Mit islamischem Religionsunterricht Schranken abbauen

Islamischer Religionsunterricht an der Sekundarschule

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Sekundarschulleiterin Anne Rohde (links) mit Arife Ugur, die islamischen Religionsunterricht gibt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Mehrere Gewalttaten haben Deutschland erschüttert. Der Islamwissenschaftler Michael Kiefer und der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick fordern vor allem mehr Präventionsarbeit an Schulen. Vertreter der Kommunen wünschen sich die allgemeine Einführung von Islamunterricht. Denn er könne dabei helfen, eine Radikalisierung junger Muslime zu verhindern. 

Den Unterricht gibt es bereits an der Sekundarschule Altena/Nachrodt-Wiblingwerde. Lehrerin für islamischen Religionsunterricht ist dort Arife Ugur. Das AK sprach mit ihr über ihre Arbeit.

„Die Kinder und Jugendlichen, die ich unterrichte, distanzieren sich von den Islamisten. Wir thematisieren, dass es falsch ist, was passiert, und dass diese Terroristen den Islam falsch verbreiten. Terror hat nichts mit dem Islam zu tun. Das besprechen wir in den höheren Klassen“, sagt die 33-Jährige. 

Bei den Kleineren gehe es im Unterricht eher darum, ihnen die Religion näher zu bringen und die Bausteine des Islams zu besprechen: das Glaubensbekenntnis, die Pilgerfahrt, der Ramadan. „Die Kinder wollten auch mit mir Fastenbrechen, aber das war ja kurz vor 22 Uhr. Ich habe ihnen vermittelt, dass sie nicht fasten müssen, dass sie in der Schule sind und dass der Unterricht vor geht.“ 

Schwierig in zwei Kulturen aufzuwachsen

Alle Kinder, von der fünften bis achten Klasse, bekommen jeweils eine Doppelstunde islamischen Religionsunterricht in der Woche. Und das sei wichtig. Es sei nämlich schwierig, in zwei Kulturen aufzuwachsen. Obwohl die vierte Generation in Deutschland lebe, gebe es trotzdem eine Parallelwelt. Im islamischen Religionsunterricht gehe es aber nicht um die türkische Kultur, sondern um die Religion – „es sind ja auch albanische, arabische, tunesische oder serbische Kinder dabei. Deshalb behandeln wir nur den Islam“, sagt Arife Ugur. 

Und: Sie redet Deutsch mit den Schülern und Schülerinnen. „Alles ist auf Deutsch, auch das Glaubensbekenntnis. Das ist vom Ursprung arabisch, aber wir haben die deutsche Bedeutung dahinter.“ Arife Ugur möchte den Schülern vieles vermitteln – zum Beispiel auch, dass sie auch in der Kirche beten können – „dann auf ihre Weise. Einige Kinder denken, dass sie nicht in eine Kirche gehen können. Aber das stimmt ja nicht. Es ist nur ein anderer Gottesdienst. Das verstehen sie. 

Deswegen legen wir auch viel Wert darauf, dass wir beim Einschulungsgottesdienst den Iman haben und ebenso den evangelischen und katholischen Pastor.“ Dass der Iman meistens kein Deutsch spreche, liege daran, dass er aus der Türkei geschickt werde. 

Es geht um die Gemeinsamkeiten der Religionen

Für Arife Ugur geht es darum, Schranken abzubauen. Zu Hause lebe jeder seine Kultur. Die Schule habe mit dem Religionsunterricht die Möglichkeit, positiven Einfluss zu nehmen. Gerade in der heutigen Zeit, in der es immer mehr Sorgen vor Islamisten gebe, gehe es nicht um die Unterschiedlichkeiten, sonder um die Gemeinsamkeiten. „Judentum, Christentum, Islam: Alle haben die gleichen Wurzen. Und haben den Friedensauftrag.“ 

Arife Ugur ist selbst Nachrodterin und hat zwei Söhne, fünf und zwei Jahre alt. Sie findet, dass die Kinder erst die Muttersprache erlernen sollten und dass sie dann gut die zweite Sprache erlernen könnten. „Je mehr wir einander akzeptieren und aufeinander zugehen, umso weniger Probleme gibt es. Die Notwendigkeit der Abgrenzung verschwindet durch die Wertschätzung.“ An der Sekundarschule möchte man Verständnis für die Verschiedenartigkeit wecken. 

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