"Wir müssen die Kuh vom Eis kriegen"

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Anwohner der Klingestraße und des Friedhofsweges kamen zur Planungs- und Bauausschusssitzung

Nachrodt-Wiblingwerde -  Es ist eine vertrackte Situation. Aber man muss und will eine Lösung finden. Das ist das Ergebnis der Debatte rund um die Klingestraße im Planungs- und Bauausschuss. Nachdem die CDU im Vorfeld in die Bresche gesprungen war, kommt nun augenscheinlich Bewegung ins Spiel. Anwohner der „Kummer-Straße“, die seit drei Jahren in der Löcher-Gefahrenzone leben, machten ihren Unmut sehr sachlich, aber auch sehr deutlich klar. Sie erwarten von der Gemeinde und den Politikern Hilfe. Am kommenden Montag findet nun ab 16 Uhr eine Begehung an der Klingestraße statt.

Das Problem „Klingestraße“ als auch das Thema „Friedhofsweg“ wurden zusätzlich auf die Tagesordnung genommen. Doch schon vor den Beratungen ergriffen die Anwohner unter „Anfragen“ das Wort, blieben aber später zum Teil nicht bis zum Schluss.

 „Ich bin der Meinung, dass hier die Bauordnung NRW nicht beachtet wird. Wir haben eine Feuerwehrzufahrt, wir haben Häuser über acht Meter und wir haben Häuser, die weiter als 50 Meter von der nächsten Straße entfernt sind. Insofern ist es nötig, dass große Fahrzeuge in unsere Straße ‘reinfahren können. Das ist nicht gegeben. Das hat nichts mit einer Privatstraße zu tun. Deshalb verstehe ich nicht, dass das nicht beachtet wird“, so ein Anwohner der Klingestraße.

 Die Bauordnung des Märkischen Kreises wisse um den Zustand der Straße, betonte Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Für uns ist die Sicherung des Brandschutzes und des Rettungsdienstes von großer Wichtigkeit“, so Tupat – und das sei geklärt und geregelt.

Dass sich die Bewohner der Klingestraße allein gelassen fühlten und fühlen, machte Susanne Rößner-Höllerhage an einem Beispiel deutlich, als aus einer tiefen Absenkung ein Krater entstanden war. „Freitags fuhr der Müllwagen durch die Straße, im Anschluss hatten wir ein riesiges Loch. Dann haben wir versucht, die Gemeinde zu informieren und schließlich die Polizei gerufen. Es ist aber keiner rausgekommen. Wir sollten, so sagte man uns, den Eigentümer anrufen. 50 Zentimeter tief und 1,50 Meter im Durchmesser war das Loch. Wir haben dann selber die Straße abgesperrt“, so Susanne Rößner-Höllerhage, die den Politikern auch Fotos übergab. „Es hat sich keiner drum gekümmert.“ Die Straße ist nun seit Anfang Juni gesperrt – bzw. die Brücke zur Straße.

Dass das Ordnungsamt im Juni nicht von der Polizei verständigt wurde, sei „mehr als unglücklich gelaufen“, erklärte Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Freitags ist die Bereitschaft der Stadt Altena zuständig.“

Der Eigentümer der Straße, so betonte Birgit Tupat, wisse sehr wohl um den Zustand der Klingestraße. Ein Gespräch mit Christian Auer sei „relativ angespannt“ gewesen. „Er hat angeboten, dass die Gemeinde die Straße erwirbt. Das musste ich in diesem Sanierungszustand ablehnen“, so die Bürgermeisterin. Und: „Die Klingestraße ist nie gewidmet worden, ist eine Privatstraße und der Eigentümer steht im Grundbuch. Da können noch so viele Verkehrsschilder stehen. Das sagt nichts über den rechtlichen Zustand der Straße aus. Dort ist der Eigentümer zuständig und wir können nur bei Gefahr im Verzug tätig werden.“

Monatelang sei man hinter dem Eigentümer hergelaufen. „Aber die Gemeinde kann von sich aus dort nicht tätig werden. Das ist Fakt.“ Die Anwohner argumentieren mit den drohenden Gefahren: Man könne die Versorgungsleitungen sehen und müsse Angst haben, dass die Straße einbreche und eine Gasleitung getroffen werde. „Es geht um die Sicherheit der Anwohner. Muss denn erst etwas passieren?“

Zudem gibt es noch andere Probleme. Ein Anwohner betreibt seine Heizung mit Flüssiggas. Der Tankwagen darf nicht in die Straße fahren. „Ich kann meinen Tank nicht auffüllen. Und wenn wir einen strengen Winter bekommen, dann kann ich nicht mehr heizen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als an das Netz anzuschließen – mit Kosten von 5000 Euro. Ich hätte mir schon gewünscht, dass etwas mehr für die Bürger getan würde.“

„Wir haben hier eine sehr unglückliche Situation“, brachte es Gerd Schröder (SPD) als Ausschussvorsitzender auf den Punkt. „Wir müssen diese Kuh mal vom Eis kriegen.“ Die Bezirksregierung soll eingeschaltet werden, ebenso die untere Wasserbehörde. Ob damit der Druck auf den Eigentümer erhöht werden kann?

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