Nach Hitlergruß zu Haftstrafe verurteilt

Nachrodt-Wiblingwerde - Es war ein relativ schwieriger Fall, der jetzt vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Altena auftauchte. Zum ersten Verhandlungstermin war der Nachrodter nicht erschienen, was einen Haftbefehl zur Folge hatte. Die Polizei fahndete erfolgreich, und so verbrachte der 18-Jährige die 16 Tage vor dem Gerichtstermin in Untersuchungshaft.

Anlass für das Strafverfahren war extrem schlechtes Benehmen im Beisein von Polizeibeamten. Weil der junge Mann am Abend des 30. Juli mit 2,2 Promille im Blut in Nachrodt randaliert hatte, hatten Polizeibeamte ihn zur Wache in Altena mitgenommen. Dort belegte der 18-Jährige die Beamten gegen 3.15 Uhr mit Beleidigungen, von denen die „freundlichste“ von einem Tier ausgegangen war, das aufgrund der unmöglichen Kreuzung zweier sehr unterschiedlicher Gattungen nur im Reich gemeiner Fabeln existiert.

Weitere Straftaten kamen hinzu: Eine geprellte Zeche und ein Diebstahl in Iserlohn sowie das, was das Strafgesetzbuch als „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ unter Strafe stellt: Der Angeklagte hatte am 4. September mitten in Iserlohn „Sieg Heil!“ und „Heil Hitler!“ gegrölt. 

„Sachen, bei denen man sich an den Kopf fasst“, wie es Rechtsanwältin Andrea Selheim formulierte. „Ich hoffe, dass der Alkohol Vater des Gedankens war.“

Auch die Staatsanwältin gab sich ratlos: „Man fragt sich, wie man den Angeklagten überhaupt noch beeindrucken kann.“ Denn erst am 15. Januar war er noch als 17-Jähriger zu einem vierwöchigen Dauerarrest verurteilt worden, weil er sexuelle Kontakte zu einer 13-Jährigen gehabt hatte. Der anschließende Gefängnisaufenthalt hatte ihn offenbar nicht zur Vernunft gebracht, wie wiederholt festgestellt wurde. Nur kurz danach folgten neue Straftaten.

„Du beschäftigst uns schon seit mehreren Jahren“, hielt Richter Dirk Reckschmidt dem Angeklagten vor und verkündete das Urteil: Zweimal Beleidigung, Betrug, Diebstahl und Hitler-Gruß ergaben ein Jahr Einheitsjugendstrafe. Bewährung gebe es nur, weil „jeder seine Chance haben soll“, erklärte der Richter. Denn zu einer längeren Jugendstrafe war der renitente Delinquent bisher noch nicht verurteilt worden.

Der sicherte zu, sich um sein Alkohol-Problem kümmern zu wollen und schob die Schuld an seinem Elend weiter: „Ich lasse mich zu lange runterziehen von Anderen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare