Nicht nur Wiesengrab zerstört

Wildschweine verwüsten Nachrodter Friedhof

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Das ist das Werk von Wildschweinen, die nachts über den Friedhof in Nachrodt herfallen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Wildschweine haben den Friedhof in Nachrodt verwüstet. Doch die vierbeinigen Täter auf frischer Tat zu ertappen, um sie dann zu erschießen, ist eine Idee, die nicht oder zumindest nicht einfach umzusetzen ist.

Schwer fällt es, einem Schwein etwas Schlechtes abzugewöhnen. Es riecht Dreck und Köstlichkeiten über neun Zäune – wühlt sich durch alles, was nicht niet- und nagelfest ist und richtet heftige Schäden an. Aktuell auf dem evangelischen Friedhof in Nachrodt. Verheerend ist es, was sich dort im Moment abspielt: Nicht nur das Wiesengrab ist komplett umgegraben.

Symbolbild

Otto Rudolph kniet vor dem Grab seiner Frau Ilse. Sie verstarb ganz plötzlich vor zwei Jahren. Doch dort, wo eine schöne, in den Boden eingelassene Platte erinnert, ist kaum noch eine Ruhestätte zu erkennen. Es türmt sich die aufgewühlte und zertrampelte Erde, Lehmbrocken verunstalten das Wiesengrab. Auch gleich nebenan, dort wo die Urnengräber sind und zwei Stelen mit den Namen der Verstorbenen aufgestellt sind, haben Wildschweine „ganze Arbeit“ geleistet. Zudem sind auch einige Gräber komplett ruiniert. Ein Dilemma für die Hinterbliebenen, die immer wieder versuchen, die gröbsten Schäden zu beseitigen, Lämpchen wieder aufstellen, aber den nächtlichen Wildschwein-Angriffen so gut wie nichts entgegen setzen können. Wildschweine sind Allesfresser. Sie fressen in der freien Natur bevorzugt Nahrung aus dem Erdreich.

Auf der Suche nach Schnecken, Engerlingen, Wurzeln, Pilzen und vielem mehr durchwühlen sie den Boden. Und haben einen neuen Lieblingsplatz gefunden: den Friedhof. „Das kann doch so nicht bleiben“, sagt Otto Rudoph. Und auch Pfarrer Kube ist entsetzt: „Die Wildschweine springen über den Zaun oder graben sich auch 30 bis 50 Zentimeter unter den Zaun durch.“ Nur eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Denn die vierbeinigen Täter auf frischer Tat zu ertappen, um sie dann zu erschießen, ist eine Idee, die nicht oder zumindest nicht einfach umzusetzen ist. „Es gab einen Ortstermin mit der unteren Jagdbehörde des Märkischen Kreises, gemeinsam mit dem Jagdberater Bernd Schmidt vor Ort.

Es soll nun einen weiteren Termin geben, bei dem auch der Jäger eingeladen wird, um eine vernünftige Lösung zu finden. Kurzfristig“, sagt Ulla Erkens, Pressesprecherin des Märkischen Kreises. Was in diesem Fall „vernünftig“ bedeutet, ließ sie offen. Sehr wahrscheinlich ist, dass man versuchen möchte, das Schwarzwild zu vergraulen. Denn: „Auf dem Friedhof besteht grundsätzlich Jagdverbot, und es bedarf immer einer Ausnahmegenehmigung“, sagt Presbyter Rolf Stiebing. Der Friedhof ist in nächster Nähe zur Wohnbebauung, was die Situation nicht gerade verbessert. Doch Handlungsbedarf besteht.

Die einzige Möglichkeit, die ungebetenen Gäste auf Dauer vom Friedhof fern zu halten, ist nach Ansicht von Rolf Stiebing ein Metallzaun. 450 Meter rundherum würden etwa 55.000 Euro kosten. „Aber der Friedhof muss sich selber tragen und wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten“, erklärt der Presbyter. Aus diesem Grund hat die Kirchengemeinde einen Kredit beim Kreiskirchenamt beantragt. Doch zurück zu den Wildschweinen, die zwar kluge Tiere sind, aber von Pietät nichts wissen wollen. „Sie wissen offensichtlich, dass sie auf dem Friedhof unbehelligt herumlaufen dürfen, und dass sie aber im Wald vom Förster was auf den Hintern bekommen“, sagt Pastor Kube, der die Angelegenheit allerdings gar nicht zum Schmunzeln findet.

 Dass die Gräber zum großen Teil unbeschädigt sind, erklärt er mit dem Geschmackssinn der Wildschweine, die in den Wiesen die beliebten Engerlinge finden. Pfarrer Kube wünscht sich dringend eine Lösung. „Am besten eine Ausnahmegenehmigung. Dann muss man den Friedhof zwei, drei Tage für den Jäger schließen.“ Für die Untere Jagdbehörde auch ein recht neuer Fall. „Wildschweine auf den Friedhöfen sind uns bisher nicht bekannt gewesen.“

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