Der Tote in der Lenne

Nachrodt-Wiblingwerde - „Ich bin noch unschlüssig. Aber ich glaube, ich finde den Bauern am besten, weil er immer so schön ausrastet“, schmunzelt Ronny Sachse. Der Bauer. Er spielt im ersten Nachrodter Krimi mit. Genau wie Erwin-Hans, den Andreas Schlennstedt schon allein wegen des merkwürdigen Namens klasse findet. Erwin-Hans. Schon oft wurde diskutiert, ob er nicht anders heißen soll. Soll er nun aber nicht. Und er spielt eine Hauptrolle im Roman „Der Tote in der Lenne“.

Würde da jemand kommen? Hätten Nachrodt-Wiblingwerder tatsächlich Lust, an einem Krimi mitzuschreiben? Als die AK-Redaktion gemeinsam mit Büchereileiterin Gaby Beil im Mai die „Schnapsidee“ entwickelt und im Juni die Einladung ausgesprochen hatte, war es nur ein Versuchsballon. Dass der dann mächtig hoch steigen würde, ist erstes eine Überraschung und zweitens genial. Der „Tote in der Lenne“ schickt sich an, ein „echter Roman“ zu werden.

 „Mir macht es sehr viel Spaß, mit netten Menschen an einem Krimi mitzuwirken. Der Krimi betrifft die Gemeinde und es werden sich viele Menschen wiedererkennen. Ich hoffe, sie tragen es mit Humor“, witzelt Rita Joergens. Ihr Favorit ist ganz eindeutig Toni. „Er hat es am besten: eine Ehefrau und eine Affäre.“

Zuviel möchte das Krimi-Team natürlich nicht verraten. Denn schließlich soll der Roman auch veröffentlicht werden. Alle zwei/drei Wochen kommt die Krimiwerkstatt zusammen – meistens in der Bücherei. Dann werden die Episoden vorgestellt, die die Krimi-Schreiber „im stillen Kämmerlein“ getippt haben. Aktuell geht es darum, Dinge, die nicht zueinander passen oder sich eventuell widersprechen, zu verbessern, zu verändern. Der Krimi liegt noch lange nicht in den letzten Zügen, auch wenn der Mörder feststeht. Wie er allerdings gefasst wird und wie die äußerst großartige Kommissarin Neele auf ihn kommt, steht noch ein bisschen in den Sternen.

 „Bis auf Mark Fahnert hat noch niemand von uns einen Roman geschrieben. Und doch kommt etwas richtig Gutes dabei raus“, freut sich Andreas Schlennstedt. „Das Besondere sind sicher die unterschiedlichen Schreibstile“, findet Ronny Sachse. „Ich bin gespannt, wie das bei den Leuten ankommt.“

Spaß macht es allen Beteiligten. Die Gruppe versteht sich gut, freut sich, dass es voran geht und welche Wendungen und Irrungen im Geschehen vorkommen. Dass ziemlich viele Leute mitspielen, könnte ein klein wenig unübersichtlich sein. Damit ein jeder Leser aber genau weiß, mit welcher Romanfigur er es zu tun hat, gibt es natürlich eine Mitwirkenden-Liste. Darin wird auch Helene auftauchen.

Helene ist die Lieblingsfigur von Susanne Fischer-Bolz. Warum? „Sie ist eben nicht die liebe, alte Dame. Mehr ein echter Besen, der die Tochter tyrannisiert. Es ist Helene wichtig, dass nach außen hin alles perfekt ist, dass die Nachbarn gut über sie reden. Aber ihr wirklicher Charakter ist unfassbar furchtbar. Es ist ein Blick in tiefe Abgründe.“

Die kleine, liebenswerte Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde verdient es, schriftlich festgehalten zu werden. Das meint Büchereileiterin Gaby Beil. „Die verschiedenen Charaktere des Krimis spiegeln Eigenschaften der Autoren wider. Es fließen Hinweise auf deren Berufe, soziale Umfelder, Abneigungen und Vorlieben mit ein. Das finde ich genauso spannend wie die schreibtechnischen Arbeitsweisen. Wie entwickeln wir einen Spannungsbogen und einen roten Faden?“ Gaby Beil findet übrigens auch Erwin-Hans sensationell. „Erwin-Hans, mit Bindestrich, der liebeskranke Angler ist mir ans Herz gewachsen, sollte er doch schon oft des Romans verwiesen werden, der Spießer“, lacht die Büchereileiterin, die jetzt versteht, warum es so lange dauert, bis Schriftsteller nachliefern.

 Axel Boshamer hat ein Faible für Polizeihauptkommissar Grieser in „Der Tote in der Lenne“. „Er ist total cool, steht mit beiden Beinen im Leben. Den versteckten Witz von ihm finde ich einfach super.“ Axel Boshamer hat schon immer gern „kleine Geschichtchen“ geschrieben, wie er sagt, und mag die Leute, die bei der Krimiwerkstatt mitmachen. „Ich glaube auch, dass der Krimi bei den Menschen in Nachrodt und Umgebung super ankommen wird, weil sich ganz viele wiedererkennen werden.“

Eigentlich sollte der Nachrodter Krimi ja zu Weihnachten fertig sein. „Aber es macht ja keinen Sinn, ihn unbedingt zum Abschluss zu bringen, wenn wir noch nicht soweit sind“, sagt Ronny Sachse. Wie er, so finden auch Christine Rubel und Frank Stuwe den Bauern im Roman am interessantesten. „Wer so gut mit dem Vorschlaghammer umgehen kann, hat alle Achtung verdient. Außerdem hat er ja ein tiefdunkles Geheimnis“, macht Christine Rubel neugierig auf mehr.

 Kritische Worte gibt es natürlich auch – von Marc Fahnert. Der einzige Fachmann im Team weiß genau, warum es manchmal knirscht: „Mit so vielen Leuten zu arbeiten, macht großen Spaß, ist aber auch schwierig. Ich gehe normalerweise ganz anders an die Sache ran, plane von Anfang bis zum Ende. Das haben wir nicht getan. Und so haben wir uns natürlich in manchen Sachen verrannt“, so Marc Fahnert. „Ich weiß nicht, wohin es geht, aber es galoppiert.“ Marc hat den Mörder (oder die Mörderin) als seine Lieblingsfigur im Roman bezeichnet. „Ohne diese Figur funktioniert ja nichts.“

Nicht als Bürgermeisterin im Team, sondern ganz privat, ist Birgit Tupat dabei. „Ich weiß gar nicht, ob ich eine Lieblingsfigur habe. Ich finde einige ganz spannend. wie die Kommissarin, die Ehefrau oder auch die komische Schwiegermutter. Einen Helden, der alle übertrifft, gibt es ja in unserem Roman nicht.“ Sie findet es interessant, mit ganz unterschiedlichen Leuten zu arbeiten. „Ich hätte nie gedacht, dass ich an einem Roman mitschreiben kann“, schmunzelt sie und sieht auch den Reiz des Krimis darin, dass die Örtlichkeiten bekannt sind. „Der große Vorteil ist, dass wir uns hier auskennen und dann die Orte beschreiben, die es tatsächlich gibt. Und es ist schon spannend, was auch einer banalen Szene werden kann.“

Zwischenzeitlich ist der Krimi spannend, manchmal sogar gruselig. Aber ganz oft gibt es auch etwas zum Lachen. „Der Humor in der Geschichte gefällt mir, aber auch, dass Personen dadurch, dass sie von anderen Autoren in Episoden beschrieben werden, vielschichtiger werden und nicht platt sind“, sagt Claudia Fehling, die die Leichtigkeit und die wachsende Vertrautheit in der Gruppe gern mag. „Meine Lieblingsfigur ist Neele. Ich finde, dass sie eine mutige Frau ist, denn sie ändert ihr Leben komplett und macht einen Neuanfang. Mir ist sympathisch, dass sie eine ganz normale Frau ist, die ähnliche Selbstzweifel hat wie viele es von sich kennen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare