Pferde-Therapie für Junge Straftäter

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Guilia Maselli zeigte mit ihrer Stute Suzie, wie man auch ohne Hilfsmittel kommunizieren kann. Die angehende Psychologin ist Horsemanship-Trainerin und arbeitet mit ihren Pferden unter anderem mit jugendlichen Straftätern.

Nachrodt-Wiblingwerde - Darauf muss man erstmal kommen: Mit Pferden arbeiten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse am Menschen anwenden – diese Vorstellung mag vielleicht verwundern, für Giulia Maselli ist sie völlig normal.

Maselli studiert Psychologie, gerade hat sie ihre Bachelor-Arbeit geschrieben. Das an sich ist auch noch nichts Besonderes. Doch mit ihrem Studium ging eine Prüfung zur „Horsemanship-Trainerin“ einher. Nach dieser amerikanischen Methode wird die Kommunikation zwischen Pferd und Mensch auf natürliche Art gefördert. Das vertrauensvolle Miteinander ist gefragt.

Während ihres zweimonatigen Praktikums in einer Jugendvollzugsanstalt fragte sich Maselli, ob die Horsemanship-Methode auch beim Menschen angewendet werden könnte. Sie bot daher an, straffällig gewordenen Jugendlichen mit der Horsemanship-Methode zu helfen.

Menschen mit Methoden für Pferde helfen

Acht Teilnehmer meldeten sich an und warteten darauf, was nun passieren sollte. In der Vorstellung Masellis sollten sich bei den Jugendlichen Aggressionen abbauen und nicht oder nicht mehr vorhandenes Selbstbewusstsein aufbauen.

Die Gruppe traf sich über einen Zeitraum von drei Monaten je einmal pro Woche. Um mit den Jugendlichen arbeiten zu können, bildete die Trainerin zwei Gruppen, die aus jeweils vier Teilnehmern bestanden. Maselli brachte ihre Pferde Nelson und Suzie mit. Sie führte den Jugendlichen vor, wie man – ohne auf Hilfsmittel zurückzugreifen – ein Pferd mit dem eigenen Willen zur Ausführung von Befehlen veranlassen kann.

Vertrauen zu den Pferden Nelson und Suzie aufbauen

Insbesondere die jungen Menschen, deren Selbstbewusstsein gestärkt werden sollte, mussten zunächst einmal Vertrauen zu den Pferden gewinnen, und die Tiere zu den Menschen. „Das ging ganz offenbar schneller, als sie es sich hätten träumen lassen“, resümiert Maselli. Die Jugendlichen, die Aggressionen abbauen lernen sollten, sahen sich zunächst mit der Tatsache konfrontiert, dass die Pferde nur dann Zutrauen zu ihnen gewannen, wenn sie mit Respekt behandelt wurden.

Der kurze Betreuungs-Zeitraum sei nicht ausreichend gewesen, um die Jugendlichen völlig „umzukrempeln“. Aber sie habe festgestellt, dass die Teilnehmer nach Beendigung der Maßnahme „wesentlich lockerer drauf gewesen sind“ als vor deren Beginn. Die Probanten, die bis zu diesem Zeitpunkt erhebliche Selbstzweifel an den Tag gelegt hatten, seien ihre Zukunft nun etwas forscher angegangen.

Bei der zweiten Gruppe habe das aggressive Verhalten deutlich nachgelassen. Maselli verfasste über die von ihr gewonnenen Erfahrungen ihre Bachelor-Arbeit, die große Beachtung fand. Das veranlasste sie dazu, ihr Studium fortzusetzen. „Das dauert jetzt noch rund eineinhalb Jahre“, sagt sie.

Nach ihrem Abschluss soll die Arbeit mit Mensch und Tier die Basis ihrer Arbeit bilden. „In der von mir gewählten Kombination, die auf psychologischer Grundlage beruht, ist das ganz bestimmt eine Herausforderung“, sagt Giulia Maselli.

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