Auf Englisch, mit Händen und Füßen und vor allem mit Herz

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Ingo Graetz (links) und Elfriede Sickart helfen einem jungen Flüchtling beim Aussuchen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Was fehlt, ist warme Winterkleidung. „Die jungen Männer sind sehr schmal, da passt vieles nicht“, sagt Birgit Pinto, macht Häkchen auf ein Formular, stopft eine große Decke in eine Tüte und schaut in die Runde. Wer ist jetzt dran? Sehr trubelig geht es in den Räumen der Neuapostolischen Kirche an der Jahnstraße 1 zu. Viele Flüchtlinge sind da, um nach warmen Schuhen, Jacken, Pullis oder Schals zu suchen.

 Oben im Gebäude sind Haushaltswaren, unten ist die Bekleidung geradezu liebevoll sortiert. Dort stöbern die Menschen, die als Flüchtlinge in Nachrodt-Wiblingwerde sind. Sie suchen, probieren, sind zufrieden – oder manchmal auch nicht. Eine Familie aus Ghana strahlt. Sie kann für den kleinen Sohnemann einen Winteroverall und einen Kinderwagen ergattern. Mittendrin auch: Ingo Graetz und Elfriede Sickart. Sie helfen beim Aussuchen und beraten. Gesprochen wird Englisch, mit Händen und Füßen und vor allem mit Herz. „Eine Affinität dazu sollte man schon haben“, schmunzelt Ingo Graetz. Die Helfer und Helferinnen der Nachrodter Flüchtlingshilfe „gehen auf dem Zahnfleisch“, denn es fehlt an allen Ecken und Enden an weiterer Unterstützung.

Fünf Sprachkurse laufen aktuell in Nachrodt für die 110 Flüchtlinge. „Und wir planen eine Kinderbetreuung für das kommende Jahr“, erzählt Ingo Graetz. Aktuell hat das Helferteam etwas Neues eingeführt: Formulare für die Ausgabe. „Damit alle etwas bekommen“, spricht Ingo Graetz aus Erfahrung. Wer einen Gürtel sucht, bekommt einen – und nicht fünf. Es gilt also nicht: Wer zuerst kommt, kann alles mitnehmen. Schließlich soll so vielen Menschen wie möglich geholfen werden.

Und so bekommen die Flüchtlinge eine Art „Berechtigungsschein“, auf dem angekreuzt wird, was sie sich ausgesucht haben. Kühlschränke, Waschmaschinen – nicht älter als fünf Jahre – und alte Smartphones stehen auf der Wunschliste des Arbeitskreises Flüchtlingshilfe. „Auch alte Laptops mit WLAN-Zugang wären super“, bittet Ingo Graetz um weitere Hilfe aus der Bevölkerung. Und wer Kleidung abgeben möchte, sollte vielleicht schauen, dass sie auch für junge Menschen geeignet ist.

 „Big, very big“, ist sodann auch der Lieblingssatz der Flüchtlinge, die oftmals in den Jacken und Pullis versinken. Gut ausgestattet dagegen ist das „Lagerhaus an der Jahnstraße 1“ mit schönen Kindersachen. „Wir suchen auch dringend Menschen, die morgens Zeit haben, um die Flüchtlinge zu den Ämtern zu begleiten oder sie einfach mal an die Hand zu nehmen“, sucht Susanne Jakoby neue Helfer. Wer sich angesprochen fühlt und die engagierte Gruppe unterstützen möchte, kann am 5. November ab 16 Uhr zum Flüchtlingscafé – Hagener Straße 96 – kommen „und vielleicht schon einmal Hemmschwellen abbauen.“ Der Flüchtlingskreis trifft sich im Anschluss ab 18 Uhr. Sachspenden werden montags von 16 bis 18 Uhr und mittwochs von 10 bis 12 Uhr an der Jahnstraße 1 angenommen.

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