Täglich 27.000 Liter Milch aus Wiblingwerde

Landwirt Martin Hohage versorgt täglich mehr als 120 Milchkühe. Foto: Machelett

Nachrodt-Wiblingwerde - Der Tag von Martin Hohage beginnt früh. Bereits um kurz vor 6 Uhr ist er auf den Beinen. Kühe und Kälber füttern steht auf dem Programm. Anschließend geht es für mindestens zwei Stunden in den Melkstand. Seine knapp 130 Milchkühe warten bereits auf ihn. Hohage ist Milchbauer aus Leidenschaft.

Gelassen trotten die Kühe in den Melkstand. Alltag für sie. Die Euter sind prall gefüllt. Bis zu 30 Liter gibt eine gute Milchkuh am Tag. Schnell finden die Tiere ihren Platz. Bis zu zehn Kühe werden gleichzeitig gemolken. Doch als erstes gibt es Kraftfutter. Während die Tiere fressen, werden die Euter mit einem Schlauch gereinigt. Anschließend wird mit einem geschulten Blick die Euter- und Zitzengesundheit überprüft. Es folgt ein kurzes Anmelken mit der Hand und das Desinfizieren, erst dann wird das Melkzeug angelegt.

Längst ist von Bauernhofromantik auf den Höfen rund um Wiblingwerde nichts mehr zu spüren. Der Melkstand gleicht mit seinen zahlreichen Messgeräten, Schläuchen und Rohren einem Industriebetrieb. Und Martin Hohage will schon bald weter modernisieren. Zwar werden dann auf dem Hohenhagen immer noch keine Roboter zum Einsatz kommen, aber Technik, die Nummern an den Halsbändern der Tiere ausliest, Daten wie Milchmenge, Krankheiten und Futterportionierung speichert. Doch obwohl immer mehr Technik in den Ställen Einzug hält, steht bei Hohage das Tier immer noch im Mittelpunkt. „Ich erkenne vermutlich jedes meiner Tiere am Euter. Schließlich stehe ich zweimal täglich unter der Kuh zum Melken“, scherzt der Landwirt.

„Die Ansprüche an die Qualität der Milch sind extrem hoch. Und eine Kuh kann nur dann gute Milch geben, wenn sie gesund ist und richtig gefüttert wird“, erklärt Hohage. Die Fütterung einer Milchkuh ist eine Wissenschaft für sich. „In erster Linie muss das Grundfutter stimmen“, erklärt Hohage. Im Sommer dürfen seine Tiere auf die Weiden. Zur Melkzeit am Abend geht es zurück in den Stall. „Milchbauer sein, das ist mehr als ein Acht-Stunden-Job“, erklärt Hohage. Sieben Stunden verbringt er mit seiner Familie allein damit, die Tiere zu melken und zu füttern. „Und dann kommt ja noch die ganze Arbeit drumherum. 15-Stunden-Tage sind völlig normal.“

So geht es nicht nur ihm, sondern auch seinen Kollegen. Allein in und um Wiblingwerde werden täglich rund 27 000 Liter Milch produziert. Die Milch aus dem Höhendorf wird alle zwei Tage abgeholt und nach Erftstadt zur Molkerei Hochwald geliefert. Schon bei der Abholung wird die Qualität beurteilt. Je höher der Eiweiß- und Fettgehalt, desto besser. „Der Milchpreis ist und bleibt der Dreh- und Angelpunkt“, sagt Hohage. Derzeit sei er eher schlecht und liege bei 28,5 Cent pro Liter. „Im Vergleich zum Vorjahr fehlen unserem Betrieb monatlich rund 10 000 Euro“, macht er die Abhängigkeit deutlich. Viel tiefer dürfe der Preis nicht mehr fallen. Dabei sei Milch eigentlich ein knappes Gut. „Negativ zu spüren bekommen wir die Russland-Krise. Die erlassenen Sanktionen treffen auch uns. Und so wie es aussieht, wird der Exportstopp wohl auch noch eine Weile andauern“, erklärt er.

Umso mehr wünsche er sich, dass die Kunden Milchprodukte bewusster einkaufen, um die Preise stabil zu halten.

Stichwort: Tag der Milch

Am 1. Juni wird der internationale Tag der Milch gefeiert. Ins Leben gerufen haben ihn die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Internationale Milchwirtschaftsverband (IDF). Der Tag wird in Deutschland in erster Linie von milchwirtschaftlichen Betrieben genutzt, um Verbraucher zu informieren und für den Konsum von Milch zu werben. In Deutschland sichern etwa 75.000 Milchbauern und rund 150 Molkereien die Versorgung der Bevölkerung mit Milch und Milchprodukten. Täglich werden in Deutschland rund 85 Millionen Liter Milch erzeugt und verarbeitet.

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