Tablet-Computer könnte im Rat das Papier ablösen

Tablets, also kleine mobile Computer, könnten demnächst auch in Rat und Ausschüsse der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde Einzug halten. Foto: Schröder

Nachrodt-Wiblingwerde - Auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten ist die Gemeinde jetzt auf die Aufwendungen für die Rats- und Ausschussarbeit gestoßen. In seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Montag, 20. April, wird sich der Gemeinderat deshalb mit der Frage beschäftigen, ob die Ratsmitglieder mit Tablet-Computern ausgestattet werden sollen, was den Versand von Sitzungsunterlagen in Papierform überflüssig machen würde.

Von Volker Griese

Mit knapp 104 Euro beziffert die Gemeindeverwaltung in einer Kalkulation die Personal- und Sachkosten, die entstehen, wenn Einladungen, Protokolle und andere Drucksachen für eine Sitzung auf dem Postweg verschickt werden müssen. Bei durchschnittlich 35 Sitzungen pro Jahr ergibt sich daraus ein Aufwand von etwa mehr als 3600 Euro. Durch den Einsatz von Tablets könnten diese Kosten gesenkt werden, hat die Verwaltung ermittelt – allerdings nur um einen vergleichsweise kleinen Betrag. Denn auch die digitale Ratsarbeit kostet Geld: für Software, Lizenzgebühren, Pflege- und Wartungskosten – und für die Tablets, mit denen möglichst alle Ratsmitglieder ausgestattet werden müssten. Anschaffen müssen die Politiker die mobilen kleinen Computer zwar selbst, die Gemeinde soll ihnen diese Investition auf Vorschlag der Verwaltung aber mit einem einmaligen Zuschuss von 400 Euro schmackhaft machen. Für dieses Geld sind Tablets ohne drahtlosen Internetzugang (Wifi) im Handel erhältlich. Tablets mit Wifi würden für die Ratsmitglieder wenig Nutzen haben, weil in den wechselnden Sitzungsräumen ohnehin kein drahtloser Internetzugang zur Verfügung gestellt werden kann.

Für Soft- und Hardware, Lizenzen, Pflege- und Wartungsarbeiten kalkuliert die Gemeindeverwaltung mit Kosten in Höhe von etwas mehr als 16 500 Euro. Weil der größte Teil davon einmalige Kosten sind, die auf die Dauer einer gesamten Legislaturperiode von fünf Jahren umgelegt werden, ergeben sich nach dieser Kalkulation jährliche Kosten in Höhe von rund 3350 Euro. Unterm Strich würde die Gemeinde durch die Digitalisierung gegenüber der althergebrachten Arbeitsweise mit Papier pro Jahr gut 250 Euro sparen. Etwas mehr lohnen würde sich die Umstellung erst nach fünf Jahren. Weil dann keine Lizenzgebühren mehr anfallen, könnte sich die Einsparung auf knapp 1000 Euro pro Jahr belaufen.

Rechnen würde sich der ganze Aufwand für die Gemeinde aber ohnehin nur, wenn sich mindestens 19 der insgesamt 23 Ratsmitglieder an der digitalen Ratsarbeit beteiligen würden. Zwingen kann die Gemeinde sie nicht dazu, weil sie damit ihr Recht auf freie Mandatsausübung beschneiden und den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzen würde. Sachkundige Bürger und Einwohner sollen übrigens keinen Zuschuss für Anschaffung eines Tablets erhalten, „da dieser Personenkreis eine hohe Fluktuation aufweist“, wie die Verwaltung argumentiert. Sie könnten aber freiwillig an der digitalen Ratsarbeit teilnehmen.

Die digitale Umstellung hätte übrigens nicht nur finanzielle Vorteile und würde nicht nur die Papierberge reduzieren. Sie könnte auch die Recherchen nach Sitzungsunterlagen erleichtern, Arbeitsprozesse vereinfachen und somit die Ratsmitglieder entlasten.

Der Rat wird sich mit dem Thema am 20. April ab 17 Uhr in der Gaststätte Zur Rastatt befassen. Eine Beschlussfassung ist für diese Sitzung allerdings nicht nicht vorgesehen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare