LRFV Haste plant Voltigier-Projekt mit Flüchtlingskindern

Die Trainerinnen Lina Hillebrand (r) und Lydia Machelett wollen mit Flüchtlingskindern genauso Voltigieren üben wie hier mit der neunjährigen Lelia Moeser, die auf dem Rücken des Voltigierpferdes Welten kniet. Foto: Griese

Nachrodt-Wiblingwerde - Auf der Flucht vor Kriegen, Gewalt, Verfolgung oder Hunger kommen immer mehr Menschen auch in die Doppelgemeinde. Diese Flüchtlinge leben in einer Notsituation – sie benötigen Solidarität und Unterstützung. Die will ihnen der Ländliche Reit- und Fahrverein (LRFV) Haste jetzt geben.

„Wir haben überlegt, ob wir Flüchtlingskindern nicht mit Sportangeboten helfen können, sozialen Anschluss zu finden und vielleicht vorhandene traumatische Erfahrungen zu überwinden“, berichtet Lydia Machelett, Voltigiertrainerin beim LRFV, wie die Idee entstanden ist. Gerade der Voltigiersport ist ihrer Ansicht nach dafür gut geeignet: „Pferde reagieren vor allem auf Körpersprache, es gibt also keine Sprachbarriere. Und das Voltigieren kann den Kindern verlorenes Vertrauen zurückgeben. Es kann die Motorik, aber auch die Sprache und die soziale Integration fördern“. Mit einem Kennenlerntag am 6. September wollen die Reiter vom Hof Pühl in Haste die Flüchtlingskinder im Alter zwischen vier und zehn Jahren auf diese Möglichkeiten aufmerksam machen.

Allerdings waren zunächst noch viele Fragen zu klären: Wie kann überhaupt der Kontakt zu den Flüchtlingsfamilien hergestellt werden? Woher kann die Ausrüstung für die Kinder beschafft werden? Wie sind die Kinder versichert, wenn ihnen beim Sport etwas zustößt? „In nicht einmal zwei Wochen war aber alles geklärt“, berichtete LRFV-Kassiererin Elke Schwarz. Mit Hilfe des Pferdesportverbands Westfalen wurden Versicherungsfragen geregelt, die Gemeinde stellte den Kontakt zu den Flüchtlingen her und Hotelier Thomas Holzrichter stellte finanzielle Unterstützung in Aussicht, um für die Kinder Reitkleidung und Stiefel anschaffen zu können.

Weil in der Doppelgemeinde derzeit nur fünf Kinder im passenden Alter leben, weitere der LRFV Haste sein Angebot auch auf umliegende Kommunen aus. „Schalksmühle hat bereits Interesse signalisiert, aus Altena haben wir noch keine Antwort“, berichtete Lydia Machelett, die das Projekt maßgeblich initiiert hat. „Übrigens ist jedes Flüchtlingskind willkommen – ganz egal, ob die Familie ein Bleiberecht hat oder nicht!“

Der Angebot für die Flüchtlingskinder sei nicht darauf ausgerichtet, die jungen Migranten dauerhaft an den Verein zu binden, versichert Lydia Machelett. Da sei schon allein wegen des oftmals unsicheren Status der Familien gar nicht möglich. „Trotzdem wollen wir nachhaltig helfen, indem wir ein fortlaufendes Angebot machen. Das Voltigiertraining soll einmal wöchentlich stattfinden“, erklärt Machelett, die sich zusammen mit der ausgebildeten Erzieherin Lina Hillebrand der Flüchtlingskinder annehmen will. Auch andere Vereinsmitglieder helfen im Hintergrund mit. Noch nicht gut gelöst ist nur der Transport der Kinder. „Der Fahrdienst gestaltet sich noch etwas schwierig, da könnten wir noch Freiwillige gebrauchen, die die Kinder einmal wöchentlich fahren“, sagt Lydia Machelett. Wer helfen will, erreicht sie unter Tel. 0 171/8 59 40 32.

Und auf noch einen Aspekt dieses Projektes weist Lydia Machelett hin. „Zu uns kommen viele Kinder aus Wiblingwerde, die noch kaum Kontakt zu ausländischen Kindern hatten. Für die kann die Begegnung mit den Flüchtlingskindern auch eine ganz neue Erfahrung sein.“ So kann der Sport also zum verbindenden Glied zwischen Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Kulturen werden.

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