Eine Trasse, zwei Varianten und Irritationen

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Claas Hammes und Björn Kröger von der Firma Amprion (hinten v.l.) im Bauausschuss.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Und plötzlich gingen die Lichter aus. Dass der kurze Stromausfall während des Vortrags von Claas Hammes und Björn Kröger von der Firma Amprion natürlich rein gar nichts mit der Höchstspannungsfreileitung in Nachrodt-Wiblingwerde zu tun hatte, versteht sich von selbst. Dennoch stand er irgendwie für die Atmosphäre im Planungs- und Bauausschuss.

 „Langfristig machen Sie den Erholungsort kaputt. Die Gemeinde hat extra ein Baugebiet ausgewiesen, damit Menschen hierher ziehen“, erklärte ein Anwohner, der mit vielen weiteren zur Ausschusssitzung gekommen war.

Grund der Sorge: die neue Höchstspannungsleitung, die in Kruckel bei Dortmund beginnt und zum rheinland-pfälzischen Dauersberg führt. Abschnitt B liegt in Nachrodt-Wiblingwerde. Ein Thema, das bereits vor fünf Jahren schon einmal hochkochte und nun für neuen Zündstoff sorgt. Dabei gibt es nach Ansicht der Nachrodt-Wiblingwerder längst eine Lösung. Die Gemeinde favorisiert die Variante Wiblingwerde-Ost, die den Siedlungsbereich Wiblingwerde weiträumig umgeht und die 2011 in einem Ratsbeschluss bekräftigt wurde.

Nur: Diese Variante fand im Vortrag von Claas Hammes und Björn Kröger eher wenig Beachtung. Oder hatte man die Experten nur falsch verstanden?

Zunächst die Fakten: Die Übertragungskapazität vieler bestehender Leitungen muss gesteigert werden. Dies gilt auch für die Leitung von Dortmund nach Frankfurt. Sie transportiert sowohl Windenergie aus dem Norden als auch konventionelle Energie aus dem östlichen Ruhrgebiet und Westfalen in den Süden.

 Die Trasse soll von der Spannungsebene 220000 Volt auf 380000 Volt ausgebaut werden. Die Gesamtinbetriebnahme ist für 2022 geplant. Der Teilabschnitt B zwischen den Übergabepunkten Ochsenkopf und Attendorn im Kreis Olpe ist 35 Kilometer lang. Dort sollen 109 Masten aufgestellt werden. Masthöhe: 65 Meter. „Aktuell sind wir bei der Bearbeitung der Planung, Mastausteilung und Kartierungsarbeiten. In den nächsten Wochen wollen wir unser Projekt den Bürgern vorstellen“, so Claas Hammes.

Einen konkreten Termin dafür gibt es auch schon: 17. November, 17 bis 20 Uhr in der Turnhalle Wiblingwerde.

„Die Besonderheit in Nachrodt-Wiblingwerde ist, dass wir nicht nur die Möglichkeit haben, auf der Bestandsstrasse die neue Leitung zu errichten, sondern dass es eine Variante gibt. Beide haben den gleichen Planungsstand. Die Bestandsstrasse hat gewisse Vorteile“, erklärte Björn Kröger und verwies auf neue Eigentümer und neue Betroffenheiten, mit denen man sich bei der von der Gemeinde bevorzugten Trasse auseinandersetzen müsse. Zudem seien im bestehenden Trassenraum Waldschneisen vorhanden, die es in der anderen Variante nicht gebe.

„Wir können aber nicht zwei Varianten einreichen, sondern müssen uns vorher entscheiden“, so Björn Kröger. „Wir kennen die Wünsche, aber....“ Genau dieses „Aber“ war es, das die Mitglieder des Bauausschusses als auch die Gäste irritierte, vielleicht sogar erzürnte. Gespräche mit den Eigentümern sind aktuell vorgesehen.

„Der Gesetzgeber sagt, dass wir nach Möglichkeit in der Bestandsstrasse bauen“, machte Claas Hammes zudem noch deutlich. „Jede neue Variante bedeutet, dass man über neue Grundstücke muss. Und das ist immer schwieriger umzusetzen.“

Das Gegenargument der Gemeinde: Bei der Alternativ-Trasse ist nur ein Bruchteil der Bürger betroffen.“ Übrigens: Alle 243 Masten im Abschnitt B werden abgebaut – auch die 33 in Nachrodt. Zukünftig soll es insgesamt 109 geben, davon 24 in der Gemeinde, egal, welche Variante den Vorzug bekommt.

Einen Kostenvergleich der beiden Möglichkeiten hat es bisher noch nicht gegeben. Noch ein Wort zu Erdkabeln, die nicht möglich sind, wie Claas Hammes und Björn Kröger erklärten: „Die Trasse ist eine Wechselstromtrasse. Der Gesetzgeber sieht nur wenige Pilotprojekte dafür vor. Es fehlt die technische Erfahrung zum Wechselstrom, der über lange Strecken erdverkabelt wird.“

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