"Es ist fast zu schön, um wahr zu sein"

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"Danke für jede Spende"

Nachrodt-Wiblingwerde -  30,23 Euro – das ist der aktuelle Spendenstand. Morgen könnte es doppelt so viel sein. Oder dreifach? Mit einer ganz ungewöhnlichen Idee versucht die ev. reformierte Kirchengemeinde Wiblingwerde Geld zu sammeln, damit die Trägerschaft des Kindergartens in ihren Händen bleiben kann. Sie hat sich beim Bildungsspender angemeldet. Das ist eine Online-Spendenprojektseite, die augenscheinlich überhaupt keinen Haken hat.

 „Ich kannte das auch nicht“, sagt Pfarrerin Dr. Tabea Esch. „Das war eine Idee aus der Arbeitsgruppe“, freut sie sich über die Möglichkeit, Menschen auch über diese ganz neue Art anzusprechen. Das Prinzip ist, dass Online-Händler Provisionen an jene zahlen, die ihnen Kunden bringen. In diesem Fall dem Bildungsspender. Bei einem Einkauf bei mehr als 1500 Partner-Shops gibt es eine Spende für den Kindergarten – oder für ein anderes Projekt.

7038 Projektgruppen sind angemeldet. Der Einkäufer selbst zahlt nichts. Wer online einkauft, muss für eine Spende ins Höhendorf unter bildungsspender.de/wib-kids gehen und von dort aus seinen Einkauf fortsetzen. Aber um es vorweg zu sagen: Amazon ist nicht mehr dabei. Das Unternehmen hat seine Unterstützung beendet. Und auch Zalando hat sich verabschiedet – sehr zum Leidwesen der Macher von Bildungsspender. Dafür sind aber beispielsweise Ebay oder Otto dabei – oder auch Lufthansa und Jako-o, mytoys oder expedia.de. Üblich sind Provisionen zwischen zwei und zehn Prozent des Kaufpreises. 90 Prozent davon erhält eine vom Kunden vorab bestimmte Einrichtung, also beispielsweise die evangelische Kita, die restlichen zehn Prozent die gemeinnützige Gesellschaft Bildungsspender, die damit ihre laufenden Kosten etwa für Gehalt, IT-Kapazitäten und Buchhaltung deckt.

 „Es ist ja fast zu schön, um wahr zu sein. Aber alles ist wasserdicht“, sagt Gemeindesekretärin Wibke Nöhring. Sie freut sich, dass das Prinzip „einmal einkaufen, doppelt schenken“ so einfach und unkompliziert ist und dass sich auch niemand für die gute Sache irgendwo registrieren muss. „Sie können helfen, dass sich weder für die Kinder noch für die ev.-ref. Kirchengemeinde Wiblingwerde irgendetwas ändern muss. Damit dies gelingt, muss die Kirchengemeinde Wiblingwerde derzeit einen Trägeranteil in Höhe von 18000 Euro jährlich, Tendenz steigend, tragen. Dies ist aufgrund von rückläufigen Gemeindegliedern und der damit verbundenen und fehlenden Kirchensteuerzuwendungen leider nicht mehr möglich. Anträge auf Zuwendungen durch die Kommune bzw. des Kreisjugendamtes wurden abgelehnt. Dies hat uns dazu veranlasst, einen Spendenaufruf direkt an die Bevölkerung zu richten“, heißt es in der Projektbeschreibung online unter bildungsspender.de/wib-kids.

Die aktuellen 30,23 Euro bewertet Wibke Nöhring als guten Start. „Dafür, dass es noch nicht publik ist, läuft es gut an.“ Die Auszahlung der Spendensummen erfolgt bis zu elf Mal im Jahr – und „immer, wenn 200 Euro zusammengekommen sind“, sagt Wibke Nöhring. Auch Pfarrerin Tabea Esch ist guter Dinge, dass sich die Aktion rund um den Bildungsspender herumsprechen wird.

Aber die ev.-reformierte Kirchengemeinde setzt nicht nur auf online-Shopping. Im Gegenteil. „Es gibt viele gute Ideen und man sieht, dass das Thema die Menschen in der Gemeinde beschäftigt“, sagt Tabea Esch. Erst jetzt hat die Frauenhilfe ganz spontan 270 Euro gespendet. Und: Es gibt auch eine Haussammlung. Seit Frühjahr 2016 ist die Problematik allgemein bekannt: Der Haushaltsplan der Kirchengemeinde geht nicht mehr voll auf. Jene 18000 Euro, die darin fehlen, entsprechen ziemlich genau dem Trägeranteil für den Kindergarten. Während genau diese Assoziation zu der Einrichtung für Verärgerung und Verwirrung gesorgt hatte, setzt das Wib-Kids-Team nun genau auf die Kinder.

Schon bei der ersten Informationsveranstaltung zur Finanzsituation der Gemeinde war die Idee der 300 Gönner angekommen: Finden sich 300 Personen, die monatlich fünf Euro spenden, wäre das Defizit vom Tisch. Jene potenziellen Spender will das Wib-Kids-Team finden – und macht sich auf, um im Höhendorf die Menschen von der Idee zu überzeugen. Im Gepäck haben sie einen Flyer, der die Situation der Gemeinde erläutert. Darin enthalten ist auch das Versprechen von Joachim Steuer, dem geschäftsführenden Direktor des Kirchenkreises: Er hatte bei seinem Besuch in Wiblingwerde im Mai versprochen: Jeder Euro, den die Wiblingwerder Gemeinde aus eigener Kraft zum Erhalt ihrer Strukturen aufbringen kann, wird vom Kirchenkreis verdoppelt.

Übrigens: Extra für den Trägeranteil des Kindergartens wurde ein zweckgebundenes Spendenkonto eingerichtet, dem alle Spenden, die eingehen, zugeführt werden. Selbstverständlich wird auch der Erlös des Bildungsspenders dort hineinfließen.

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