Gemeindesportverband wird nach 50 Jahren aufgelöst

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Jörg Grote (r.) leitete die Mitgliederversammlung, in der die Auflösung des Gemeindesportverbands beschlossen wurde.

Nachrodt-Wiblingwerde - Einen Sportabzeichentag wird es 2015 auf Gemeindegrund nicht geben. Das ist die für alle Bürger spürbarste Konsequenz aus der Auflösung des Gemeindesportverbands, die am Freitagabend in der Lennehalle besiegelt wurde.

Von Ina Hornemann

Die 14 anwesenden und stimmberechtigten Mitglieder sprachen sich dafür in einer zweiten außerordentlichen Mitgliederversammlung aus. Für die Vorstandsarbeit wurden keine Mitglieder mehr gefunden.

Im Jahr seines 50-jährigen Bestehens ist der Gemeindesportverband Geschichte. Vorsitzender Uwe Perlowsky, sein Stellvertreter Jörg Grote, Geschäftsführerin Ingrid Ladwein, Sportabzeichenbeauftragter Jörg Tybussek, Sportwart Axel Koch und Kassenwart Jürgen Ruyter hatten nach der Jahreshauptversammlung 2014 allen Sportinteressierten ein halbes Jahr eingeräumt, um mögliche Nachfolger für die Vorstandsarbeit zu finden. Die gibt es offenbar nicht, wie sich in der Sitzung am Freitag zeigte.

Jörg Grote, der stellvertretend für Uwe Perlowsky durch die Versammlung führte, setzte eine Diskussion darüber in Gang, ob der Gemeindesportverband gebraucht wird. Ein klares Ja kam aus den Reihen des TuS Nachrodt. „Wir haben hier ja die Situation, dass die Sportstätten im Tal von weitaus mehr Vereinen, Schülern und Institutionen genutzt werden“, erläuterte TuS-Vorsitzender Heinz-Joachim Even seinen Standpunkt. „Für die Koordination der Belegungszeiten ist der Verband ein wichtiges Gremium, aber auch darüber hinaus.“

Anders sah das Dirk Grote als langjähriges Mitglied des TVW-Vorstands: „Wir haben den GSV fast nie in Anspruch nehmen müssen.“ Zuletzt war das der Fall, als die Sportstättennutzungsgebühren in der Gemeinde zur Diskussion standen. Da gab es viele lange Sitzungen mit den Vertretern der Sportvereine.

Aus den Reihen des TuS Nachrodt-Obstfeld, der stets eng mit dem Verband zusammengearbeitet hatte und auch den Großteil der Vorstandsmitglieder stellte, fanden sich jedoch auch keine Nachfolger für die Ämter. Even: „Ich halte den Verband für wichtig, aber es braucht Menschen, die ihn führen. Dass aus den bestehenden Vereinsvorständen niemand mehr mitwirken kann, verstehe ich voll und ganz. Die haben alle selbst viel mit ihrem Ehrenamt zu tun.“ Diesen Worten konnte Diskussionsteilnehmer Dirk Grote beipflichten, auch SpVgg-Vorsitzender Peter Crummenerl äußerte Verständnis dafür.

Jörg Grote als Versammlungsleiter ließ keine Zerredung und kein Totdiskutieren zu und beendete die Zukunftsdebatte nach 40 Minuten. Er wartete wie zuvor angekündigt wenige Minuten, um die außerordentliche Mitgliederversammlung zu eröffnen, in der über die Auflösung des Gemeindesportverbands abgestimmt werden sollte. Dieser Beschluss fiel dann einstimmig. Sehr zum Bedauern von Rainer Risse, der als Kreissportbundvertreter angereist war und Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung des Gremiums erörtert hatte.

Lösungsansätze hatte es im Märkischen Kreis in der Vergangenheit durch interkommunale Zusammenarbeit gegeben. „Auch aus einem Sportstammtisch heraus konnte ein Verband schon wiederbelebt werden. Zudem bietet der Landessportbund unterstützende Seminare für Kommunen an, damit die Verbände nicht aussterben müssen.“

Annegret Klatt, Vorsitzende des Sportausschusses der Gemeinde, sagte den Vertretern der Sportvereine ihre Unterstützung zu: „Es können sich mit Problemen und Anregungen alle an uns wenden!“ Klatt war in doppelter Funktion vor Ort und zwar auch als Vorsitzende der Sportschützen. Deren Interessen konnte der Gemeindesportverband in den vergangenen Jahren auch nicht mehr vertreten, weil sie über eine eigene Sportstätte verfügen. Gleiches gilt für den Tennisclub und den Angelsportverein, die trotzdem jahrelang Mitglieder waren.

Letzte Amtshandlung für Uwe Perlowsky und Ingrid Ladwein wird nun die Abwicklung des Gemeindesportverbands sein. Sie wurden als Liquidatoren gewählt. Eine Löschung aus dem Vereinsregister wird nicht nötig sein, da der Verband keinen Status als eingetragener Verein hatte.

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