Bürgerversammlung: „Ein Riss durch Veserde“

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180 Gäste kamen zur Einwohnerversammlung ins Schlosshotel Holzrichter.

Nachrodt-Wiblingwerde -  „Das Land gibt Dinge vor und die Gemeinde muss zusehen, wie sie damit fertig wird. Wir müssen uns vor den Menschen rechtfertigen. Der Herr Remmel stellt sich hier nicht hin und holt sich die Klatsche ab.“ Klare Worte gab es von Bürgermeisterin Birgit Tupat vor der Bürgerversammlung im Schlosshotel Holzrichter. Die gerade zitierte „Klatsche“ gab es nicht. Tatsächlich schafften die 180 Gäste ein faires Miteinander – trotz vieler Emotionen und deutlicher Meinungsunterschiede. Das Thema Windkraft in Veserde spaltet die Menschen. „Durch dieses Dorf geht ein Riss“, formulierte es Barbara Kreft.

Sie waren alle da: Die Investoren, die einen Bauantrag für zwei neue Windkrafträder gestellt haben und sich hinten im Saal versammelten, die Kommunalpolitiker von SPD, CDU und UWG, Dirk Röding und Roland Roczniok von der Gemeindeverwaltung, Karl-Albert Strunk vom Amt für Planung und Umweltschutz des Kreises, die Windkraftgegner aus Veserde, Mitglieder der Bürgerinitiative Gegenwind aus Hagen sowie Sascha Schulz und Simon Trockel von der EnergieAgentur.NRW, die die Moderation des Abends übernahmen.

Obwohl ihnen durchaus Subjektivität vorgeworfen wurde, war es auch ihnen zu verdanken, dass die Sachlichkeit das Spannende am Abend war. Aus dem „hohlen Bauch“ heraus wurde nämlich nicht diskutiert – trotz Komplexität der Materie schafften es die Moderatoren im Vortrag als auch die Gegner in der Diskussion gleichermaßen, das Thema von allen Seiten zu beleuchten, – von rechtlichen Vorgängen über die optisch bedrängende Wirkung bis zu gesundheitlichen Bedenken inklusive des heiß umstrittenen Infraschalls. Und über allem schwebte der Windenergieerlass – „von dem wir uns mehr versprochen hatten. Gäbe es konkrete Angaben, wäre uns allen wohler“, so Birgit Tupat.

Die Vielzahl der Argumente wird den Kommunalpolitikern noch zu schaffen machen. Denn sie sind es, die am 8. Februar im Planungs- und Bauausschuss und schließlich am 15. Februar im Rat die Weichen stellen werden.

Und so gibt es drei Möglichkeiten: - Die vorhandene Vorrangzone, die es im Bereich Veserde gibt, könnte theoretisch aufgehoben werden. Dann wäre das gesamte Gemeindegebiet frei für die Errichtung von Einzelanlagen. - Das 22. Änderungsverfahren könnte weitergeführt werden mit den Abstandsflächen 700 Meter zur Bebauung für Veserde und für den Bereich Hohenlimburg. In dieser Fläche würden dann die zwei geplanten Anlagen stehen. - Und die dritte Möglichkeit: Der Beschluss zum 22. Änderungsverfahren wird aufgehoben und die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde stellt sich auf den Standpunkt, dass die vorhandene Vorrangzone ausreichend ist. Applaus gab es – natürlich – nur für die dritte Variante. Dass man dann allerdings mit einem Klageverfahren rechnen muss, wurde auch nicht verschwiegen.

Ein paar sehr emotionale Momente gab es auch: Die „Gegenwind-Experten“ sprachen von Lärmbelästigung und „einer Disko da oben“. Andere erklärten, dass die gesamte Anwohnerschaft gegen die Anlagen sei und man hoffe, dass dies auch zur Kenntnis genommen werde. Und weiter: „Wir haben drei Windräder, aber optisch fünf. Und wenn die Sonne niedrig steht, hat man das Gefühl, die Windräder erschlagen uns.“ Geschimpft wurde auch: „Was fällt der Landesregierung ein, uns mit diesem Mist zu überkübeln“, fand Alfred Klein. Und Jochen Feike meinte gleich zu Beginn, die Moderatoren „unter verschärfter Beobachtung“ stellen zu wollen – da hatten diese noch gar nichts gesagt.

Letztlich war Jochen Feike zufrieden. „Wir haben den beiden Moderatoren mit auf den Weg gegeben, dass man sich nicht einfach über die Bedenken der Bevölkerung hinwegsetzen kann. Was ich nicht verstehe ist, dass man sich dies alles für eine Sache antut, die es nicht wert ist.“

Im Moment gibt es Überlegungen in Veserde, eine eigene Bürgerinitiative zu gründen. „Das hängt davon ab, wie sich die Politiker in der nächsten Woche verhalten“, so Feike. Mit dem Verlauf des Abends zufrieden ist Bürgermeisterin Birgit Tupat.  „Im Endeffekt ist jeder zu Wort gekommen, der sich äußern wollte.“

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