Grundschüler besuchen Moschee in Nachrodt

Interessiert stellten die Grundschüler aus Nachrodt und Wiblingwerde Fragen an den Imam. Foto: Fischer-Bolz

Nachrodt-Wiblingwerde - Einmal in seinem Leben darf ein Imam ins Ausland. Für fünf Jahre. In Nachrodt lebt und arbeitet Mehmet Emin Cavdar, der in dieser Woche ganz besonderen Besuch in der kleinen Moschee begrüßt. Mädchen und Jungen aus allen Klassen der Grundschulen Nachrodt und Wiblingwerde kommen, staunen, fragen und sind willkommen.

„Mein Ziel ist, für mehr Toleranz zu werben“, sagt Veysel Gümüs, der den Kontakt vermittelt hat. Der Vater einer kleinen Tochter, die die erste Grundschulklasse besucht, ist zum Elternvertreter gewählt worden und möchte seine Funktion nutzen, um mit Hilfe von neuen Aktionen für ein größeres Miteinander und mehr Verständnis füreinander zu sorgen.

Dabei soll es aber nicht nur darum gehen, den Kindern etwas über den Islam zu erzählen, sondern auch – zu einem späteren Zeitpunkt – muslimischen Kindern den christlichen Glauben näher zu bringen und ihnen Besuche in einer Kirche zu ermöglichen.

Der Islam bedeutet „Unversehrtheit“ oder „Frieden“. Die Gläubigen des Islam heißen Muslime. Sie glauben an einen einzigen Gott, der auf Arabisch Allah heißt. Die Botschaft von Allah ist der Koran. Das wichtigste Ziel der Muslime ist es, die religiösen Gebote gut zu beachten.

Die Muslime besuchen keine Kirche, sondern eine Moschee. „Warum muss man sich die Schuhe ausziehen?“ und „Was steht auf der Uhr?“ wollten die Wiblingwerder Kinder wissen, die unbefangen und neugierig den für sie ungewöhnlichen Ort erkundeten. Und so erfuhren sie, dass man „sauber und rein die Moschee besuchen sollte“, und dass sich die meisten Gläubigen auch saubere Strümpfe anziehen, wenn sie zum Gebet kommen.

Auch, warum Frauen und Männer an unterschiedlichen Orten beten – in Nachrodt sind die Frauen in den unteren Räumen – erklärte der Iman. Beim Beten würden sich die Gläubigen auch nach vorne beugen – „für die Frauen wäre das dann mit Männern nicht passend.“

Veysel Gümüs übersetzte alles, was der Imam erklärte – und erzählte auch von den Gemeinsamkeiten zwischen den Glaubensrichtungen: „Man soll nicht klauen, niemanden töten. Und auf der Welt in Frieden leben.“

Der Islam zählt 1,6 Milliarden Gläubige und ist damit nach dem Christentum die zweitgrößte Religion weltweit. Der Koran gilt als das Wort Gottes, das der Engel Gabriel dem Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert in arabischer Sprache offenbarte. In der Nachrodter Moschee gibt es eine Art Uhr, auf der jeden Tag eine andere Zeile aus dem Koran gezeigt wird. „Der Vater sagt, du sollst nicht rauchen. Aber selber tut er es. Darum geht es heute. Dass man mit gutem Beispiel vorangehen soll“, erzählt Veysel Gümüs.

Beim Beten nehmen Muslime auch verschiedene Gebetshaltungen ein, die die Kinder ausprobieren durften: Sie stehen, knien und beugen sich so weit nach vorne, dass die Stirn den Boden berührt. Außerdem wenden sich alle Muslime auf der Welt in dieselbe Gebetsrichtung. Sie zeigt nach Mekka. Laut Überlieferung hat Allah die Muslime aufgefordert, in Richtung Mekka zu beten. In Mekka steht die Kaaba, das erste Haus für Allah. Und in Mekka ist auch der Prophet Mohammed geboren.

„Man sollte nie Vorurteile haben, jeder Mensch ist gleich“, gab Veysel Gümüs den Mädchen und Jungen als Botschaft mit nach Hause.

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