1,50 Euro pro Stunde und ein zufriedenes Lächeln

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Hussein Taheer und Axel Boshamer. Die „Vereinbarung über die Teilnahme an einer Arbeitsgelegenheit“ hat der Mann aus Ghana gern unterschrieben.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Er trägt die Warnweste mit Stolz. Und fegt und schrubbt, was der Unrat hergibt. Als zwischen Weihnachten und Neujahr nicht gearbeitet wurde, war Hussein Taheer fast schon enttäuscht. Rund um den Märkischen Platz ist der Mann aus Ghana täglich im Einsatz. Dafür bekommt er einen kleinen Obolus.

Ebenso drei Mitstreiter, die allesamt mit der Gemeinde eine Vereinbarung getroffen haben. Asylbewerber haben die Möglichkeit, im Rahmen des Asylbewerber-Leistungsgesetzes eine Zusatzleistung zu bekommen, wenn sie eine gemeinnützige Tätigkeit durchführen. Und wie nicht anders zu erwarten, wird in Deutschland nichts per Handschlag besiegelt, sondern per Vereinbarung.

Und so bekommen Hussein Taheer, Kamal Zouaby, Marcenus Mmeremikwu und Cyril Onwachei 1,50 Euro pro Stunde und sind maximal 20 Stunden in der Woche im Einsatz. Dieses Geld dürfen sie zusätzlich verdienen. Während sich die beiden Nigerianer und der Ghanaer hauptsächlich um Abfallbeseitigung kümmern, bringt der Iraker Kamal Zouaby seine Schreinerkenntnisse ein. Er arbeitet im Möbellager, setzt Schränke zusammen und baut Küchen auf.

 Alle vier haben mit Mark Wille, Werner Tetzlaff und Andrej Wacker persönliche Ansprechpartner. Solche Vereinbarungen mit den Flüchtlingen für eine Integration und einen kleinen Einstieg ins Berufsleben können auch andere abschließen, die Kirchengemeinden zum Beispiel oder die Diakonie.

 „Wenn das auch andere machen möchten, wäre das nicht verkehrt“, sagt Ordnungsamtsleiter Axel Boshamer, der den „Papierkram“, sprich die Teilnahme an einer Arbeitsgelegenheit gemäß § 5 des Asylbewerberleistungsgesetzes auch zur Verfügung stellen würde. Es geht darum, den Flüchtlingen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben, damit auch sie sich wertgeschätzt fühlen.

 Hussein Taheer ist wie die anderen mit großer Freude bei der Sache. „Er macht das mit einer Begeisterung, das ist wirklich unglaublich. Er hat auch geholfen, als der Bauhof die Büsche geschnitten hat“, erzählt Bürgermeisterin Birgit Tupat. In den vergangenen Wochen hatte die Gemeindeverwaltung in Sachen „Flüchtlinge“ etwas Zeit zum Luftholen, zum Aufatmen. Die letzten Flüchtlinge kamen im Januar. „Wir konnten jetzt für die Nächsten gut vorbereiten, haben noch drei Wohnungen in der Hinterhand“, so Tupat.

Die Arbeitsgelegenheit, die auch die Städte Hagen oder Iserlohn anbieten, hat übrigens keinen Einfluss auf das Asylverfahren und es ist als freiwilliges Angebot zu sehen. „Die Vereinbarung ist auch jederzeit von beiden Seiten kündbar“, erklärt Axel Boshamer. Durch so eine Vereinbarung ist der Asylbewerber natürlich auch versichert.

Der Haushalt wird nicht belastet. Im Gegenteil. Leistungen durch den Bauhof können teilweise eingespart werden. „Marcenus Mmeremikwu hat zu mir sagt: ‘Ich gehe abends ins Bett und freue mich auf morgen, denn ich habe eine Aufgabe’“, freut sich Axel Boshamer über das positive Feedback der vier Asylbewerber.

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