"Ein einfaches Verbot ist nicht nachhaltig"

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Nachrodt-Wiblingwerde - Eine Tilia cordata, also eine Winterlinde, pflanzten die Kinder der Halveraner Lindenhofschule auf der Blumenwiese am Waldlehrpfad. Gemeinsam mit Karl-Heinz Tacke erkundeten sie das kleine Waldstück zwischen Wiblingwerde und Herlsen. Die kleinen Naturfreunde waren sichtlich überrascht, was es dort alles zu entdecken gibt. Und einen Baum hatten die Kinder auch noch nie zuvor gepflanzt.

 Tacke hatte bereits alles vorbereitet. Das Loch war ausgehoben und die Stützkonstruktion für den neuen Baum errichtet. „Sonst dauert es einfach zu lange. Dann wird den Kindern langweilig“, erklärte Tacke. Außerdem hatten die Schüler schon einen Fußmarsch hinter sich. Sie machen nämlich gerade eine Klassenfahrt und übernachten am Ahorn. „Wichtig ist immer Wasser. Denn Wasser ist Leben“, sagte Tacke und füllte einige Liter in das Loch bevor er den kleinen Baum darauf stellte.

Danach waren die Kinder gefragt. Sie schaufelten mit ihren Händen das Loch wieder zu, traten die Erde fest und legten auch die ausgehobenen Grasstücke wieder an den rechten Platz. Anschließend wurde noch ein Draht um den Baum gelegt. „Sonst kommen die Rehe und fressen die jungen Triebe ab oder die Böcke scheuern sich daran. Dann ginge der Baum kaputt“, erklärt der Wald- und Wildexperte. Anschließend ging es weiter über den Waldlehrpfad. Tacke als erfahrener Wald-Lehrer weiß schnell, wie er die Kinder für seine Arbeit begeistert. „Ich führe so viele Gruppen, da bekommt man ein Gefühl dafür. Diese hier sind schon etwas müde. Das heißt, ich muss jetzt für Spannung sorgen und viel erzählen, um sie aufmerksam zu halten.“

Und so sammelt er mit den Kindern Breitwegerich und Spitzwegerich. „Wenn ihr mal stürzt, macht euch einen Verband aus den breiteren, kleineren Blättern. Das ist der Breitwegerich. Der wirkt desinfizierend und kühlt“, erklärte Tacke den Kindern. Die kleinen langen Blätter des Spitzwegerichs seien zudem gut für Tee. Gerade bei Husten würde der gut helfen. Tacke geht es vor allem darum, Verständnis für das Ökosystem Wald zu schaffen.

„Wenn ihr jetzt eine Chipstüte in den Wald werft, wird sie vielleicht durch den Wind in einen Bach gefegt, von da in einen Fluss und von da aus ins Meer. Im pazifischen Ozean gibt es eine Fläche so groß wie Europa, die voller Müll ist“, so Tacke. Eine Tüte brauche bis zu 400 Jahre um sich zu zersetzen. Die kleinen Plastikpartikel werden von den Fischen gegessen und die wiederum essen die Menschen. „Das ist nicht gesund, wie ihr euch vorstellen könnt.“ Da staunten die Kinder sichtlich. An so etwas hatten sie gar nicht gedacht.

Ein weiteres Schild am Pfad macht deutlich, was noch passieren kann. „Die Tiere im Wald werden auf ihrer Futtersuche von den Gerüchen aus den Verpackungen angelockt. Die einen sterben, weil sie das Plastik fressen, der Magen sich damit füllt und sie keine andere Nahrung mehr auf nehmen können – sie verhungern. Andere stecken ihre Nase rein und verletzen sich an den scharfen Kanten oder ersticken gar in Plastiktüten, weil sie nicht mehr herausfinden. „Die Kinder müssen verstehen, warum sie keinen Müll in die Landschaft werfen dürfen. Dann werden sie es auch nicht tun. Ein einfaches Verbot ist nicht nachhaltig.“

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