Wohnungsverwalter stopft Löcher mit fremdem Geld

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Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen muss sich ein 70-Jähriger Hohenlimburger seit Dienstag wegen Veruntreuung verantworten.

Nachrodt-Wiblingwerde - Mit einem umfassenden Geständnis hat am Dienstag im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 70-Jährigen aus Hohenlimburg begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Wohnungsverwalter Untreue in 111 Fällen vor. Auch in Nachrodt-Wiblingwerde soll er Geld veruntreut haben.

Von Thomas Krumm

Der Angeklagte gab zu, dass er zum Ausgleich finanzieller Engpässe in seinem eigenen Betrieb vielfach Beträge von Instandhaltungskonten der von ihm betreuten Wohnungseigentümergemeinschaften veruntreut habe. Auf diese Weise verschwanden auch Rücklagen zur Instandhaltung des Wohnungsbestandes der Walzwerke Einsal. Außer in Nachrodt-Wiblingwerde wurden zahlreiche Wohnungseigentümergemeinschaften in Iserlohn, Hagen und Herdecke geschädigt. Da viele der vom Angeklagten in den Jahren zwischen 2001 und 2010 veranlassten Buchungen lediglich Scheinbuchungen zur Vertuschung zu niedriger Kontostände waren, kommt noch viel Detailarbeit auf die 1. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zu. Der Schaden dürfte sich irgendwo zwischen den beiden Eckwerten der bisherigen Schätzungen bewegen: Sie liegen bei 550 000 und 839 000 Euro. Dennoch hat der 70-Jährige gute Chancen, den Gerichtssaal nach den geplanten neun Verhandlungstagen als freier Mann zu verlassen: Nach einer verfahrensverkürzenden Absprache zwischen den Verfahrensbeteiligten stellte die Kammer dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe in Aussicht.

Am ersten Verhandlungstag erläuterte der 70-Jährige ausführlich sein Vorgehen als Treuhänder vieler Konten: Auf der Grundlage fingierter Handwerkerrechnungen leitete er immer wieder Beträge unterschiedlicher Höhe von den Konten der Eigentümergemeinschaften auf sein eigenes Geschäftskonto. „Nur Instandhaltungskonten geben solche Summen her“, erklärte er das Objekt der Begierde. Verwaltungsbeiräte, die den Verwalter eigentlich kontrollieren sollen, blieben ahnungslos und ließen sich bei Unstimmigkeiten von den Erklärungen des Angeklagten beschwichtigen: „Keiner von denen hat mir so etwas zugetraut“, schilderte der Angeklagte das von ihm missbrauchte Vertrauensverhältnis. Eigentlich habe er immer einen Ausweg gesucht, um aus den Veruntreuungen heimliche Anleihen werden zu lassen, doch dafür waren die ausstehenden Summen irgendwann zu hoch: „Ich habe das Ende nicht gefunden.“

Das fand schließlich aber das Finanzamt: Bei einer Betriebsprüfung gab der Angeklagte zu, dass viele seiner angeblichen Einnahmen aus Veruntreuungen stammten. Weil er diese dennoch ordentlich versteuert hatte, zahlte er im Laufe der Jahre sogar erheblich mehr Steuern, als er auf der Grundlage sauberer Zahlen hätte zahlen müssen. Die finanzielle Notlage wurde dadurch weiter verschärft. „Irgendwann gab es keine realistische Möglichkeit zur Rückzahlung mehr“, erkannte der Angeklagte. Stattdessen gab es aber einige Ideen, mit denen der untreue Verwalter versuchte, die Verluste auszugleichen. Doch letztlich blieb nur die Erkenntnis, dass die Verbindlichkeiten nur noch „durch einen Lottogewinn“ zu begleichen gewesen wären.

Der Prozess wird am Montag, 27. April, ab 9.30 Uhr fortgesetzt.

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