Durchatmen zwischen Weihnachten und Neujahr

+
Axel Boshamer: „Zwischen Weihnachten und Neujahr werden keine Flüchtlinge zugewiesen.“

Nachrodt-Wiblingwerde - Sie kommen aus Xanten, Hamm oder Lippstadt angereist. Fast täglich. 140 Flüchtlinge sind aktuell in der Gemeinde. Mit weiteren 40 wird für das kommende Jahr gerechnet. „Ob das stimmt, weiß keiner“, sagt Axel Boshamer. Ohnehin stimmt so manches nicht. Geburtsdaten zum Beispiel. „Oder es ist eine Familie mit drei Jungs angekündigt, es kommen aber zwei Mädchen.“

Untergebracht werden die Zuflucht suchenden Menschen auch in 13 angemieteten Wohnungen. „Aber wir benötigen noch mehr“, sagt Axel Boshamer, der mit seinem Team die Mammutaufgabe stemmt. Die Hilfsbereitschaft, so Boshamer, ist nach wie vor hoch. „Und so lange wir den Menschen nicht ans Geld gehen und die Steuern nicht erhöhen, wird das sicher auch so bleiben. Auch die Spendenbereitschaft ist enorm“, findet der Ordnungsamtsleiter.

Die Welle der Hilfsbereitschaft spüren auch die Flüchtlinge. Und einige möchten etwas zurückgeben. Zwei Nigerianer kümmern sich beispielsweise um die Sauberkeit rund um die Lennehalle und in der Sporthalle selbst. „Das ist wirklich klasse“, lobt Axel Boshamer in den höchsten Tönen. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille: Ein Flüchtling aus Georgien ist aktuell untergetaucht, ein anderer aus Eritrea sitzt wegen einiger Drogendelikte im Gefängnis.

Nicht ganz unproblematisch ist die Unterbringung: Im Haus Hagener Straße 116 sind beispielsweise Aleviten, Kurden und pakistanische Christen. „Jeder kocht für sich selbst“, erzählt Axel Boshamer, der mit seinem Team versucht, die Unterbringung auch nach ethnischen Gesichtspunkten über die Bühne zu bringen.

Zwischen Weihnachten und Neujahr ist ein Durchatmen möglich. In diesen Tagen gibt es keine Zuweisungen. „So können wir etwas durchschnaufen“, sagt Boshamer.

Ob und wann die insgesamt 19 Albaner und Kosovaren abgeschoben werden, weiß übrigens niemand. In den vergangenen acht Wochen ist „nur“ ein Albaner verabschiedet worden. Axel Boshamer verweist auf den Märkischen Kreis. Der Märkische Kreis verweist auf die zentrale Ausländerbehörde in Dortmund. Trotz Anfrage hüllt diese sich aber in Schweigen.

Albanien und der Kosovo gelten als sichere Herkunftsländer. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mitteilt, wurden 240 058 Erst- und Folgeanträge im bisherigen Jahr entschieden, davon Syrien mit 80713 Entscheidungen (Gesamtschutzquote: 94,8 %), Albanien mit 32 150 Entscheidungen (Gesamtschutzquote: 0,2 %) und Kosovo mit 28 526 Entscheidungen (Gesamtschutzquote: 0,4 %). Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der Entscheidungen mehr als verdoppelt (+ 111,3 %).

„Wir bekommen eine Mitteilung und haben dann die Verpflichtung, die Menschen aus den Einrichtungen abzuholen“, sagt Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises. Manchmal gehe alles reibungslos. Manchmal nicht. Schön sei dies niemals und werde auch manchmal mit Protesten begleitet.

Wie Ende November. Mit großen Bannern demonstrierten 35 Bürger vor dem Kreishaus, um die Abschiebung der Familie Kaludra, die aus dem Kosovo stammt und jetzt in Plettenberg lebt, zu verhindern. Auch Vertreter der Partei „Die Linke“ nahmen an der Kundgebung teil. An die große Glocke werden die Abschiebungs-Termine nicht gehangen.

Derweil ertrinkt die Ausländerbehörde des Märkischen Kreises in Arbeit, wie Hendrik Klein erklärt. 15 zusätzliche Leute wurden vom Kreistag bewilligt und sollen zeitnah eingestellt werden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare