Gaumen- und Augenschmaus in einem alten Wohnwagen

+
Am Anfang war eine leere Aluminiumhülle: Der Airstream kurz nach dem Beginn der Umbauarbeiten, die den 40 Jahre alten Wohnwagen in ein Gastronomiemobil der Extraklasse verwandelten. Fotos: privat

Nachrodt-Wiblingwerde - „Wir kochen gerne und haben gerne Gäste“, sagen Kerstin und Holger Hill aus Wiblingwerde. Die Art und Weise, wie sie ihre Gäste bewirten können, fällt allerdings deutlich aus dem Rahmen, den sich Otto-Normal-Verbraucher leistet.

Alles fing damit an, dass sich Sohn Robin vor ein paar Jahren „eine fahrende Pommes-Bude“ wünschte. Der Gedanke, eine rollende Küche anzuschaffen, ließ die Familie fortan nicht mehr los. Vor allem der Junior verfolgte die Idee hartnäckig und stieß durch eine Internet-Recherche auf die Möglichkeit, ausrangierte amerikanische Wohnwagen des Typs Air-stream umbauen zu lassen. „Vier Jahre haben wir überlegt“, beschreibt Vater Holger Hill (47) den langen Prozess der Entscheidungsfindung, bis schließlich in diesem Frühsommer feststand: Es wird ein Airstream angeschafft.

Hier klicken für Fotos des Wagens

Bei einem Anbieter in Hamburg suchten sich die Hills ein Modell aus. Zunächst war das nicht mehr als eine Hülle aus Aluminium: Der ursprüngliche Wohnwagen, 40 Jahre alt, aus den Staaten war vollkommen entkernt. Für die Hills war das jedoch ein Rohdiamant, der noch den richtigen Schliff erhalten sollte. Ein Blick auf den Tag der der Erstzulassung beseitigte letzte Zweifel: 18. März – das Geburtsdatum von Holger Hill. „Das war wie ein Zeichen“, schmunzelt Ehefrau Kerstin. Das Datum sollte noch eine wichtige Rolle spielen.

In Hamburg ließen die Hills den knapp zehn Meter langen Caravan-Oldtimer zu einem Gastronomiewagen der Extraklasse umbauen. In die auf Hochglanz polierte Außenhaut wurden zwei Öffnungen geschnitten, die durch Klappen verschlossen werden können. Innen wurden Unterbaukühltische, ein Unterbautiefkühlschrank, eine gasbetriebene Doppelfritteuse, eine Gas-Grillplatte, ein Gas-Lavasteingrill und ein Zwei-Flammen-Gasherd sowie ein Kombi-Dämpfer und eine Dunstabzugshaube eingebaut.

Ein Gastronomiewagen mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten

Der ganze Wagen erhielt ein neues 400-Volt-Stromnetz. „Da sind mehr als 500 Meter Kabel eingebaut worden“, berichtet Holger Hill. Der Innenraum wurde durch Arbeitsplatten und eine Zwischenwand in Holzoptik aufgeteilt, so dass ein Küchenbereich und eine Cocktailbar entstanden. Ein Soundsystem mit 200-Watt-Endstufe und ein Videosystem mit 47-Zoll-Bildschirm komplettieren die mit edlen Details versehene Innenausstattung des Luxus-Airstreams.

Edle Materialien und hochwertige Geräte – hier können Kerstin und Holger Hill ihre Kochleidenschaft ausleben und nicht nur den Gaumen, sondern auch die Augen ihrer Gäste verwöhnen. Fotos: privat

Auf eine hochwertige, moderne Ausstattung in diesem Umfang legten Kerstin und Holger Hill großen Wert, denn ihnen schwebte ein Gastronomiewagen vor, der äußerst variabel sein sollte. Die beiden völlig voneinander getrennten Bereiche sollten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten eröffnen – vom Sektempfang bis zum Gala-Dinner.

Für eine ausschließlich private Nutzung wäre ein Gastronomiewagen mit dieser Ausstattung selbst bei gehobenen Ansprüchen wohl etwas übertrieben. Aber Holger und Kerstin Hill, die eigentlich einen Speditionsbetrieb führen und die Gastronomie eher als Hobby betrachten, wollen ihr neues Schmuckstück ja auch vermieten. 200 bis 300 Gäste könnten sie mit diesem Wagen bewirten, versichern sie. Doch auch exklusive Veranstaltungen für einen kleinen Kreis seien denkbar. Die Besitzer können den Wagen selbst bewirtschaften und Gäste mit ihren eigenen Kochkünsten verwöhnen, aber auch ein Rundum-Sorglos-Paket mit Bestuhlung, Service-Personal und Profi-Koch schnüren. Man kann es sich denken: Ganz billig ist all das nicht zu haben. Einen kleinen vierstelligen Betrag muss man schon mindestens auf den Tisch legen, will man seinen Gästen dieses besondere Gastronomieerlebnis gönnen. Seine Premiere hatte der Airstreamer am vergangenen Wochenende übrigens bei einer privaten Feier in Brenscheid.

Auf der Suche nach einem Namen für das exklusive Gefährt mussten Kerstin und Holger Hill übrigens nicht lange überlegen. Der Tag der Erstzulassung – 18. März – und der Familienname der Besitzer wurden kombiniert zu „Hills 1803“. Dieser Schriftzug ziert nun die spiegelnde Hülle des wohl ungewöhnlichsten Wohnwagens der Region.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare