Ehrenamtskarte: Begeisterung hält sich in Grenzen

In Bestzeiten hatten 20 Nachrodt-Wiblingwerder eine Ehrenamtskarte – jetzt sind es fünf.

Nachrodt-Wblingwerde - Seit es den freien Eintritt ins Gartenhallenbad nicht mehr gibt, ist „der Ofen“ ganz aus. Das war nämlich noch ein Highlight für die Besitzer der Ehrenamtskarte. Doch jetzt? Jetzt gibt es in der Gemeinde sage und schreibe nur noch fünf Menschen, die eine Ehrenamtskarte besitzen – von vielen, vielen, die ehrenamtlich tätig sind.

Vor genau sechs Jahren wurde die Karte eingeführt. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung. Doch in Nachrodt-Wiblingwerde hielt sich die Begeisterung schon immer in Grenzen – und schwindet jetzt augenscheinlich komplett.

In Bestzeiten gab es 20 Karten-Besitzer. Dabei hatte die Gemeinde 71 „Ehren-Tickets“ vom Kreis zur Verfügung gestellt bekommen. Insgesamt waren bei der Einführung der Karte 4500 Ehrenamtsausweise im Märkischen Kreis an die 15 kreisangehörigen Städte und Gemeinden ausgeliefert worden. „Doch als dann die ersten ausgelaufen waren, haben schon einige die Karte nicht mehr verlängert“, sagt Ortrud Itzigehl vom Nachrodt-Wiblingwerder Einwohnermeldeamt.

Drei Jahre ist die Karte gültig, dann muss sie neu beantragt werden. Was eigentlich relativ unproblematisch ist:

Die Gemeinde kann die Ehrenamtskarte ausgeben, wenn jemand mindestens fünf Stunden ehrenamtliche Arbeit pro Woche leistet oder mindestens 250 Stunden im Jahr in Nachrodt-Wiblingwerde seit mindestens zwei Jahren für das Gemeinwohl tätig ist – in einem Verein beispielsweise, oder bei einer Organisation.

Grundsätzlich gilt, dass der Ort der Antragstellung der Ort der ehrenamtlichen Tätigkeit ist. Übt zum Beispiel ein Altenaer die ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde aus, so stellt diese Person den Antrag bei der Gemeindeverwaltung Nachrodt-Wiblingwerde.

So weit, so gut. Dass die Karte kaum jemand haben will, könnte, so glaubt Ortrud Itzigehl, an der fehlenden Attraktivität liegen. Wer die Ehrenamtskarte in der Doppelgemeinde besitzt, bekommt 15 Prozent Rabatt auf eine Autowäsche bei Aral, ein kostenloses Getränk zum Essen in der Rastatt, zehn Prozent Ermäßigung bei Anmietung der Ferienwohnung auf dem Bauernhof Knipps, 20 Prozent auf das Brot an den Backtagen der Brenscheider Mühle und 20 Prozent auf Behandlungen im Kosmetik-Institut Feinbier in Letmathe. Das ist der aktuelle Stand der Dinge – zuvor war der freie Eintritt im Gartenhallenbad dabei, der wegfiel, als das Bad in private Trägerschaft überging.

„Aber man hat nicht nur in Nachrodt selbst etwas davon, sondern kann die Karte auch in anderen Städten nutzen“, sagt Ortrud Itzigehl. Und in der Tat gibt es unter www.ehrensache-nrw.de unzählige Vergünstigungen und interessante Dinge zu entdecken, die Ehrenamtskarten-Besitzer nutzen können – zum Beispiel vergünstigte Tickets für die Duisburger Tanztage am 6. März, die mit mehr als 5000 Tänzerinnen und Tänzern das größte Amateurtanzfestival in Deutschland sind. Wer nicht so weit fahren mag, könnte sich vielleicht über 20 Prozent Ermäßigung auf alles auf der Osterkirmes und der Hasper Kirmes in Hagen freuen.

Insgesamt stehen landesweit mehr als 3300 „Bonbons“ zur Verfügung. Dazu gibt es auch eine App „Ehrensache NRW.“ Wie gut oder schlecht die Ehrenamtskarte in den Städten und Gemeinden angenommen wird, darüber hat der Märkische Kreis keinen Überblick. Er hatte vor sechs Jahren das Projekt angeschoben und die Federführung übernommen. „Vielleicht“, so sagt Ortrud Itzigehl, könnte man ein bisschen Werbung für die Ehrenamtskarte machen.

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