zwar auch zu Edeka, doch ob in dem Fall eine ähnliche Identifikation mit der Gemeinde wachsen mag, wage ich doch zu bezweifeln…”

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