Entschieden ist noch nichts

Viele Besucher kannten die ganz konkreten Pläne noch gar nicht und es gab jede Menge Rede- und Erklärungsbedarf.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wer lautstarken Protest der Wiblingwerder oder heftige Diskussionen erwartete, wurde sicherlich enttäuscht. Die Informationsveranstaltung zum geplanten Bau einer neuen, größeren Hochspannungsleitung war von großer Sachlichkeit geprägt.

Viele hatten sich das wohl anders vorgestellt, eine Präsentation und eine Diskussionsrunde erwartet. In der Wiblingwerder Turnhalle stellte das Unternehmen Amprion am Donnerstag an verschiedenen Stationen, Karten und Informationsständen anschaulich die Pläne zum geplanten Ausbau der Stromtrasse zwischen Iserlohn und Attendorn vor.

Wie mehrfach berichtet, soll durch den Ausbau eine Erhöhung von einer Spannung von 220 Kilovolt auf 380 Kilovolt erfolgen. Das bedeutet mehr Leitungen an größeren Masten, die zum Teil mehr als doppelt so hoch sind wie die bisherigen. Damit soll laut Unternehmen langfristig unter anderem die Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Für den Ausbau gibt es derzeit zwei Varianten: Eine wäre die bestehende Trasse ab und größer wieder aufzubauen, eine andere wäre ein Neubau über den Hallenscheid. Die Leitung, die derzeit über das Neubaugebiet Niggenhuser Hof führt, würde dann abgebaut. Vor allem die Bewohner des Neubaugebietes waren daher gekommen, denn sie haben große Angst, dass die neue Leitung künftig über ihre Köpfe führt.

Die Mitarbeiter von Amprion betonten am Nachmittag immer wieder, dass das Verfahren derzeit noch völlig offen sei. Für das Unternehmen seien beide Varianten absolut machbar. Derzeit würden Gespräche mit den Grundstückseigentümern und den Trägern öffentlicher Belange geführt. Dazu zählen unter anderem die Untere Landschaftsbehörde, die Kommune oder Wald und Holz NRW.

Zahlreiche Amprion-Mitarbeiter kümmerten sich um die Interessierten. Zur Hauptzeit waren es wohl mehr als 200 Anwohner und Grundstückseigentümer, die gekommen waren. Was auffiel: Viele kannten die ganz konkreten Pläne noch gar nicht und es gab jede Menge Rede- und Erklärungsbedarf.

„Rat und Verwaltung haben sich bereits 2011 für die Variante über den Hallenscheid ausgesprochen. Das wird auch so bleiben“, betonte Bürgermeisterin Birgit Tupat. Förster Christof Schäfer von Wald und Holz NRW hat derweil keine klare Meinung: „Wir verhalten uns in diesem Verfahren neutral. Fakt ist, dass es an einigen Stellen große Eingriffe geben muss.“ Aufgrund der größeren Masten muss nämlich auch die Schutzzone erweitert werden. Insbesondere, wenn die Leitung nicht über das Wohngebiet, sondern über den Hallenscheid führt. Allerdings soll es dafür auch Ausgleichspflanzungen geben.

Etwa 15 Hektar Wald würden dennoch verschwinden. „Es sind massive Eingriffe erforderlich, egal bei welcher Variante. Wir müssen bedenken, dass es dadurch zu Folgeschäden bei Sturm kommen wird, denn bisher schützen die Bäume am Waldrand die Bestände“, sagt Schäfer. Dennoch zeigte er sich offen für die Thematik, es gelte schließlich eine vernünftige Lösung zu finden. Der Förster ist da zuversichtlich.

Vor allem für die Anwohner war es eine gelungene Veranstaltung, die Sorgen und Ängste wurden ernst genommen und auch wenn hier und da heftiger diskutiert wurde, sind doch viele Fragezeichen verschwunden. Die Erkenntnis des Tages: Entschieden ist noch lange nichts.

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